Was Chefs unterm Christbaum sagen

Führung. Bei der Weihnachtsfeier haben Zahlen, schlechte Nachrichten und Motivationsappelle nichts verloren. Dafür ist umso mehr Zeit für Stolz, Dankbarkeit und jede Menge Emotion.

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Marin Goleminov

Natürlich kann man als Chef die Mitarbeiter bei der Ansprache auf der Weihnachtsfeier darauf vorbereiten, dass sie in den Wochen und Monaten nach Weihnachten ihre Familien kaum sehen werden – weil so viel Arbeit wartet. Man kann, aber man muss nicht.

Mehr noch. Man sollte nicht. Gunda Hofmann, Gründerin des Zentrums für Stimme & Sprechen in Wien, weiß aus ihrer Arbeit mit Führungskräften, dass sie „kein Problem haben, über Fachliches zu sprechen, sich aber mit Persönlichem schwer tun“. Doch genau das ist bei der Weihnachtsfeier gefragt. Zahlen und Fakten, sagt sie, hätten hier nichts verloren. Viel mehr sollte das erwähnt werden, was gelungen ist. Allerdings: Wenn Abteilungen oder einzelne Personen hervorgehoben werden, dann müssten diese schon etwas ganz Besonderes geleistet haben – andernfalls fühlten sich alle anderen, die sich das ganze Jahr für das Unternehmen eingesetzt haben, zurückgesetzt.

Friedlich, familiär, warm

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Lassen Sie mich einige Worte zum letzten Jahr verlieren“: Das sei als Einstieg eine glatte Themenverfehlung, sagt Georg Wawschinek, Medientrainer und Autor von „Charisma fällt nicht vom Himmel“. Ziele für 2018, Druck und Forderungen seien ebenfalls No-Gos: „Was vorkommen sollte, sind Stolz, Dank, Anerkennung.“ Und die Ansprache sollte vor allem das Gefühl von Geborgenheit und menschlicher Wärme vermitteln. Ohne dass es aufgesetzt wirke. Denn Charismatiker sind reflektiert und imstande, eigene Gefühle wahrzunehmen und diese Gefühle in anderen zu erwecken.

Das könne gelingen, sagt Hofmann, wenn der Redner einen Bezug zu sich selbst herstellt, mit einer kleinen persönlichen Geschichte beginnt und erzählt: Was ist Weihnachten für mich? Hofmann hat zusätzlich einige „technische“ Tipps parat, die dabei helfen, eine gute Stimmung zu vermitteln: erstens sich selbst erinnern, welches Gefühl, welche Stimmung mit Weihnachten verbunden ist. Zweitens: Körperspannung ist wichtig, beide Fersen fest in den Boden zu drücken gibt zusätzlich Energie. Drittens: einen imaginären Kreis um alle Zuhörer ziehen, um alle anzusprechen. „Und immer wieder prüfen: Hören mich die Gäste?“ So entständen automatisch Pausen, die wichtig für den Redner sind, um nicht außer Atem zu geraten – und für die Zuhörer, damit die Bilder im Kopf entstehen können. Schließlich lässt sich mit der möglichst zu Beginn der Feier gehaltenen Rede sehr gut steuern, wie viele Gäste wie lange mit welcher Stimmung bei der Weihnachtsfeier bleiben.

Unsicher, ernst, schwierig

Eine gute Rede – also nicht länger als zehn Minuten – zu halten, ist für viele Chefs an sich schon schwierig. Besonders herausfordernd wird es, wenn es dem Unternehmen wirtschaftlich nicht gut geht. „Wichtig ist es, nichts ,schönzureden‘ und das Positive – und seien es kleine, persönliche Erfolge und Begebenheiten – hervorzuheben“, sagt Kommunikationsexpertin Carola Purtscher. Das Ziel sei es, die Mitarbeiter motiviert und nicht mit Zukunftssorgen (Stichwort: mögliche Kündigungen) in das neue Jahr zu begleiten. Darüber hinaus gelte – wie bei allen (Weihnachts-)Ansprachen: „Kurzweilig, anschaulich und gewürzt mit einer Prise Humor darf die Rede gern sein.“

Jedenfalls sollte man es mit Motivationsappellen nicht übertreiben, sind sich Hofmann, Purtscher und Wawschinek einig. Natürlich könne man den Film „Apocalypse Now“ zitieren und sagen, man erwarte jeden Morgen im Büro „den Geruch von Napalm“, weil der an den Sieg erinnere – wie es eine Führungskraft vor wenigen Jahren tatsächlich einmal gemacht hat. Wie gesagt: Man kann, aber man muss nicht.


[O09FF]

(Print-Ausgabe, 25.11.2017)

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