Ich will den Job. Unbedingt!

Berufseinstieg. Wovon es abhängt ob man den Job bekommt. Oder nicht.

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Illustration: iStock

Kommt ein Bewerber ins Möbelhaus Ikea, wird er gleich gefragt, ob er einen Kaffee möchte. Personalistin Claudia Schmidt geht dann mit ihm in die Kaffeeküche. Dort trifft man immer auch andere Kollegen. Und so findet sie schnell heraus, wie "teamorientiert" ihr Bewerber wirklich ist. Grüßt er, lächelt er, redet er gleich mit? Oder muffelt er die künftigen Kollegen nur abweisend an? 90 Prozent aller Bewerber behaupten von sich, teamfähig zu sein. Ob das stimmt, findet man nicht heraus, indem man sie danach fragt (was werden sie wohl antworten?). Sondern, indem man sie in Situationen bringt, in denen sich diese Eigenschaft zeigt. Oder, indem man sie nach Erlebnissen fragt, in denen sie zum Tragen gekommen ist.

Sei, wie du bist. Die meisten Firmen (nicht bloß die ganz großen!) haben inzwischen einen Wertekatalog, in dem ist definiert, wie sie sich ihre Mitarbeiter wünschen, etwa: offen, zuverlässig, verantwortungsbewusst, loyal und fair. Je professioneller das Recruiting ist, desto eher werden Bewerber unauffällig danach abgeklopft. Oft ist das eine Sammlung von freundlichen Fragen, die nicht auf den ersten Blick zu durchschauen sind. Oder ein Assessment Center mit für die Firma typischen Jobsituationen. Aber keine Angst: Man kann nur gewinnen. Wer ehrlich und unverfälscht antwortet, tut sich nur selbst etwas Gutes. Eine falsche Persönlichkeit vorzuspielen fliegt garantiert auf. Und wenn nicht, würde man im Unternehmen ohnehin nicht glücklich werden. Die wichtigste Botschaft lautet: Sei, wie du bist.

Was Personalchefs wollen. Ikea-Personalistin Schmidt (ihr genauer Titel lautet HR Competence Center Development Leader) gibt hier ein paar Tipps, wie Bewerber Punkte machen können:
Inserat entdeckt? Sofort reagieren, nicht erst nächste Woche. Wer einen Job wirklich will, der beeilt sich.
Lebenslauf. Übersichtlich, kurz und knackig so wünschen sich das alle Recruiter. Sie wollen nicht lang suchen, sondern alle relevanten Infos sofort finden. Die Gestaltung darf gern kreativ sein, wichtiger aber ist die Übersicht.

Anschreiben. Ein gutes Motivationsschreiben ist ein Einzelstück. Copy/Past erkennen Profis sofort. Verdächtig ist etwa die Formulierung "Ich möchte gern in Ihrem Unternehmen arbeiten". Sie passt überall und macht die Bewerbung genau deswegen beliebig.
Hobbys nicht vergessen. Weil sie Profil verleihen und Anknüpfungspunkte für ein Gespräch sind. Langweilig sind "Lesen, Freunde treffen, Kino". Was liest man gern: Vulkanologiebücher oder Science Fiction? Was macht man mit Freunden? Welche Filme schaut man sich an? Und bitte nicht schummeln: Wer erst ein einziges Mal segeln war, trifft mit etwas Pech auf den Landesmeister im Segeln.

Initiativbewerbung. Hier ist es besonders wichtig, das Interesse zu wecken. Und klar zu sagen: "Ich möchte das gern machen, gibt es bei Ihnen die Möglichkeit?" Tipp: Wenn es ein Onlinebewerbungstool gibt, dieses auch (zusätzlich zum Mail) benutzen weil es der formal gewünschte Weg ist.
Noten. Kein Einser-Student? Kein Problem. Mindestens genauso überzeugt man mit Lebhaftigkeit, Engagement und dem gewissen "Funkeln in den Augen".

Praxis. Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Die einen sagen: "Ohne Praxis kein Job." Die anderen sagen: "Nur die Persönlichkeit zählt." Weil sie einem das Fachwissen selbst beibringen und die Übung ohnehin mit der Zeit kommt.


Was Personalchefs gar nicht mögen. Aktuell sind die ÖBB die absoluten Jobkaiser. Volle 10.000 neue Mitarbeiter will die Bahn in den nächsten fünf Jahren aufnehmen, die meisten im technischen Bereich (etwa Triebfahrzeugsführer, Fahrdienstleiter, Zugbegleiter, Verschieber und Buslenker), aber auch viele für alle kaufmännischen Berufe. Rekrutiert wird rund um die Uhr für insgesamt 120 verschiedene Jobs.
Was ist das wichtigste Kriterium, das jemand mitbringen soll? "Anpacken wollen, Leistung bringen, die Extrameile gehen." Darauf legt Personalistin Katja Mlecka (genauer Titel: Head of Group HR-Strategy & HR-Communication) Wert, egal, für welchen Job.

 

 

Der Median teilt die Grundgesamtheit der Befragten in zwei gleich große Hälften. Quelle: Pedersen & Partners, Conrad Pramböck
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Der Median teilt die Grundgesamtheit der Befragten in zwei gleich große Hälften. Quelle: Pedersen & Partners, Conrad Pramböck
Der Median teilt die Grundgesamtheit der Befragten in zwei gleich große Hälften. Quelle: Pedersen & Partners, Conrad Pramböck –

 

 

Rechtschreibfehler. Es gibt aber auch ein paar Dinge, die sie gar nicht mag. Lieblose, vor Rechtschreibfehlern strotzende Unterlagen etwa. Oder unvollständige, lückenhafte oder inkonsistente Lebensläufe. Da weiß sie, dass der Bewerber etwas zu verstecken hat. Warum nicht offen zu einer Weltreise, einem abgebrochenen Studium oder einer Phase der Arbeitslosigkeit stehen?
Herumgeeiert wird oft auch bei der leidigen Gehaltsfrage. Im Internet sind die kollektivvertraglichen Mindestgehälter leicht zu finden. Wieso kennt sie dann niemand? Wieso sagt niemand: "Ich bin so viel wert"? Recherche lohnt sich hier besonders.

 

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Gute Frage. Ärgerlich findet sie es auch, wenn Bewerber keine Fragen haben. Oder nur Alibifragen, die sie von der Firmenhomepage abgelesen haben. Um zum Beispiel der Teamfähigkeit zurückzukommen: Warum nicht einfach danach fragen, wer der Chef, wie groß das Team ist und wer die Menschen dort sind?
Zu guter Letzt eine wirklich gute Frage: "Wenn wir in einem Jahr wieder zusammensitzen, woran erkennen Sie, dass ich gut gearbeitet habe?" Das zeugt von Vorausdenken, Leistungswillen und echtem Interesse. Gleich drei Fliegen mit einer Klappe!

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