Habsburg-Begräbnis: Der höfliche Angreifer

Der Republikanische Club kritisiert die Teilnahme von Staatsvertretern am Habsburg-Begräbnis – leise.

HabsburgBegraebnis hoefliche Angreifer
HabsburgBegraebnis hoefliche Angreifer
Fischer – (c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Wenn sich Alexander Emanuely aufregt, muss man schon sehr genau hinhören. Zu freundlich und respektvoll klingt das Vorstandsmitglied des Republikanischen Clubs Neues Österreich, wenn er fehlende Berührungsängste der heimischen Politiker zur Familie Habsburg kritisiert. Natürlich, „ein Begräbnis zu stören wäre ja absurd“, sagt der Historiker.

Dennoch hat der Republikanische Club einiges rund um die Trauerfeierlichkeiten von Otto Habsburg zu kritisieren. Genauer gesagt, drei Punkte: die Teilnahme der offiziellen Vertreter der Republik und des Bundesheeres beim Begräbnis sowie die umfassende Liveübertragung durch den öffentlich- rechtlichen Rundfunk.

„Wenn der Bundespräsident privat zur Trauerfeier geht, habe ich damit kein Problem. Wenn er das als Vertreter der Republik tut allerdings schon“, sagt Emanuely. Der Republikanische Club, der übrigens 1986 anlässlich der Waldheim-Affäre gegründet wurde, hat seine Kritik bisher lediglich via Aussendung verkündet. Emanuely nennt das einen „höflichen Angriff“. Protestaktionen oder gar Klagen, was die Ausgaben des Bundesheeres betrifft, sind nicht geplant. Beim Begräbnis der letzten Kaiserin Zita 1989 hat der Club allerdings einen „republikanischen Leichenschmaus“ veranstaltet.

Ganz teilnahmslos will man das „Spektakel“ rund um die Verabschiedung des Sohnes des letzten Kaisers jedoch nicht vorüberziehen lassen. Für den Herbst sind Diskussionsveranstaltungen geplant.


Diskussion statt Protest. Aus Respekt vor der Trauer der Familie und wohl auch um dem Sommerloch zu entkommen, will der Verein mit der kritischen Auseinandersetzung auf das Ende der Sommerferien warten. Außerdem könne auch erst danach beurteilt werden, was kritisierbar ist und was nicht.

Ganz wohl fühlt sich Emanuely dabei nicht, wenn „Vertreter und Verteidiger der Republik quasi vor der Fahne salutieren, die das politische System repräsentiert, gegen das die Republik gegründet wurde.“ Er hat in der Öffentlichkeit einen Mangel an republikanischer Grundauffassung festgestellt. Und zwar nicht nur beim aktuellen Begräbnis. „Man muss sich fragen, wie es mit dem Geschichtsbewusstsein aussieht, wenn die sterblichen Überreste des ersten Republikaners auf österreichischem Boden, Franz Hebenstreit, der 1795 unter Kaiser Franz deswegen hingerichtet wurde, im Kriminalmuseum ausgestellt sind – in der Republik Österreich. Das ist vielleicht der größere Skandal.“

Generell wird ihm die Zeit der Monarchie – Stichwort Sissi-Filme und Schönbrunn – in der Öffentlichkeit zu harmlos und verklärt dargestellt. Dass sich das so schnell ändern wird, glaubt Emanuely nicht. Die aktuelle Zeremonie könnte dafür aber immerhin einen Denkanstoß bieten.


Respekt vor Trauer. Ganz alleine ist der Republikanische Club mit seiner Kritik übrigens nicht. Auch der Verfassungsjurist Heinz Mayer und Geschäftsführer der Grünen Stefan Wallner haben die Teilnahme des Bundesheeres am Begräbnis kritisiert. Allerdings wollen auch sie ihre Kritik nicht als Kritik an den Trauerfeierlichkeiten an sich verstehen. Der Respekt vor der Trauer der Familie ist ihnen wichtig. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich Emanuely eher verhalten empört.

„Es wird ja niemand verletzt, es passiert nichts ,Schlimmes' in diesem Sinn. Aber republikanische Grundwerte werden symbolisch stark gestört.“ Darüber will er diskutieren. Aber eben erst ab Herbst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2011)

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