Zehn Denkanstöße für Unternehmen

Social Enterprise. Shareholder Value ist passé, es lebe das Good Citizenship: Unternehmen wollen nach Gewinnen streben und gleichzeitig brave Bürger sein. Jedenfalls in der Theorie.

(c) Marin Goleminov

Ein Unternehmen, das etwas auf sich hält, will heute ein „Social Enterprise“ sein. Das stellte die Managementberatung Deloitte nach Befragen von 11.000 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen in ihren druckfrischen „Human Capital Trends 2018“ fest. Wie ein solches Social Enterprise aussieht, lässt sich an zehn Denkanstößen festmachen.

1. Teamplayer im Topmanagement. Noch sieht sich die „C-Suite“, die oberste Führung des Unternehmens, als Ansammlung von Einzelkämpfern. Die Zukunft klingt nach Symphonieorchester: Man spielt harmonisch zusammen. Das macht sich auch finanziell bezahlt: Unternehmen mit kollegial denkender C-Suite haben laut Studie eine um ein Drittel höhere Wahrscheinlichkeit, im nächsten Jahr um zehn Prozent oder mehr zu wachsen als solche, deren Topmanagement noch keinen Teamgeist lebt.

2. Ökosystem statt Belegschaft. Bei den Mitarbeitern hingegen wächst die Macht des Einzelnen (was kein Widerspruch ist). Das schreit nach neuen Führungskonzepten, Karrieremodellen und Vergütungssystemen. Dabei nur interne Mitarbeiter im Auge zu haben, ist zu wenig. Das erweiterte Ökosystem bezieht auch Freiberufler und die wachsende Gruppe der „Gig Worker“ (kurzfristig engagierte oder geringfügige Mitarbeiter, von engl. gig, Auftritt) mit ein.

3. Personalisierte Entlohnung. Damit er bleibt, erwartet der Mitarbeiter auf ihn persönlich zugeschnittene und agile Bezahlung – natürlich fair und gerecht für alle. Diesen Trend erkennt zwar die große Mehrheit der Befragten an, aber nur acht Prozent meinen, eine angemessene Lösung dafür gefunden zu haben.

4. „Wertvolle Lebenserfahrung“ statt Karriere. Wer will noch eine langweilig-geradlinige Laufbahn? Der Mitarbeiter des 21. Jahrhunderts wünscht wertvolle Lebenserfahrung zu machen, verschiedene Rollen auszuprobieren und neue Aufgaben zu übernehmen. Sechs von zehn Befragten haben darauf keine Antwort.

5. Lang lebe der Mitarbeiter. Die Lebenserwartung steigt. Warum nicht die Arbeitsfähigkeit? Kreative Ideen zur Beschäftigung Älterer sind gefragt. Es winkt eine erprobte und engagierte Zielgruppe.

6. Spiegel der Gesellschaft. Diskriminierung, ungleiche Einkommen, Integrationsversagen: All das beschädigt den Ruf von Firma und Marke. 77 Prozent der Befragten fürchten das, nur 18 Prozent adressieren es in ihrer Firmenstrategie.

7. Sorge für mein Wohlbefinden. Arbeit und Freizeit verschmelzen. Der Mitarbeiter fordert daher, die Firma möge sich auch um seine physische, psychische, spirituelle und finanzielle Gesundheit kümmern. Gut die Hälfte der befragten Manager erkennt das an, steht der Umsetzung aber hilflos gegenüber.

8. Angst vor dem Roboter. Dass Künstliche Intelligenz, Roboter und Automatisierung wirklich kommen, ist ins Bewusstsein breiter Teile der Bevölkerung eingesickert. Man versteht, dass damit Produktivität und Ertrag erhöht werden sollen, fürchtet aber, auf der Strecke zu bleiben. Zweierlei ist nötig: Erstens, nicht nur auf den technischen Aspekt zu fokussieren. Die „Architektur der Arbeit“ als Ganzes muss neu gedacht werden. Zweitens, Humankompetenzen zu trainieren, die langfristig beschäftigbar machen: Problemlösungsfähigkeit (63 Prozent stimmen zu), kognitive Fähigkeiten (55 Prozent) und Social Skills (52 Prozent).

9. Macht hyper-connected auch hyper-produktiv? Alle investieren in interne Kommunikationstools, Intra-Social-Media und Instant Messaging. Doch diese Werkzeuge können Selbstzweck werden. Ihr erwarteter Beitrag zur Produktivität gehört definiert und kontrolliert.

10. Schütze meine Daten. Etwa die Hälfte der Befragten meint, sensible Mitarbeiterdaten ausreichend zu schützen. Nur ein Viertel glaubt, im Fall des Falles auch ihre Marke schützen zu können. Wer also keine Konsequenzen von Mitarbeitern, Kunden und Öffentlichkeit riskieren will, braucht eine umfassende Datenschutzstrategie samt Maßnahmenpaket.
[ODSHR]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2018)

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