Mehr ein Duell Norbert Hofer gegen ORF-Moderatorin

Van der Bellen und Hofer gaben sich wieder zivilisierter. Es war eher ein lockeres Auslaufen. Mit Aufregung am Ende wegen Hofers Israel-Reise.

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Van der Bellen; Thurnher; Hofer – (c) ORF (Thomas Ramstorfer)

Das erste Thema im ORF war ATV. „Eine leidvolle Erfahrung“ sei das gewesen, sagte Alexander Van der Bellen. „Wir sind entgleist.“ Am Sonntagabend waren Van der Bellen und Norbert Hofer auf dem Privatsender ohne Moderator aneinander geraten. „Seien wir froh, wenn gestritten wird“, meinte Norbert Hofer hingegen. Davon lebe die Demokratie.

Das Duell im ORF am Donnerstagabend wurde wieder moderiert – von Ingrid Thurnher. Und die beiden Kontrahenten begannen respektvoller. „Wer weiß wählt, wählt Hofer“, brachte Van der Bellen jedoch noch schnell vor der ersten Themen-Fragerunde an. Diese drehte sich um die neue Regierung. Diese bekomme einen Vertrauensvorschuss, so Norbert Hofer. Er sei optimistisch, die Rede von Kanzler Christian Kern sei durchaus eindrucksvoll gewesen, meinte Van der Bellen.

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Dann entspann sich eine Debatte um das Amtsverständnis des Bundespräsidenten – mit bekannten Positionen: Van der Bellen warf Hofer vor, eine amtierende Regierung entlassen zu wollen, wenn diese ihm nicht passe. Hofer konterte, Van der Bellen sei ja derjenige, der eine Partei, die demokratisch gewählt sei und die Mehrheit hinter sich habe, nicht in die Regierung lassen wolle.

Van der Bellen wiederum warf Hofer vor, ein reiner Parteikandidat zu sein. Hofer pochte auf seine Überparteilichkeit, er habe sie als Dritter Nationalratspräsident bewiesen. Van der Bellen merkte bezüglich der eigenen Unabhängigkeit von den Grünen, die auf ihrer Homepage für ihn werben, selbstkritisch an: „Vielleicht war es eh ein bisschen übertrieben.“

Dann ging es um den Heimatbegriff. Was Österreich von Deutschland unterscheide – bei all seiner Leistungsfähigkeit – sei „Gemütlichkeit“, meinte Norbert Hofer. Seine Vision für das Land sei eine starke Wirtschaft, eine niedrige Arbeitslosigkeit und Sicherheit – vor allem für Frauen in Großstädten. Dass diese „vergewaltigt und erschlagen“ werden, könne man nicht zulassen. Van der Bellen pochte vor allem auf Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Die Österreicher charakterisierte er so: „Sie arbeiten wie die Löwen und tun so, als ob sie das nicht tun würden.“ Seine Vision für das Land: Innovation, bessere Ausbildung für Kinder – nicht durch Drill, sondern durch Freude am Lernen.

Hofer stritt mehr mit Thurnher

Im Ton blieben beide über weite Strecken sanft und verbindlich. Norbert Hofer geriet zeitweise mehr mit der Moderatorin aneinander als mit Alexander Van der Bellen. „Die meiste Redezeit haben Sie von uns dreien“, meinte er zwischendurch zu Thurnher, von deren Fragen er sichtlich genervt war. „Ich bin immer zuerst für die Österreicher da“, sagte Hofer dann. „Ich bin für alle in diesem Land da“, meinte Van der Bellen. Mitgemeint waren da jene, die keine Staatsbürgerschaft haben – und auch keine solche bekommen werden.

Für einen Austritt aus der EU sei er nur, wenn die Türkei beitrete, bekräftigte Hofer eine ebenfalls schon bekannte Position. Jetzt aktiv aus der EU austreten wolle er nicht. Van der Bellen wiederum befand, dass es derzeit bei der Handlungs- und Beschlussfähigkeit der Europäischen Union hapere. Das Ziel sei eine „europäische Eidgenossenschaft“, also eine Art Willensnation. Die Schweiz – erklärtes Vorbild der FPÖ und selbst nicht EU-Mitglied – sei nämlich eine EU im Kleinen, so Van der Bellen.

Norbert Hofer forderte eine bessere Ausrüstung für das Bundesheer – auch die Militärmusik sei ihm wichtig. Van der Bellen warf er vor, 1999 für eine Abschaffung des Bundesheers eingetreten zu sein. Der damalige Grünen-Chef bezeichnete das als „Ente“.

Was war da jetzt in Israel?

Auch zu seinem Besuch in Israel 2014 wurde Hofer befragt – er soll damals Zeuge eines Attentats geworden sein, bei dem eine Frau erschossen worden sein soll. Das Statement eines israelischen Polizeisprechers wurde eingespielt, der von einem solchen Vorfall am Tag des Hofer-Besuchs nichts wusste.

„Da hört sich bei mir das Verständnis auf. Wenn mir unterstellt wird, die Unwahrheit gesagt zu haben, dann werde ich mich wehren.“ Der Angriff habe sich genauso auf dem Tempelberg zugetragen, erklärte ein empörter Norbert Hofer. Dem ORF warf er mangelnde Objektivität vor. Thurnher meinte: Da gebe es eben scheinbar unterschiedliche Wahrnehmungen. Laut „Jerusalem Post“ – dies vertwitterte dann ein Journalist – wurde an diesem Tag auf dem Tempelberg eine sich verdächtig verhaltende Frau von der Polizei angeschossen.

Sachlich und eher vorsichtig von beiden Seiten geführt, ging das Duell dann auch zu Ende. (oli)

(Print-Ausgabe, 20.05.2016)

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