Transport und Logistik

„So verschwendungsfrei wie möglich“

Digitalisierung und Multimodalität beschäftigen die Logistiker derzeit. Mit den neuen Herausforderungen ändern sich auch die Anforderungen an die Mitarbeiter, die datenaffin sein sollen. Aber auch Fahrer sind gesucht.

(c) Pixabay

Eines stellt Franz Staberhofer gleich klar. Die „Logistik“ sei keine Branche, „sondern eine Disziplin“, sagt der Professor für Logistik- und Supply-Chain- Management an der FH Oberösterreich in Steyr. Eine Disziplin, der sich Spediteure, Transporteure, Lagerdienstleister, Hafen- und Flughafenbetreibern, Reeder, Fluggesellschaften, Eisenbahn-, Bus- und Taxiunternehmen genauso wie Zustelldienste bedienen würden.

Oberstes Ziel für sie alle müsse sein, „so „verschwendungsfrei wie möglich“ zu arbeiten. Daher sei auch auf diesem Feld die Digitalisierung ein großes Thema. Es gehe darum, Daten zu erheben und mit ihnen zu arbeiten. Zudem stellen Kunden hohe Ansprüche an den Servicegrad. Sie wollen etwa in Echtzeit sehen, wo sich ihre Sendung gerade befindet. „Hierzu muss digitale Logistik interaktiver, schneller und sicherer werden sowie zuverlässiger operieren und kommunizieren“, sagt Patrick Grassl vom Verkehrsministerium, der in der eben vorgestellten Dachmarke „Austrian Logistics“ mitarbeitet. Deren Ziel ist es, die Leistungen österreichischer Logistik hervorzuheben und den Beitrag der Logistik für den Wirtschaftsstandort aufzuzeigen.

Wie groß der Sektor in Österreich tatsächlich ist, lässt sich nur schwer sagen. Eine Studie aus dem Jahr 2015 im Auftrag des Zentralverbands Spedition & Logistik ergab, dass die etwas mehr als 11.000 Unternehmen des Logistik-Wertschöpfungskerns (Spediteure, Transport-Umschlag-Lager-Logistik-Anbieter und Logistik-Technologie-Anbieter) in Summe knapp 160.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Unternehmen, die, wie es Staberhofer vorsichtig formuliert, noch besser zusammenarbeiten könnten. „Der Schulterschluss muss das Ziel sein“, sagt er.

Blockchain für mehr Effizienz

Grassl sieht, dass die Blockchain-Technologie schon bald für die Logistik eine Rolle spielen werde, um effiziente, digitale Kooperation zu ermöglichen. „So können Kunden in die Transportkette eingebunden werden, um Transportentscheidungen selbst zu treffen.“ Blockchain, so lautet die Meinung, ermögliche transparente Kooperationen innerhalb eines Transportvorganges und dadurch Vereinfachung ebenso wie Kostensenkung.

Multimodalität ist ein weiteres Thema, das die Logistiker derzeit beschäftigt: „Verkehrsträger müssen so eingesetzt werden, dass ihre Vorteile für die Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft bestmöglich genutzt werden können.“ Das heißt, den Kunden tatsächlich unterschiedliche Varianten anbieten zu können. In dieser Hinsicht, sagt Grassl, hätten Güterverkehr und Logistik durchaus auch „gesellschaftspolitische Bedeutung“, die man betonen müsse.

Diese gelte es etwa in Fragen der Raumordnung stärker herauszuarbeiten. „Denn Logistikimmobilien in Form von Lager-, Umschlags- und Distributionszentren sind elementare Voraussetzungen für eine funktionierende Wirtschaft“, sagt Grassl.

Wie umstritten derartige Projekte allerdings sein können, zeigte sich bei den Plänen um das in der Nähe von Korneuburg geplante Verteilzentrum der Post.

Steuern, nicht nur am Steuer sitzen

Doch nicht nur die Beförderer haben Probleme, Mitarbeiter zu finden. Eine aktuelle Umfrage der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) unter ihren Mitgliedern ergab diese Woche: Drei Viertel der Güterbeförderungs- und Busunternehmen sind vom Fahrermangel betroffen. Im Durchschnitt fehlen pro Unternehmen 3,1 Lenker im Güterbeförderungsbereich und 4,2 in der Bus-Branche. Zudem sind die bestehenden Mitarbeiter nicht mehr ganz jung: Im Lkw-Bereich sind mehr als zwei Drittel der Fahrer über 40 Jahre alt – ein Drittel davon ist 51 bis 60 Jahre alt. Im Autobusgewerbe macht der Anteil der Über-50-Jährigen immerhin rund 43 Prozent aus.

Die Digitalisierung verändert auch die Arbeit entlang der Logistik- und Transportkette. Gesucht werden daher nicht nur Mitarbeiter, die hinter dem Steuer sitzen. Auch viele steuernde Professionen sind gefragt: Transportexperten, IT-Spezialisten und -Entwickler, aber beispielsweise auch Mechatroniker. „Große Chancen eröffnen sich für junge, hoch spezialisierte Aufsteiger ebenso wie für Quereinsteiger“, sagt Grassl. Zudem herrsche an IT-Experten und Softwareentwicklern großer Bedarf. Menschen, die, wie Staberhofer sagt, jene technischen Möglichkeiten schaffen, Daten zu sammeln und auszuwerten und aus den darin enthaltenen Mustern die richtigen Konsequenzen abzuleiten.

Weil sich die Unternehmen schwer tun, geeignete Mitarbeiter zu finden, haben Verkehrsministerium (bmvit) und die einschlägigen Fachhochschulen, FH OÖ und FH des bfi Wien, die Webplattform www.retrans.at gegründet, auf der Informationen zum Thema Verkehrslogistik sowie Berufsmöglichkeiten (Lehre, höhere Ausbildung und Studium) im Bereich Logistik präsentiert werden. Eine Übersicht über Logistik-Ausbildung bietet auch der Verein Netzwerk Logistik (VNL).


[OFWM1]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2018)

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