Selbstständig sein statt arbeitslos am AMS

Absicherung. Kein Job, was nun? Gründen, wie Julia Seidl mit der »markenagentur vielfalter«.

Selbststaendig sein statt arbeitslos
Selbststaendig sein statt arbeitslos

„Keine Aussicht auf Besserung“ sah Julia Seidl im Oktober 2008 und kündigte ihren Job bei einem Tiroler Medienunternehmen. Viel Arbeit für verhältnismäßig wenig Lohn, keine Entwicklungschancen sowie Perspektivenlosigkeit – dieses Arbeitsumfeld bewegte sie dazu, trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation und der damit einhergehenden steigenden Arbeitslosigkeit zu kündigen. Diese war kurze Zeit später – im Jänner 2009 – gerade um mehr als zwölf Prozent im Jahresvergleich auf über 300.000 Personen geklettert. „Natürlich hatte ich Bauchweh in dieser Situation“, gibt die 28-Jährige unumwunden zu. Immer wieder habe sie sich die Frage gestellt, wie sich ihre Zukunft gestalten würde. „Da gab es Zeiten, in denen ich beim AMS war und nicht gewusst habe, wie es weitergehen wird.“

Insgesamt acht Wochen lang war Seidl arbeitslos. Dann gründete die gebürtige Tirolerin die „markenagentur vielfalter“. „Ich habe immer schon den Traum gehabt, selbstständig zu sein. Zu diesem Zeitpunkt hat es sich einfach angeboten.“ Ohne eine gewisse Absicherung wäre die Gründung des eigenen Unternehmens aber nur schwer möglich gewesen. „Ich hatte das Glück, mir vorher einen kleinen finanziellen Polster aufgebaut zu haben, der mir während der ersten sechs Monate geholfen hat.“

 

Nominiert für »Tirolissimo«

Seidl sollte mit ihrer Entscheidung recht behalten: Ihr „Unternehmen Selbstständigkeit“ gestaltete sich bereits nach kurzer Zeit erfolgreich: Dieses Jahr wurde sie mit zwei Arbeiten für den „Tirolissimo“, den Tiroler Werbe- & Kreativpreis, nominiert. Für diese Auszeichnung ist sie unter anderem mit einer Kampagne für den in Tirol stark vertretenen Gastronomieausstatter Ivo Pancheri im Rennen. Ihre Spezialität sind der Aufbau und die Pflege von Marken – von der Idee über die grafische Umsetzung bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam mit Freelancern – „Ich möchte gar nicht zu schnell wachsen, um flexibel zu bleiben“ – arbeitet sie in ihrer „markenagentur vielfalter“ in der Innsbrucker Leopoldstraße.

Den Schritt, sich selbstständig zu machen, bereut die Jungunternehmerin nicht: „Ich würde es nicht mehr anders wollen“, betont sie. Aber nicht für jeden Arbeitslosen sei die Gründung eines Unternehmens der richtige Ausweg. „Wer nicht dazu geboren ist, selbstständig zu arbeiten, und die Ambition hat, dies zu machen, der sollte es lieber lassen“, erklärt Seidl. Wer allerdings eine besondere Spezialisierung vorweisen könne, der sollte auch aus der Arbeitslosigkeit heraus jedenfalls den Schritt in die Selbstständigkeit in Betracht ziehen.

 

Absicherung möglich

Ganz ohne Absicherung hatte die Politikwissenschaftsstudentin nicht gegründet und ganz ohne Netz möchte sie voraussichtlich auch nicht als Unternehmerin bleiben. „Ich überlege, noch eine Betriebsausfallversicherung abzuschließen“, sagt Seidl. Diese würde Einkommen absichern, wenn die Unternehmerin beispielsweise krankheitshalber den Betrieb nicht führen kann. „Eine andere Art der Absicherung ist durch die Arbeitslosenversicherung möglich“, sagt Elisabeth Zehetner, Bundesgeschäftsführerin des Gründer-Service (siehe Gründer-Tipp rechts).„Mit dieser können sich Unternehmer für den Fall eines Jobverlusts wappnen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2010)

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