USA: Klub der Millionäre drängt ins Weiße Haus

Nur Reiche können es sich leisten, für das höchste Amt im Staat zu kandidieren. Die meisten der 19 Kandidaten, die um die nächste Präsidentschaft rittern, sind Multimillionäre.

(c) EPA (Rob Widdis)

Washington. Ob Demokrat oder Republikaner, Schwarz oder Weiß, Mann oder Frau – eines haben die meisten der 19 US-Präsidentschaftskandidaten gemein: Sie sind Multimillionäre. Wie vermögend sie sind, zeigt der Umstand, dass der Demokrat Barack Obama mit einem Kontostand von knapp einer Million Dollar als einer der ärmeren Kandidaten gilt.

Der reichste Präsidentschaftskandidat ist der Republikaner Mitt Romney, ehemaliger Gouverneur von Massachusetts. Er besitzt Aktien im Wert von 250 Millionen Dollar. Für seine Kinder und Enkel hat er einen Fonds in Höhe von 70 Millionen Dollar eingerichtet. Sein Geld machte Romney als Risikokapitalgeber bevor er in die Politik einstieg.


Giuliani: 300.000 $ für Rede

Auch der Demokrat John Edwards muss sich nicht um seine Zukunft sorgen, falls wieder, wie 2004, nichts aus seiner Präsidentschaftskandidatur wird. Er hat ein Privatvermögen von 62 Millionen Dollar und nahm im Jahr 2006 insgesamt 1,2 Millionen Dollar ein, obwohl er offiziell keinem Job nachging, sondern nur wahlkämpfte. Das meiste Geld kam aus Aktiengewinnen.

Für Rudy Giuliani, ehemaliger Bürgermeister von New York, würde der Sieg bei den Präsidentenwahlen einen ordentlichen Gehaltsverlust bedeuten. 400.000 Dollar pro Jahr bezahlen die USA ihrem Präsidenten, kein Vergleich zu den knapp 17 Millionen Dollar, die Giuliani im Jahr 2006 mit seinen Beraterfirmen machte. Nicht allzu schwer, wenn man beispielsweise pro Rede 300.000 Dollar verrechnet. Gespart hat der Republikaner bisher 45 Millionen Dollar, die vornehmlich in Aktien und Immobilien investiert wurden.

Den finanziellen Striptease müssen alle amerikanischen Präsidentschaftskandidaten machen und der Wahlbehörde nicht nur ihr Vermögen, sondern auch ihre Einnahmen melden. Aus den Angaben geht hervor, dass elf der 19 Präsidentschaftskandidaten mindestens je eine Million Dollar an Privatvermögen besitzen. Das durchschnittliche Vermögen eines US-Bürgers beträgt 93.000 Dollar (die hohe Summe erklärt sich damit, dass 69 Prozent der Amerikaner Hausbesitzer sind), das jährliche Haushaltseinkommen beträgt im US-Durchschnitt 46.000 Dollar.


Bestseller-Autoren

Davon könnten die US-Präsidentschaftskandidaten nicht lange leben. Hillary Clinton gab als Senatorin Besitztümer im Wert zwischen zehn und 50 Millionen Dollar an (inklusive dessen, was ihr Ehemann Bill besitzt), sie hat Häuser in Washington und New York und kassierte im Jahr 2003 allein für ihre Autobiografie („Gelebte Geschichte“) acht Millionen Dollar. Bill machte etwas mehr: Zehn Millionen Dollar für sein Buch, weitere zehn Millionen Dollar nahm er im Jahr 2006 für Auftritte und Reden ein.

Zwei Bücher über sein Leben („Dreams from My Father. A Story of Race and Inheritance“ aus dem Jahr 2004 und „Hoffnung wagen“, erschienen im Jahr 2006) brachten auch Barack Obama eine Menge Geld ein: 567.000 Dollar Tantiemen kassierte er im Jahr 2006, insgesamt nahmen seine Frau und er in dem Jahr 984.000 Dollar ein. Gespart haben sie etwa eine Million Dollar, nicht eingerechnet in das Vermögen ist ihr Haus in Chicago im Wert von 1,65 Millionen Dollar.

Fast alle Millionäre haben ihr Vermögen selbst erarbeitet, nur Senator John McCain wurde durch seine Heirat mit der Tochter eines Bier-Konzernchefs reich (25 Millionen Dollar). Der relativ ärmste Kandidat ist der Demokrat Joe Biden, der laut eigenen Angaben weniger als 200.000 Dollar besitzt und 2006 von 165.000 Dollar Jahreseinkommen als Senator und 28.700 Dollar als Professor an einer Universität leben musste.

Den Zusammenhang zwischen Reichtum und Politik erklärt Massie Ritsch vom „Center for Responsive Politics“ in Washington, das Geldflüsse in der Politik verfolgt, so: „Wer kann es sich schon leisten, zwei Jahre lang keinen Job zu haben und nur Wahlkampf für die Präsidentschaft zu betreiben? Dafür muss man viel Geld auf der Seite haben.“


Edwards: 400-Dollar-Haarschnitt

In welch anderen Dimensionen die Kandidaten leben, zeigt die Rechnung für einen Friseurbesuch von John Edwards: Er bezahlte für einen Haarschnitt 400 Dollar. Auf den öffentlichen Aufschrei konterte Edwards mit einer Lobeshymne auf die USA: Es sei doch großartig, wenn sich jemand, der arm aufwuchs, einen derart teuren Haarschnitt leisten könne.

TEURER WAHLKAMPF

Der Kampf um das Weiße Haus wird zum teuersten Wahlkampf aller Zeiten. Die aussichtsreichsten Kandidaten Hillary Clinton, Barack Obama, Mitt Romney und Rudy Giuliani haben bereits zwischen zehn und 30 Millionen Dollar aufgewendet. Bis zum Wahltag im November 2008 wird insgesamt eine Milliarde Dollar für politische Werbung ausgegeben werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2007)

Kommentar zu Artikel:

USA: Klub der Millionäre drängt ins Weiße Haus

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen