Gründerzeit: "Ich kann nicht anders, als an den Erfolg zu glauben"

Serie. Was Gründer und Serial Entrepreneurs bewegt: Oliver Holle gründete 1997 sein erstes Unternehmen. Momentan konzentriert er sich auf die 2011 gegründete Speedinvest.

Oliver Holle
Oliver Holle
Oliver Holle – (c) vyhnalek.com

Welche Unternehmen haben Sie wann gegründet?
sysis AG (1997)
Fundaq GmbH (2001)
3united GmbH (2004)
The Merger GmbH (2009)
Speedinvest KG/GmbH (2011)

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, gerade diese Unternehmen zu gründen?
Das war eine logische Entwicklung. Sysis war "mein Startup-Baby", direkt von der Uni weg. Da habe ich so viele Fehler gemacht, dass es dann bei den späteren Projekten besser gelaufen ist.

Welche Unternehmen davon führen Sie heute noch?
Ich bin zur Zeit 100 Prozent auf Speedinvest fokussiert und das soll auch so bleiben.

Woran haben Sie erkannt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, sich von einem bestimmten Unternehmen zu trennen?
Der richtige Zeitpunkt für den "Exit" ist ein zentrales Erfolgskriterium im Unternehmertum. Exit kann ein erfolgreicher Verkauf, wie bei 3united sein oder eine radikale Umstellung des geschäftsmodells, bis hin zum zusperren. Zentral ist, dass man sich diese Optionen immer denkmöglich lässt und so schnell reagieren kann.

Wie haben Sie den Verkauf angebahnt? Wie haben Sie Ihre Gesprächspartner ausgesucht?
Bei 3united war das ein Prozess von über 1,5 Jahren. Das war langfristig geplant und mit vollem Fokus umgesetzt. Die Gesprächspartner für den Verkauf hatten wir uns alle bereits als Kunden oder Partner aufgebaut.

Welche Schritte waren beim Verkauf zu gehen?
Die Prozesse sind immer die gleichen, von der Anbahnung zum Relationship Building, von der Due Diligence, zum Termsheet, zum Vertragswerk. Was unterschätzt wird, ist der Teil des Eisbergs, den man nicht sieht - all die Arbeit, die vorher in solche Prozesse und Beziehungen fließt.

Was waren die größten Schwierigkeiten beim Verkauf?
Wir hatten damals mit bis zu sieben Interessenten parallel zu verhandeln, bis zum Ende immer noch mit zwei Käufergruppen. Hier die Balance aus Offfensive und Absicherung zu finden, ist sehr heikel.

Was haben Sie beim Verkaufen gelernt?
Demut, Geduld und Fokus auf den Menschen.

Was würden Sie heute definitiv nicht mehr machen?
Zu lange an Dingen, Menschen, eigenen Ideen festhalten.

Wann haben Sie zum ersten Mal die Idee gehabt, ein Unternehmen zu gründen?
Wir haben meine erste Firma bereits einige Zeit, seit 1995, als studentischen Verein laufen gehabt, die Firmengründung war dann ein logischer Schritt.

Und wie lange hat es dann bis zur Umsetzung gedauert?
1997 haben wir gegründet, da wir einen großen Ministerienauftrag erhielten, für den eine GmbH notwendig war.

Welche Rolle hat Ihre Familie, welche Rolle Ihre Ausbildung gespielt, dass Sie zu einem Serial Entrepreneur wurden?
Meine Erziehung hat mir jenes Grundvertrauen und Optimismus mitgegeben, der - so glaube ich - zwingend notwendig ist, um sich in diese Abenteuer zu stürzen. Ich kann gar nicht anders, als an den Erfolg zu glauben. Meine heutige Familie hat mir beigebracht, dass es wichtigere Dinge als den beruflichen Erfolg gibt.

Wieviel Zeit nimmt Ihr Entrepreneurship in Anspruch?
Immer zu viel, vor allem wenn man die Stunden mitzählt, wo man im Kopf immer noch in der Arbeit ist.

Was tun Sie gerne, wenn Sie nicht gerade ein Unternehmen führen?
Am liebsten mit meiner Tochter Zeit verbringen.

Wenn Sie kein Gründer wären, welchen Beruf würden Sie gerne ausüben?
Habe ich mir ernsthaft nie überlegt. Ein NGO gründen?

Was ist Ihnen zu diesem Thema noch wichtig, was hätten wir Sie noch fragen sollen?
Die Schattenseiten des Gründertums. Ich denke, dass bei all dem Gründerhype auch klar sein muss, dass dieser Lebensweg nicht für jeden der richtige ist und dass verdammt viel Glück im Spiel ist bei denen, die dann als Erfolgsgeschichten gefeiert werden.

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