Demo-Touristen aus Deutschland bei WKR-Ball

Polizeieinsatz. Bei der Kundgebung gegen den Ball des Wiener Korporationsrings gab es Freitagabend kleinere Zwischenfälle und mehrere Festnahmen. Demonstranten attackierten Festgäste mit Tritten und Pfefferspray.

DemoTouristen Deutschland WKRBall
DemoTouristen Deutschland WKRBall
(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

[WIEN] Vorne weg hunderte von Polizisten in schwerer Schutzkleidung, danach etwa 1500 Demonstranten und am Ende des Zugs die MA48, die mit Kehrfahrzeugen und einigen Dutzend Mitarbeitern ausgebrannte Feuerwerkskörper und Bierdosen entsorgte. So begann am Freitagabend am Wiener Westbahnhof die mit Spannung erwartete Demonstration gegen den zeitgleich in der Hofburg stattfindenden Ball des Korporationsringes (WKR).
Insgesamt kam es zu 20 Festnahmen. Die beiden Wasserwerfer der Wiener Polizei, die im Inneren Burghof bereitstanden, mussten bis dahin nicht eingesetzt werden. Die Demonstranten verließen gegen 22 Uhr den Heldenplatz, die Gruppe zerstreute sich daraufhin in der Innenstadt.

Zuvor war es aber zu Zwischenfällen gekommen: Beim Ballhausplatz griffen einige Vermummte Ballbesucher an. Sie attackierten sie mit Pfefferspray, eine Frau soll von einem Demonstranten getreten worden sein. In der Herrengasse blockierten Ball-Gegner einen Bus mit Gästen. Die Ballbesucher wurden von der Polizei aus dem Wagen geleitet und in die Hofburg gebracht. Die Aktivisten versuchten immer wieder, die kleineren Lücken der Polizeiabsperrung zu überbrücken. Die Österreichische Hochschülerschaft sprach von einer „überforderten Polizei" und unnötigen „Kesselungen". Insgesamt sollen laut Polizeiangaben 3000 Menschen, laut Veranstalter bis zu 8000 am Freitagabend gegen den Ball demonstriert haben.

Bus in Salzburg angehalten

Die Nervosität im Vorfeld war groß. In einer Analyse des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) war von der „heißesten Veranstaltung der vergangenen Jahre" die Rede gewesen. Entsprechend massiv trat die Polizei auf. Aus mehreren Bundesländern waren knapp 1300 Einsatzkräfte zusammengezogen worden. Unter besonderer Beobachtung stand eine spezielle Truppe: Autonome Demonstrations-Touristen aus Deutschland.

Und tatsächlich marschierten die Gäste aus dem Nachbarland an vorderster Front. Jene Demonstration, die vom Westbahnhof über die Mariahilfer Straße zur Hofburg zog (eine zweite Gruppe marschierte von der Universität über die Innenstadt zum Austragungsort des Balls), wurde von knapp 100 schwarz gekleideten und bis zur Unkenntlichkeit vermummten Gestalten angeführt. Dicht zusammengedrängt und versteckt hinter Spruchbändern warfen sie Knall- und Leuchtkörper. Die Showeffekte waren dabei größer als das Gefahrenpotenzial für die zahlreichen Schaulustigen, die dem Spektakel auf Wiens größter Einkaufsstraße - teils in Sicherheitsabstand, teils leicht amüsiert - beiwohnten. Es schien fast so, als ob der berüchtigte Schwarze Block aus Deutschland die Öffentlichkeit förmlich suchte.

Bereitwillig posierten die Vermummten für fast 100 akkreditierte Journalisten, Fotografen und Kameraleute, entrollten Plakate, auf denen Heinz-Christian Strache, Jörg Haider und Adolf Hitler nebeneinander abgebildet waren. Warum eigentlich? „Weil rechtsradikale Burschenschafter in Österreich bis in höchste politische Kreise vernetzt sind", sagte ein schwarz Gekleideter, der sich der „Presse" als Martin aus Berlin vorstellte. Frühmorgens war er in der deutschen Hauptstadt in den Bus gestiegen. Für die lange Reise - die er verschlief - hätten die Organisatoren des kommunistischen „Ums Ganze"-Bündnisses 25 Euro verlangt. „So günstig kommt man nicht einmal mit Ryan-Air wohin."

Die Sicherheitsbehörden nahmen die Veranstaltung nicht so locker. Schon zu Mittag fing die Salzburger Polizei einen Reisebus mit Linksextremisten aus Deutschland ab. Bei Klessheim leiteten sie die Reisegruppe von der Autobahn ab und hin zum Stadion. Am Vormittag hatte das Innenministerium von der bayerischen Polizei den Tipp bekommen, dass in einem aus Frankfurt kommenden Bus möglicherweise eine Gruppe von gewaltbereiten Randalierern sitzen könnte. Mit der Begründung „Gefahrenabwehr" wurden die Identitäten von 41 Personen festgestellt. Weil gegen keinen der Untersuchten ein international gültiger Haftbefehl vorlag, durfte die Gruppe jedoch eine Stunde später ihre Reise nach Wien fortsetzen.

Bei der Organisation der Demonstration spielten auch Social Media eine nicht unwichtige Rolle. Die Aktivisten informierten einander via Twitter über spontane Aktionen, Polizeieinsätze und „Hotspots".

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