High Performer: Die knallharte Verhandlerin

Elisabeth Chalupa-Gartner, 44, GF der MUVI GmbH.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Zahlen, zählen, zäh im Verhandeln: Hinter einer Finanzmanagerin steckt häufig kein knochentrockener Typ. Elisabeth Chalupa-Gartner ist fröhlich, spritzig, charmant. Dennoch kann die Geschäftsführerin der Medical University of Vienna International GmbH, kurz MUVI, knallhart sein, wenn's ums „Eingemachte“ geht. Wie damals in Kuala Lumpur...

Doch der Reihe nach, zuerst zur Person, dann zur Institution. Die gebürtige Welserin und studierte Handelswissenschaftlerin machte ihre ersten beruflichen Schritte im Aluminium Ranshofen Walzwerk. Der Job hat sie doppelt geprägt. Zum Ersten hat sie da ihre Liebe zu den „Finanzen“ entdeckt, zum Zweiten hat sie ihr damaliger Chef Helmut Wieser total geprägt. „Seine Zielstrebigkeit, sein Ehrgeiz und seine Sorgfaltspflicht haben mir sehr imponiert.“

Diese Eigenschaften und eine gute Hand fürs Business Reengineering nahm die heute 44-Jährige auf ihre weiteren beruflichen Stationen mit. So freilich auch zur Reed Exhibition, wo die Frau Magister die Abteilung Controlling für Wien und Salzburg leitete. Als sie damals ein Headhunter kontaktierte, hatte sie eigentlich gerade keine besondere Lust auf berufliche Veränderung, „aber wenn Egon Zehnder anruft, sagt man nicht sofort Nein“.

Die Oberösterreicherin sagte im Jahr 2003 Ja – zur Position als Vizerektorin für Finanzen und IT-Management der Medizinischen Universität Wien. „Mich reizte das Angebot, erstens war ich zuvor noch nie in der Wissenschaft tätig, zweitens gefiel mir die Größenordnung, von 600 Mitarbeitern bei Reed zu 5300 bei der Med-Uni.“ Im Februar 2005 kam dann wieder einmal ein schicksalsschwerer Anruf. Der damalige Vizerektor Georg Eichler meinte, er sei an einem „heißen Projekt“ dran, ob sie nicht am nächsten Tag kommen könne. Freilich, wohin? Nach Kuala Lumpur.

„Am nächsten Vormittag saß ich im Flugzeug.“ Es ging um ein Privatspital in Malaysias Hauptstadt, das ein Erdölkonzern finanzieren wollte und dafür Partner für Management- und Medizin-Know-how suchte. „Ab diesem Zeitpunkt war ich zweimal im Monat zu Vertragsverhandlungen in Kuala Lumpur.“ Es waren extrem harte Verhandlungen, und es gab große internationale Konkurrenz. Die Geschichte ging gut aus.

Im Juni 2005 stand der Vertrag, parallel dazu wurde die MUVI als 100-Prozent-Tochter der Med-Uni gegründet. „Weil eine öffentliche Universität nicht so flexibel und marktorientiert agieren kann wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen“, sagt Chalupa-Gartner, eines der Gründungsmitglieder und jetzt ein Teil des Geschäftsführer-Duos (der Zweite ist der Leiter der Universitätsklinik für Radiologie, Christian Herold).

 

Leidenschaft gebiert neues Geschäftsfeld

In den drei Jahren ihres Bestehens ist die MUVI hübsch gewachsen und macht heute mehr als drei Mio. Euro Jahresumsatz. „2006 folgte dem Projekt in Malaysia ein Beratungsvertrag für ein Spital in Tripolis. Seit 2007 betreiben wir gemeinsam mit Konsortialpartner Vamed ein öffentliches 420-Betten-Hospital in Abu Dhabi und ganz jung ein weiteres großes Projekt in Vietnam“, freut sich die vielsprachige Finanzexpertin, die zwischen diesen Ländern stets hin- und herpendelt.

Die Freizeit verbringt die bekennende Kärnten-Liebhaberin am liebsten mit der Familie und Freunden. Daneben beschert auch abendliches Kochen Stressabbau. „Das tue ich gerne, auch wenn es schon sehr, sehr spät ist.“ Denn das gemeinsame Abendessen mit Ehemann Stefan ist ihr unheimlich wichtig.

Den größten Teil ihres Lebens jedoch nimmt die Arbeit ein. „Wir arbeiten in Teams mit mehr als zehn Nationen, das macht Spaß und erfordert viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit anderen Kulturen. Arbeit ist für mich Leidenschaft.“ Eine Leidenschaft, die derzeit ein weiteres Geschäftsfeld gebiert: „Mit einem Partner wollen wir am Standort Wien Medizintourismus aufbauen. Wir nutzen unsere internationalen Kontakte, um immer mehr ausländische Patienten nach Wien zu bringen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2008)

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