Was der „Spiegel“ Claas Relotius mitgeben könnte

Fiktives Arbeitszeugnis für geschassten Redakteur.

APA/AFP/JOHANNES EISELE (JOHANNES EISELE)

Im Dezember feuerte der „Spiegel“ den mehrfach ausgezeichneten Redakteur Claas Relotius, als herauskam, dass viele seiner Artikel frei erfunden waren. Nun bekam er ein – fiktives – Abgangszeugnis.

Vorab: Das Zeugnis stammt ausdrücklich nicht vom „Spiegel“. Erdacht wurde es von den Experten des deutschen Internetportals www.zeugnisfairness.de. Die zeigen am prominenten Beispiel, wie Könner vernichtende Bewertungen in watteweiche Codes packen.

Zeugnisfairness.de

Ein paar Highlights:

  • „Er strebte stets danach, die Erwartungen seiner Leser zu erfüllen ... gab sich hierbei ideenreich.“ Übersetzt: Nahm es mit der Wahrheit nicht so genau.

  • „... waren wir bis zuletzt überzeugt, dass er unseren Anforderungen in ausreichender Weise entspricht.“ Bis uns die Augen geöffnet wurden.

  • „... wusste sich gut zu verkaufen.“ Gern verwendet für: Aufschneider mit Riesen-Ego.

  • Wir hatten ihn sehr geschätzt.“ Plusquamperfekt? Hinweis auf ein abruptes Ende der Wertschätzung.

  • „Sein Wirken hat in unserem Unternehmen bleibende Spuren hinterlassen.“ Übersetzt: Am Schaden werden wir noch lange nagen.

Auf dem Portal Zeugnisfairness.de können Arbeitnehmer ihre Zeugnisse kostenfrei selbst entschlüsseln. Verdient wird am Erstellen individueller Zeugnisse. Das kostet Arbeitgeber oder -nehmer rund 20 Euro pro Stück.


[P8TNS]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2019)

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