Organisation: Was Unternehmen vom Militär lernen können

Flache Hierarchien, Mitbestimmung und agile Prozesse: Lichtjahre trennen moderne Unternehmen von traditionellen militärischen Strukturen. Dennoch erfreuen sich Letztere regen Zustroms. Auch von Frauen.

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(c) Katharina Schiffl

Paradoxer hätte die Wahl des Vortragsorts nicht sein können. Auf dem dicht mit Karrierefrauen besetzten Woman Leadership Forum regten am Dienstag ranghohe Vertreter des österreichischen Bundesheers das Publikum an, doch einmal ihr Unternehmen mit einer militärischen Organisation zu vergleichen. Und sich herauszuholen, was immer ihnen nützlich erschiene, forderte Karoline Resch, Oberstleutnant des Generalstabdiensts an der Theresianischen Militärakademie, die Damen auf.

Erste Anregung: Das Bundesheer bilde seine Führungskräfte nicht für Schönwetterzeiten aus, sondern „um in der Krise handlungsfähig zu bleiben“. Man trainiere hart für den Ernstfall, wenn Gefahr für das eigene Leben und das der einem Anvertrauten herrsche. Man lerne Strategie und Taktik, erwerbe unter Druck und Stress hohe Resilienz, um im Echtfall sicher entscheiden zu können, was zu tun ist. Ob sich Unternehmen auch darauf vorbereiteten?

Zweiter Gedanke: Vom Militärstrategen John Boyd stammt die OODA-Schleife, eine bewährte Strategie aus der Kriegsführung. Dabei wird eine Situation beobachtet (observe), man orientiert sich (orient), entscheidet (decide) und handelt (act). Die Kunst liege darin, die nächste Schleife schneller zu starten als der Gegner, der noch dabei ist, die alte Schleife zu verarbeiten. Oder ihn zu täuschen, auf falsche Fährten zu führen und zu Fehlentscheidungen zu verleiten. Hier sehe Resch Gemeinsamkeiten zwischen militärischer, wirtschaftlicher und politischer Strategie.

Strikt männliches System

Was moderne Wirtschaftsbetriebe hingegen stark vom Militär unterscheide, sei dessen Ausrichtung auf Hierarchien, Rituale und Formalisierung (Resch sieht hier eher Parallelen zur katholischen Kirche). Die Hierarchien seien beim Militär klar erkennbar an Dienstgraden und Symbolen, sodass „niemand erst klären muss, wer über wem steht und damit entscheidet“. Die Rituale stärkten die Führungskraft; es sei Aufgabe des Kommandanten, sie mit Leben zu füllen. Und die Formalisierung sei „der Rahmen, in den man gezwängt ist, der Internen gar nicht mehr auffällt – nur nach außen wirkt unserer sehr stark“.

Zusammengehalten werde das Dreieck von Ethos und männlicher Prägung – und ja, für sie als Frau war Anpassung nötig, weil das System von Männern getragen werde. Was dem aktuellen Zustrom zum Bundesheer keinen Abbruch tut: War sie, Resch, im Jahr 2000 eine von drei Rekrutinnen, sind heute 20 Prozent der Bewerber Frauen.

(Print-Ausgabe, 23.09.2017)

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