Unternehmenskultur: die Kugel über die Bande spielen

Management. Letztlich kann die Unternehmenskultur sogar über Erfolg und Misserfolg entscheiden.Die Schwierigkeit für Führungskräfte dabei ist: Sie lässt sich nicht so leicht steuern wie andere Prozesse.

(c) Pixabay

Keine Frage: Man kann Unternehmenskultur auch anders als systemisch betrachten – so wie das vielfach in Literatur und Praxis passiert. Das heißt Unternehmenskultur etwa wie einen Prozess zu verstehen, den man optimieren kann. „Es zeigt sich aber auch, dass es nicht funktioniert, weil die Unternehmenskultur etwas ist, das sich direktem Managerzugriff entzieht“, sagt Rudolf Wimmer, Professor für Führung und Organisation an der Universität Witten/Herdecke und Gründungsmitglied der Unternehmensberatung OSB. Als Vertreter der Wiener Schule der Systemtheorie plädiert er für einen systemischen Zugang zur Unternehmenskultur.

Unausgesprochene Regeln

Sie sei ein Koordinationsmechanismus, sagt Wimmer, der täglich hinter dem Rücken der Akteure Werte und Grundüberzeugungen in einer Organisation festige oder verändere. Kulturbildend sei daher auch die Differenz zwischen dem, was offiziell ausgesprochen, und dem, was tatsächlich gemacht werde. Wie die Menschen in der Organisation miteinander umgehen, forme Entscheidungsprämissen, sagt Wimmer. Die wiederum sind die unausgesprochene Grundlage für die Alltagsentscheidungen.

Daraus ergebe sich: Unternehmenskultur entzieht sich einem direkten Managerzugriff und lässt sich wie beim Billard nur über die Bande spielen.

Führungskräfte können über Personalentscheidungen indirekt auf die Kultur einwirken: Wer wird befördert, wer muss die Organisation verlassen, wer gewinnt oder verliert in den informellen Zirkeln Gewicht? Daraus leiten Mitarbeiter Schlüsse für ihr eigenes Verhalten ab: Muss ich mich verändern oder nicht? Durch ihre Beobachtungen prägen sie die Kultur.

Herausforderung Start-up

Ebenso sind Veränderungsprozesse kulturbildend. Neue Standards entwickeln sich immer dann, wenn sich wichtige Prozesse verändern, weil dann alte Werte möglicherweise plötzlich nicht mehr gelten und sich Einflusszonen verändern.

Eine Veränderung der Unternehmenskultur erlebten derzeit Unternehmen wie der Versandhändler Otto oder der Mischkonzern Robert Bosch, die Start-up-Strukturen in die Organisation einbauen, um agiler und innovativer zu werden. „Das ist mit einer auf Optimierung und Effizienzsteigerung ausgerichteten Kultur nur schwer hinzukriegen. Es braucht Inseln, in denen das Neue entstehen kann, ohne vom Alten erdrückt zu werden“, sagt Wimmer.

Ubit Wien: „Unternehmenskultur aus systemischer Sicht – Und was haben Unternehmen davon?“: Vortrag und Diskussion mit Rudolf Wimmer, Moderation Niki Harramach, 18. April, 18 Uhr, Wifi Wien. Infos und Anmeldung unter: http://bit.ly/1oEJMML


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("undefined", Print-Ausgabe, 09.04.2016)

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