Kolumne

Wenn die Familientradition dem Traumjob im Wege steht

Auf zum Traumjob. Folge 6. Unsere Karriere wird sehr oft durch das Aufwachsen in unserer Familie mitbestimmt. Das ist per se nicht schlecht, jedoch bleibt dabei so manches im Verborgenen.

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Als Kinder orientieren wir uns an unseren direkten Rollenvorbildern. In der Regel sind das unsere Eltern. Wir imitieren deren Verhaltensweisen - übernehmen deren Wortwahl sowie deren Geschmack in puncto Kleidung, Einrichtung, Musik etc.. Ebenso prägt die Art und Weise wie in unserer Herkunftsfamilie über unterschiedliche Berufe gesprochen wurde unser eigenes Bild über Karrierewege oder diverse Berufsbilder selbstverständlich mit.

Möglicherweise gab es Karrierefelder, die sehr hohes Ansehen genossen haben – andere wiederum wurden abgewertet und wieder andere blieben gänzlich unerwähnt. Abwertungen können zum Beispiel daher rühren, wenn den Eltern selbst ein gewisser Karriereweg versagt geblieben ist oder sich vielleicht Misserfolgserlebnisse dahinter verbergen.

Als Kinder haben wir ein feines Sensorium für derartige Verhaltensweisen, egal wie subtil sie sind, entwickelt. Im Zuge unseres Erwachsenwerdens wird uns vieles davon bewusst und anderes wiederum bleibt im Dunkeln.

Familientradition bei Karriereentscheidungen wesentlich?

Natürlich hat es auch sehr positive Aspekte, wenn in einer Familie von Generation zu Generation sehr viel Kapital (Wissen, Kontakte etc.) in einer bestimmten Sparte angesammelt wurde. Also wenn schon der Großvater oder die Großmutter als Ärzt/in, Gastwirt/in oder als Handwerker/in tätig war. Dann erhöht sich selbstredend auch die Chance für die nachfolgende Generation in dieser Sparte erfolgreich zu sein.

Den Eltern fällt es leicht Ihren Kindern das notwendige Selbstvertrauen zu vermitteln die jeweilige Richtung einzuschlagen. Das passiert unter anderem über Familienlegenden und andere positive Geschichten, die an uns weitergegeben werden. Wenn Sie eine dementsprechende Leidenschaft im jeweiligen Genre mitbringen, profitieren Sie also von dieser Situation.

Weniger erfolgreiche Episoden in Ihrer Familienvergangenheit, das sind zum Beispiel berufliche Misserfolge Ihrer Eltern oder Karrierewege, die Ihren Eltern aus welchen Gründen auch immer verwährt blieben, werden ebenfalls an die nächste Generation weitergereicht. Sie beeinflussen Sie in Ihrer Auswahl nicht minder stark. Und das auch wenn Ihre Situation heute eine gänzlich andere ist, als die Ihrer Eltern und Großeltern.

Es passiert nun mal sehr oft, dass Sie schon als Kind Kompetenzen – Interessen - Leidenschaften an sich entdecken, die in Ihrer Familie keinerlei Entsprechung finden. Als Kleinkinder reagieren wir instinktiv mit Anpassung an unser Umfeld und schon Blicke können uns signalisieren, dass wir anstatt zu den Malstiften besser zum Fußball greifen sollten und umgekehrt.

Bei der Karriereentwicklung Familienmuster durchbrechen?

Eine Familientradition zu durchbrechen ist ein Unterfangen, welches sehr oft mit großem Aufwand verbunden ist und kann der Beginn einer Suche sein, die mitunter sehr kräfteraubend ist. Manche versuchen zumeist in der Pubertät die Familienmuster zu durchbrechen. Den Preis, den Sie dafür bezahlen, ist eine gewisse Orientierungslosigkeit und mitunter familiäre Sanktionen.

Nicht immer basiert die Auflehnung in der Pubertät allerdings auf einem echten Fundament. Nämlich dann wenn die Auflehnung nur einen Selbstzweck erfüllt. Wenn sie doch Hand und Fuß hat, besteht beim Fehlen des richtigen Mentors in dieser Situation die Gefahr, dass Sie als Jugendliche/r dann etwas länger dafür benötigen die für Sie richtige Karriererichtung einzuschlagen.

Bei anderen wiederum bleibt die Revolution aufgrund der Loyalität ihren Eltern gegenüber hingegen vollkommen aus bzw. wird sie vielleicht in anderen Lebensbereichen ausgelebt. Aufgeschoben ist in der Regel aber nicht aufgehoben und viele Karrierecoaching-KundInnen verspüren gerade in der Karrieremitte oder bei Karriereknicken, das sind beispielsweise ungewollte Kündigungen, nochmal das Bedürfnis sich die Frage bezüglich Ihrer zukünftigen Karriereausrichtung zu stellen.

Dann ist es sehr interessant zu erforschen, welche Karrierewege für Sie aufgrund Ihrer Herkunftsfamilie wohl von jeher ausgeschlossen blieben, auch wenn sie aufgrund Ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen sehr gut für einen bestimmten Beruf geeignet gewesen wären. Nachfolgende Fragen sind ein guter Anstoß dafür bis dato vergessenes wieder ans Tageslicht zu bringen und zwar:

  • Welchen Stellenwert hatte in meiner Familie das Thema Karriere/Beruf im Allgemeinen?
  • Welche beruflichen Erfolgs- und Misserfolgsgeschichten werden in meiner Familie erzählt?
  • Welche Jobs/Berufe genießen in meiner Familie hohes Ansehen, welche blieben komplett unerwähnt und welche wurden vielleicht sogar abgewertet?
  • Welche Traumjobs blieben meinen Eltern womöglich versagt?
  • Welche Reaktionen haben die unterschiedlichen Fähigkeiten/Interessen/Berufswünsche meiner Kindheit bei meinen Eltern ausgelöst? Und wie habe ich darauf gegebenen falls reagiert?

Die Fragen befördern sehr oft neue Erkenntnisse zu Tage und sorgen dabei für mehr Klarheit in puncto vergangener Karriereentwicklung und schärfen den Blick für die Zukunft. Die Reflexion des familiären Umfeldes markiert bei vielen New/Outplacement KundInnen dann nochmal den Startpunkt dafür Ihren ganz individuellen Karriereweg einzuschlagen.

Natürlich ist das Wohlwollen der Eltern auch jetzt noch immer wichtig und wenn noch möglich suchen meine KarrierecoachingkundInnen bei Veränderungen deshalb das Gespräch mit Ihnen. Im Erwachsenenalter verlaufen derartige Gespräche in der Regel ein wenig anders als noch im Alter von zwanzig Jahren. Vor allem dann wenn wir Ihnen im Gespräch Dankbarkeit dafür signalisieren, dass uns diese Möglichkeit auch durch Sie oder gar Ihren Verzicht ermöglicht wurde.

Selbstverständlich ist das Wohlwollen allerdings bei einem Karriereneustart nicht und oftmals sind die Eltern schon der erste Proof of Concept, den es zu bestehen gilt. Mit einem Augenzwinkern sowie einer Portion Großzügigkeit kann daraus aber ein sehr schönes Gesprächserlebnis für alle Beteiligten werden. Also dann.

Gutes Gelingen!

 

Michael Hanschitz ist seit nunmehr 15 Jahren als New/Outplacementberater, Autor und Karrierecoach tätig. Er ist Gründer des Beratungsunternehmens Outplacementberatung (www.outplacementberatung.co.at) und Autor des Buches Menschen fair behandeln. Mit seiner Arbeit unterstützt er Menschen und Organisationen in schwierigen Veränderungsprozessen. Beraten mit Herz und Verstand lautet seine Devise.

Michael Hanschitz
Michael Hanschitz
Michael Hanschitz – (c) Marek Knopp

 

 

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