Wie man ein Assessment Center überlebt (7/14)

Serie. Gestern haben Sie die Mutter aller Rollenspiele kennengelernt, die Verhandlung. Heute kommen noch ein paar.

Schließen
Pixabay

Welche Rollenspiel-Variante ein Unternehmen auswählt, sagt viel über seine Probleme aus. Sollen Sie einem fiktiven Mitarbeiter seine Kündigung beibringen? Oder einen verärgerten Kunden beruhigen?

Wenn Sie sich für einen Führungsjob beworben haben, stellen Sie sich auf Mitarbeitergespräch (z.B. ein Mitarbeiter kommt wiederholt zu spät, Sie sollen das abstellen) oder Leistungsgespräch (z.B. ein Mitarbeiter erreicht seine Ziele nicht, Sie sollen ihn darauf committen) ein.

Typische Fehler hier sind

  • die Beziehungsebene zu vernachlässigen (einleitenden Smalltalk nicht vergessen!),
  • pauschaliert das Problem darzustellen („Immer kommen Sie zu spät“),
  • zu wenige oder zu oberflächliche Fragen zur Sichtweise des Mitarbeiters zu stellen,
  • zu schnelle oder überreagierte Lösungsvorschläge oder
  • ein Gesprächsende ohne konkrete Vereinbarung.

Oft werden Sie auch zu einem Zielvereinbarungsgespräch aufgefordert (z.B. ein Mitarbeiter soll Mehrarbeit übernehmen, kann aber nicht dazu verpflichtet werden).

Typische Fehler hier sind (neben den oben genannten),

  • den Mitarbeiter unter Druck setzen zu wollen,
  • sich nur auf die Vorteile für das Unternehmen zu fokussieren und
  • seine Einwände zu übergehen.

Beim Feedbackgespräch sollen Sie einem Mitarbeiter Rückmeldung geben, meist zu seiner Arbeit. Hier wird gerne versäumt, einleitend den persönlichen Nutzen des Feedbacks herauszuarbeiten. Gutes Feedback schildert reale Beobachtungen und übermittelt sie in Ich-Botschaften („ich habe beobachtet“ statt „Sie haben falsch gemacht“). Am Ende bekommt das gegenüber konstruktive Handlungsempfehlungen und einen positiven Gesprächsausstieg.

Besonders unangenehm ist das Schlechte-Botschaft-Gespräch (Kündigung).

Typische Fehler:

  • um den heißen Brei herumzureden,
  • Verantwortung von sich zu weisen („ich wurde beauftragt,...“),
  • unrealistische Hoffnungen zu wecken („vielleicht findet sich ein Weg) oder
  • die Unternehmensleitung anzupatzen („die da oben haben das entschieden, nicht ich“).

Es gibt sie, aber sie sind selten: die kombinierten Rollenspiele, in denen Sie mehrere Aufgaben lösen müssen. Beispiel: Sie als Führungskraft sind neu im Unternehmen + ein Mitarbeiter kommt wiederholt zu spät + Sie müssen seine Arbeitszeiten ändern. Dann ordnen Sie die Aufträge nach Prioritäten und legen für jeden Maximal- und Minimalziel fest. Für jedes Ziel gehen Sie die sechs Phasen (siehe Folge 6/14) einzeln durch. Nicht vermischen!

Freitag: Noch ein paar Rollenspiel-Klassiker, diesmal mit Gleichrangigen und Kunden

Die Anregungen zu dieser Serie stammen aus der Neuauflage des Klassikers Assessment Center erfolgreich bestehen von Johannes Stärk. Jeden Werktag stellen wir einen Aufgabenblock vor. Und natürlich auch, wie man ihn knackt.

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Meistgekauft
      Kommentar zu Artikel:

      Wie man ein Assessment Center überlebt (7/14)

      Schließen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.