Karriere ist, was man daraus macht

Lebensplanung. Ist Karriere das, was einem (zufällig) passiert? Oder steuert man sie selbst? Die Wissenschaftlerin Filiz Keser Aschenberger liefert einen strukturierten Ansatz.

(c) Marin Goleminov

An einer Universität müsste man arbeiten. Dort gibt es noch vordefinierte Karrierepfade. Der von Filiz Keser Aschenberger lautet Forschungsassistentin, Lektorin, Assistenzprofessorin, Professorin und nunmehr Leiterin des Zentrums für transdisziplinäre Weiterbildungsplanung und Bildungsforschung an der Donau-Universität Krems.

Aus dieser Position heraus entwickelte Keser Aschenberger eine Career Roadmap. Sie vergleicht sie mit einem Straßenplan. Ohne einen solchen ist man in einer fremden Stadt verloren, mit ihm findet man schneller ans Ziel. Wenn man denn eines hat.

Den Weg zum beruflichen Ziel gliedert sie in drei pragmatische Schritte. Dafür braucht es ein paar Stunden Zeit, einen dicken Block (hier ist Papier besser als der Laptop) und ein wenig Konzentration und Kreativität, um die folgenden Fragen zu beantworten.

1. Die Ist-Analyse als Ausgangspunkt aller Überlegungen

Ein Self-Assessment, kombiniert mit einer SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen; bei jeder Frage sollte man drei bis fünf Punkte anführen). Was auffällt: Abschlüsse und Titel spielen keine Rolle.

► In welchen allgemeinen Wissensgebieten weiß ich viel? In welchen drei bis fünf speziellen Wissensgebieten? Welche besonderen Fähigkeiten habe ich (Sprachen, Programmierkenntnisse etc.)? Was sonst kann ich gut? Was interessiert mich? Wofür hätte ich gerne mehr Zeit? Auf welche Erfolge bin ich besonders stolz? Welchen Fähigkeiten verdanke ich sie?

► Welche fünf bis sieben Werte sind mir wichtig (z. B. Prestige, Loyalität, Balance)?

► Welche fünf Eigenschaften beschreiben mich am besten? Welche fünf Eigenschaften hätte ich lieber nicht? Was sagen meine Kollegen? Im Idealfall fließen hier auch die Auskünfte von drei realen Kollegen/Geschäftspartnern ein.

2. Die Karriereoptionen: Der Blick in die persönliche Zukunft

Nach dem Self-Assessment werden strukturiert die künftigen Möglichkeiten erarbeitet. Es hilft, disruptiv an die Sache heranzugehen. Der künftige Wunschjob muss nichts mit den bisherigen zu tun haben.

► Welche fünf Berufe oder Positionen interessieren mich am meisten? Warum gerade diese?

► Welche drei Jobs/Jobttitel hätte ich gerne?

► In welchen Berufen, Positionen und Rollen kann ich meine Stärken am besten nutzen?

3. Das Ziel vor Augen: Mit welchen Strategien es erreichbar wird

Eine klassische Gap-Analyse: Was fehlt mir zu meinen Wunschjobs? Welche Ausbildung brauche ich? Wo sonst lerne ich das Fehlende (online, on the job etc.)?

► Was brauche ich noch, um ein interessanter Kandidat zu sein?

► Welche Arbeitgeber suchen Mitarbeiter für diese Positionen?

► Zuletzt: Welche Meilensteine setze ich in welchem Zeitrahmen?

Per Formel zum Wunschjob?

Keser Aschenberger fasst den Weg zum künftigen Wunschjob in eine Formel: Ausbildung + Fähigkeiten + Erfahrung + Kontakte = Wunschjob. Das klingt gut und hat auch Berechtigung, lässt aber zwei Faktoren außer Acht. Erstens, so geradlinig-vorhersehbare Karrieren wie an der Universität gibt es in der Wirtschaft nicht mehr. Zweitens, in digitalen Zeiten entstehen täglich neue Berufe, die der Einzelne nicht antizipieren kann.

Die Roadmap ist dennoch ihre Zeit wert. Wer weiß, was er kann und will, erschafft sich seinen Wunschjob vielleicht selbst.

ZUR PERSON

Filiz Keser Aschenberger studierte Englisch und Erwachsenenbildung und hält einen PhD der Middle East Technical University Ankara. In Krems leitet sie das Zentrum für Transdisziplinäre Weiterbildungsplanung und Bildungsforschung. [ DU Krems ]

 


[P07F3]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2018)

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