Statt Ehekrach – Politik am Frühstückstisch

Liiert, verheiratet, geschieden: Im Wiener Rathaus geht es zu wie einst in den Adelshäusern. In der Bundespolitik kann ein berühmter Vater für die Karriere durchaus nützlich sein.

Statt Ehekrach ndash Politik
Statt Ehekrach ndash Politik
(c) Michaela Bruckberger

Er hieß Josef Pölzer und war in der Zwischenkriegszeit Favoritner Bezirksvorsteher. Viel bekannter jedoch sollte seine Ehefrau werden: Die Gemeinderätin Amalie Pölzer (1871 bis 1924) widmete sich der sozialdemokratischen Frauenbewegung. Nach ihrem Tod wurde das neue städtische Bad beim Favoritner Reumannplatz ihr zu Ehren „Amalienbad“ benannt.

Ein Politiker-Ehepaar somit. Nicht das einzige, wie das Beispiel des amtierenden Bundeskanzlers zeigt, der mit der Wiener Gemeinderätin Martina Ludwig verheiratet ist. Wenigstens parteipolitisch befinden sich die beiden auf derselben „Wellenlänge“. Es muss ja nicht so ausgefallen zugehen wie bei der verstorbenen Stadträtin und Unterrichtsministerin Gertrude Fröhlich-Sandner, die eine echte „große Koalition“ mit Ehemann Josef Fröhlich führte. Der war Wirt und ÖVP-Gemeinderat. Als sein „Hochzeitsgeschenk“ gab er das Mandat zurück, blieb aber noch jahrelang Funktionär in der Handelskammer.

 

Wie beim Adel: Man bleibt unter sich

Faymann, der zuvor Wiener Wohnbaustadtrat war, wird sich bei Sitzungen der Rathausregierung wie in der „lieben Familie“ vorgekommen sein. Da sind viele miteinander verwandt, verheiratet, verschwägert. „Das ist auch ein Grund für den Niedergang der Wiener SPÖ“, urteilt „Parteiphilosoph“ Norbert Leser ohne jedes Mitleid: „In der Monarchie heiratete man auch nur untereinander. Dann kam's zur Inzucht.“

Aber der Reihe nach. Michael Häupls einstige Lebensgefährtin heißt Renate Brauner. Die Juso-Freundin führt das Finanzressort im Rathaus und ehrenhalber den Titel einer Vizebürgermeisterin. Umweltstadträtin Uli Sima war mit dem Gemeinderat und Klubobmann Christian Oxonitsch verheiratet. Erst nach der Scheidung konnte Oxonitsch in die Landesregierung aufrücken, denn ein Ehepaar im Stadtsenat – dafür war nicht einmal Michael Häupl zu haben. Sima führt die politische Tradition über die Generationen hinweg fort: Ihr Großvater Hans war Landeshauptmann von Kärnten.

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny ehelichte die bisherige Gemeinderätin Sonja Kato, Sozialstadträtin Sonja Wehsely lernte den damaligen Gemeinderat Andreas Schieder kennen, das Paar hat ein Kind.

 

Die Schieders: Gut vernetzt

Der Schieder-Clan wieder zählt zum „roten Adel“. Der Großvater des heutigen Staatssekretärs war ein tüchtiger Gewerkschafter in der Baubranche, der Vater, Peter, war Umweltstadtrat, Abgeordneter und Präsident des Europarats. Die Schwägerin Tanja Wehsely wieder sitzt – im Gemeinderat. Und wollte Klubobfrau werden.

Im Nachbargebäude des Rathauses, im prächtigen Bau des Parlaments, hat der SP-Klubchef Josef Cap auch kurze Wege. Notfalls kann er Aufträge oder Bitten an seine Klubdirektorin, Marion Knapp, gleich frühmorgens am Frühstückstisch erledigen: Man ist – erraten – verheiratet.

 

Haiders familiäre Hilfstruppe

Geschichte hingegen ist das Kärntner Beispiel. Dort lenkte Harald Scheucher als ÖVP-Bürgermeister Klagenfurts Geschicke, während seine geschiedene Frau Elisabeth im Wiener Nationalrat saß. Eher folkloristische Bedeutung kam der Funktion von Anneliese Ratzenböck, der Ehefrau des Altlandeshauptmanns von Oberösterreich, zu: Sie saß dem Verein der Goldhaubenträgerinnen vor. Und Claudia Haider bekleidet ein ähnliches Ehrenamt. Die Witwe des Kärntner Landeschefs Jörg H. befehligt die Jagdhornbläser im Bärental. Die Schwester hingegen, Ursula Haubner, brachte dem jüngeren Bruder zuliebe als Sozialministerin ein wahres Opfer.

Aber es gibt auch eine Unzahl von Vater-Sohn-, Vater-Tochter-, Mutter-Sohn-, und Mutter-Tochter-Paarungen. Das berühmteste Beispiel war einst in der Steiermark zu finden. Dort amtierte in den Sechzigerjahren als ÖVP-Landeshauptmann Josef Krainer. Sein SPÖ-Vize hieß Alfred Schachner-Blazizek. Und als FPÖ-Landesobmann fungierte der Oberst a.D. Alexander Götz. Der Sohn brachte es zum Dreifach-Akademiker, zum Grazer Bürgermeister und FPÖ-Bundesparteiobmann; der Sohn Schachner-Blazizeks durfte ebenfalls studieren, wurde Universitätsprofessor, Landesvorsitzender der Steirer SPÖ und LH-Stellvertreter. Der Landeschef war – wer sonst? – Dr. Josef Krainer jun.

 

Schon Heinz Fischers Vater war Politiker

Relativ unbekannt ist heute der Name Rudolf Fischer. Der Vater des heutigen Bundespräsidenten war von 1954 bis 1957 Staatssekretär im Koalitionskabinett Raab/Schärf, dann Sektionschef. Und „HiFis“ Onkel war sogar Minister: Otto Sagmeister hieß der.

Auch wenn Martha Kyrle keine offizielle politische Funktion innehatte, so war sie (und ist es noch heute) doch eine feste Konstante im gesellschaftlichen Leben dieser Republik. Die Medizinerin und Philantropin begleitete ihren verwitweten Vater, Bundespräsident Adolf Schärf, 1957 bis 1965 als „First Lady“. Ihr Sohn ist Generalsekretär im Außenamt.

Recht kurz gestaltete sich hingegen das politische Leben von Andreas Staribacher. Der SPÖ-Finanzminister wurde bald wieder ausgetauscht, der Vater, Josef, hingegen war durchgehend von 1970 bis 1983 als Handelsminister im Regierungsteam Bruno Kreiskys.

 

Pittermann I und Pittermann II

Auch nicht von Dauer gestaltete sich die politische Karriere der Tochter des einstigen SPÖ-Chefs Bruno Pittermann. Elisabeth Pittermann wagte einen kurzen „Seitensprung“ als Stadträtin ins Rathaus, kehrte aber bald als Primaria ins Hanusch-Krankenhaus zurück.

An kurzen Gastspielen gibt es eine ganze Reihe. Beatrix Eypeltauer diente Bruno Kreisky als Staatssekretärin. Ihr berühmter Vater hieß Ernst Koref. Er war Linzer Nachkriegs-Bürgermeister und galt als besonnenes „Parteigewissen“. Als ihn 1966 Norbert Leser zur Parteireform anstachelte, war es Koref, der die Demontage Pittermanns betrieb und den Weg für Bruno Kreisky öffnete. Kurz währte auch das Wiener Gastspiel des Arztes Michael Ausserwinkler als Gesundheitsminister. Sein Vater war der legendäre Klagenfurter Bürgermeister Hans Ausserwinkler.

 

Haslauer kennt sein politisches Ziel

Längeren Atem zeigt hingegen Wilfried Haslauer. Der Sohn des einstigen Salzburger Landeshauptmanns hält sich als LH-Stellvertreter im Chiemseehof schon seit 2004 und behält sein Ziel, dem Vater nachfolgen zu können, im Visier.

Schwiegersöhne: Manche wurden politisch gefördert, manche eher nicht. Zur ersten Kategorie zählte eindeutig Horst Schender, der von Friedrich Peter als oö. FPÖ-Chef protegiert und später Volksanwalt wurde.

 

Waldheim, Wallnöfer, Scrinzi

Auch Othmar Karas hat die Verbindungen seines Schwiegervaters Kurt Waldheim für die Karriere genützt, obwohl der JVP-Chef durchaus über ein eigenes Netzwerk verfügte. Und Herwig van Staa schaffte es, Nach-Nachfolger des Tiroler Landeshauptmanns Eduard Wallnöfer zu werden, da war der legendäre Schwiegervater „Walli“ schon tot. Wie die Gespräche zwischen Johannes Voggenhuber mit seinem Schwiegervater Otto Scrinzi verliefen – darüber wissen wir nichts.

Von den Brüdern Hans und Adolf Czettel (der eine Innenminister, der andere AK-Präsident) über die beiden Brüder Scheuch in Kärnten, von Laura Rudas und ihrem Onkel Andreas Rudas – die verwandtschaftlichen Fäden sind vielgestaltig. Über das ambivalente Verhältnis zwischen Onkel Erwin und Neffe Josef Pröll wird zwar viel spekuliert, aber in der Öffentlichkeit geht man durchaus professionell miteinander um. Der Rest bleibt – privat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2010)

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