Norbert Hofers elitärer Ritterorden

Der freiheitliche Präsidentschaftskandidat Hofer ist Mitglied des St. Georgs-Ordens – so wie auch Erwin Pröll, Erhard Busek und Karl Schlögl.

CZECH-AUSTRIA-POLITICS-DIPLOMACY
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(c) APA/AFP/RADEK MICA

Wien. FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer kann sich auf sein Netzwerk verlassen: Das Treffen mit dem tschechischen Präsidenten Miloš Zeman vergangene Woche kam auf Vermittlung eines in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Ordens zustande, bei dem der Freiheitliche Mitglied ist: des St. Georgs-Ordens. Dieser hat auch schon bei anderen internationalen Kontakten Hofers die Fäden gezogen.

„Wir sind ein politischer Orden“, sagt Norbert van Handel, als Prokurator die Nummer zwei in der Hierarchie, zur „Presse“. Eines der wesentlichen Ziele der Organisation sei es, die Mitglieder bei ihren poltischen Aktivitäten zu unterstützen, das sei hier der Fall gewesen. Der Orden definiert sich selbst als christlich, europäisch, wertkonservativ und wirtschaftsliberal.

 

Orden des Hauses Habsburg

Gegründet wurde er im Jahr 1308 von den Habsburgern, denen er immer noch verbunden ist: Der St.Georgs-Orden ist laut Definition „ein europäischer Orden des Hauses Habsburg-Lothringen“. Das kommt auch personell zum Ausdruck: Großmeister und damit Nummer eins in der Hierarchie ist Karl Habsburg, der Enkel des letzten Kaisers.

War die Mitgliedschaft einst dem Adel vorbehalten, so setzt man nun auf ein anderes Konzept: Es sollen Eliten aufgebaut werden, die im Sinne der Wertvorstellungen des Ordens agieren. Ehemals Adelige spielen keine so große Rolle mehr: Rund 15 bis 20 Prozent der Mitglieder seien Adelige.

 

Ehrenritter und Ehrendamen

Festgelegt hat man sich auch darauf, absolut überparteilich agieren zu wollen. Unter den Mitgliedern sind etliche Politiker, vor allem aus der ÖVP und der FPÖ. Zu den „Ehrenrittern“ gehören von ÖVP-Seite der frühere Vizekanzler und Parteichef Erhard Busek, die Landeshauptleute Erwin Pröll und Josef Pühringer, die früheren Landeshauptleute Herwig van Staa und Franz Schausberger, und die frühere Justizministerin Beatrix Karl ist „Ehrendame“.

Von der FPÖ gehören neben Hofer die Wiener Stadträtin Ursula Stenzel, die Abgeordneten Andreas Karlsböck und Gerald Ebinger sowie der frühere Justizminister Harald Ofner dem Orden an. Kaum vertreten sind andere Parteien, obwohl laut van Handel auch auf Sozialdemokraten das Kriterium „wertkonservativ“ zutreffen könne. Prominentester SPÖ-Politiker im Orden ist der frühere Innenminister Karl Schlögl, bekannt für seine guten Kontakte ins freiheitliche Lager.

Der Orden ist aber nicht nur auf Österreich beschränkt, sondern hat ein weitverzweigtes internationales Netzwerk, mit Schwerpunkt in den ehemaligen Habsburg-Ländern. „Komtureien“, also Niederlassungen, gibt es auch in Slowenien, Kroatien, Ungarn, Italien und Großbritannien. Und auch international finden sich etliche prominente Mitglieder. So zum Beispiel der frühere slowakische Ministerpräsident Ján Čarnogurský und Roberto Maroni, Vorsitzender der Lega Nord und Präsident der Region Lombardei.

 

Elitäre Auswahl

Rund 400 bis 500 Mitglieder hat der Orden derzeit. Und er ist auch nicht daran interessiert, zu einer Massenbewegung zu werden. Mitglied kann nur werden, wer von einem der bestehenden Mitglieder vorgeschlagen wird – und auch von den Gremien für würdig befunden wird. Schließlich heißt es in den Grundsätzen: „Der Orden ist elitär.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2016)

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