Burschenschafter im Nationalrat

In den Reihen von FPÖ und BZÖ sind mehrere Mitglieder schlagender Studentenverbindungen.

 

Die Mitgliedschaft des FPÖ-Kandidaten für den Dritten Nationalratspräsidenten, Martin Graf, bei der Burschenschaft Olympia, hat Diskussionen um die Postenbesetzung ausgelöst. Olympia wird vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) als rechtsextrem eingestuft. Graf wird aber nicht der einzige Burschenschafter im neuen Nationalrat sein. Zwar scheidet etwa mit Reinhard Bösch - er ist laut DÖW Mitglied der Teutonia - ein Burschenschafter aus dem FPÖ-Klub aus, es kommen aber neue nach.

In den Reihen von FPÖ und BZÖ sind mehrere Mitglieder schlagender Studentenverbindungen, darunter auch der Olympia. Viele von ihnen sind schon bisher im Parlament gesessen. Die Zahl der Burschenschafter wird nach derzeitigem Stand durch den Anstieg der FPÖ- und BZÖ-Mandatare nach der Wahl aber nicht proportional wachsen. Mit ein Grund dafür könnte der bei der FPÖ gestiegene Frauenanteil von einer auf sechs oder sieben Frauen sein.

Heftige Debatten über die weltanschauliche Positionierung eines von der FPÖ gestellten Dritten Nationalratspräsidenten hatte es schon 1996 gegeben: Die Wahl von Willi Brauneder brachte unter anderem den Vorwurf zutage, er habe in seiner Eigenschaft als Dekan der Juridischen Fakultät an der Uni Wien im Jahr 1987 den Vortrag eines Rechtsextremisten namens Reinhold Oberlercher zugelassen. Eben diese Veranstaltung kommt nun wieder zu medialen Ehren: Martin Graf nämlich sei damals dabei gewesen, schreibt das "profil" (aktuelle Ausgabe): Er habe im Hörsaal Ordnerdienst verrichtet. Und Harald Stefan, damals Funktionär des Rings Freiheitlicher Studenten, habe den Vortrag moderiert.

Stefan, der nun neu in den Nationalrat einziehen dürfte, ist nach DÖW-Informationen auch "Alter Herr" der Olympia. Die Burschenschaft führt auf ihrer Homepage Norbert Burger, Gründer der verbotenen rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei (NDP), unter "Hervorragende Olympen". Die Burschenschaft soll auch den britischen Holocaust-Leugner David Irving Ende 2005 nach Österreich eingeladen haben. Das hat Graf zuletzt bestritten und sich auch von Burgers Ansichten distanziert. Kontakte zu Burger hatte auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, er war mit dessen Tochter verlobt gewesen. Strache ist Mitglied der Vandalia Wien, in der, wie in Mittelschul-Burschenschaften üblich, Zweikämpfe nur mit stumpfer Klingen ausgefochten werden. Der freiheitliche Spitzenkandidat in Tirol, Werner Königshofer, war früher Mitglied der NDP gewesen.

Der steirische FPÖ-Chef Gerhard Kurzmann war nach Eigenangaben Mitglied in einem anderen Verein - der "Kameradschaft IV", die das DÖW als "rechtsextreme Veteranenorganisation ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS" bezeichnet. Der steirische Burschenschafter und FPÖ-Mandatar Wolfgang Zanger fiel als Neo-Abgeordneter nach der Wahl 2006 mit der Aussage auf, es hätte "gute Seiten" am Nationalsozialismus gegeben.

Peter Fichtenbauer (FPÖ) ist laut "Kurier" Mitglied der Ferialverbindung deutscher Hochschüler Waldmark und war kurz Vizeobmann des Vereins "Zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny", der sich dem Andenken des vom NS-Regime hoch dekorierten Luftwaffenoffiziers widmet. Ein Burschenschafter ist nach Angaben des DÖW auch der Oberösterreicher Lutz Weinzinger.

Auch in den Reihen des BZÖ finden sich Burschenschafter, der bekannteste neben Parteichef Jörg Haider ist Ewald Stadler, Mitglied der Innsbrucker Skalden. In den Nationalrat einziehen könnte auch der frühere FPÖ-Niederösterreich-Chef und nunmehrige BZÖ-Mann Ernest Windholz. Dieser sorgte bei einem Parteitag im Jahr 2000 für Aufregung mit einer an die NS-Zeit erinnernde Äußerung, er wiederholte damals den SS-Leitspruch "Unsere Ehre heißt Treue".

 

(APA)

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