Management im Kopf: Du sollst nicht zögern

Folge 3. Die neue Online-Kolumne stellt das Thema Komplexität in den Mittelpunkt. Diesmal mit Robert Trappl.

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In unserer Kolumne „Management im Kopf“ stellt Maria Pruckner führende Forscher vor, deren Beiträge und Denkwerkzeuge für das Meistern von Komplexität sich in der Praxis der Wiener Beraterin und Entwicklerin seit über zwei Jahrzehnten verlässlich bewähren.

Du sollst nicht zögern - Robert Trappl

Valide systemwissenschaftliche Grundlagen, der ungetrübte Blick auf die Realität, verlässliches Fachwissen über die jeweilige Sache und belastbare Fakten über die jeweilige Begebenheit. Das sind die wichtigsten Voraussetzungen, um aus komplexen Angelegenheiten die größten Erfolge zu ziehen. Heute zu den ersten Fragen: „Wo wird das schon so gemacht?“ „Gib es schon Anwender, die damit erfolgreich sind?“ „Wo kann man sich ansehen, was das bringt?“

In allen erfolgreichen wissenschaftlichen Forschungs- und Entwicklungsinstituten sind diese drei Voraussetzungen selbstverständlich. Das überzeugendste und langlebigste Beispiel ist wohl ein internationaler Wissenschaftler der Spitzenklasse, Pionier und Unternehmer, Techniker und Psychologe, Kybernetiker und Soziologe in einer Person: Univ.-Prof. Ing. Dr. Robert Trappl.

Ich kenne keine Einrichtung, die mit weniger Geld höhere Produktivität und Innovationskraft erzielt als das OFAI. Das Österreichische Forschungsinstitut für Artificial Intelligence wurde 1984 von Robert Trappl mit Kollegen als gemeinnütziger Verein gegründet. Es beschäftigt im Schnitt 25 exzellente Forscher, deren Gehälter pünktlich bezahlt werden müssen. Das Geld dafür wird praktisch selbst erwirtschaftet.

„Vom Wissenschaftsministerium kommen null Euro“, gibt der Forscher Auskunft über Förderungen. Für komplexe Probleme, die Maschinen besser lösen können als der Mensch, entwickelt man am OFAI Lösungen mithilfe künstlicher Intelligenz. Wie bringt man Robotern das Erkennen von menschlichen Bedürfnissen, Gefühlen und ethisches Verhalten bei? An höchst anspruchsvollen und wichtigen Fragen wie diesen wird hier gearbeitet. Die Liste der Auftraggeber des Instituts liest sich wie das Who is Who der Weltmarktführer. Was von Google & Co kommt, hat seine Ursprünge in der Regel in Universitäten und Einrichtungen wie dem OFAI. In Silicon Valey geht es mehr darum, wie man ihre Lösungen als Produkte auf den Markt bringt.

Robert Trappl, der internationale Doyen der Kybernetik und Pionier der AI, ist es gewohnt, dass hervorragend funktioniert, was an seinem Institut entsteht. Die Denkschule der Kybernetik ist ihm so dermaßen im Fleisch und Blut übergangen, dass sie ihm gar nicht mehr bewusst ist. Er wendet sie dauernd an. Das ist auch das einzig Sinnvolle, was man mit der Kybernetik machen kann.

„Wie macht ihr das am OFAI?“, frage ich also den Altmeister. „Schau, wir machen das so“, erklärt Trappl, „wir bekommen eine Anfrage. Oder jemand von uns hat eine interessante Idee. Dann machen wir das einfach. Wir vertrauen dem Können unserer Experten.“ „Gibt es irgendetwas, woran ihr euch immer orientiert?“ „Es gibt eigentlich nur ein fixes Prinzip bei uns: Bei jeder Entwicklung wird zuerst ein Prototyp gemacht. Wir versprechen nichts, bevor wir nicht sehen, ob es funktioniert, wie es funktioniert und was es noch braucht, um das bestmögliche Ergebnis zu bekommen.“

Robert, welche Frage würdest Du aufgrund Deiner Expertise als erste stellen, wenn man eine komplexe Situation strategisch klug und nachhaltig meistern möchte? Trappl schüttelt den Kopf: „Nein, keine Frage. Tun. Machen. Zuerst einen Prototypen, und dann schnell und viel von ihm lernen.“

„Willst Du sehen, so musst Du handeln“, lautet eine berühmte Maxime von Heinz von Foerster. So einfach ist das. Die passenden Antworten stehen nie in einem Buch, auf keiner Homepage und in keiner Vortragsunterlage. Sie kommen von den Systemen selber, man muss nur ihre Zeichen, ihre „Sprache“ verstehen und nutzen. Mehr dazu in dieser Einleitung.

Wenn es mit diesem Beitrag gelungen ist, den Glauben daran zu wecken, dass auch die eigene Produktion bei aller Komplexität so richtig toll laufen kann, ist es gut. Eine kleine Erinnerung an Goethes Zauberlehrling möchte ich dazu nur mitgeben, nachzulesen ganz oben am Anfang…

Kurzbiografie Robert Trappl

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(c) APA

 

Trappl ist 1939 in Wien geboren. Studium der Elektrotechnik, Doktorat der Psychologie mit Nebenfach Astronomie, Diplom für Soziologie, MBA in General Management. Habilitation auf dem Gebiet der Biokybernetik und Bioinformatik. Von 1977 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2007 Leiter des Instituts für Medizinische Kybernetik und Artificial Intelligence an der heutigen Medizinischen Universität Wien, wo er nach wie vor Vorlesungen hält. Als Mitbegründer und Präsident der 1969 gegründeten Österreichischen Studiengesellschaft für Kybernetik leitete Robert Trappl von 1972 – 2010 die alle zwei Jahre stattfindende Europäische Kybernetik und Systemforschungstagung, die für viele Jahre weltweit die größte Konferenz auf diesem Gebiet. Seit 1984 Leiter des Österreichischen Forschungsinstitut für Artificial Intelligence (OFAI). Seit 2012 - 2015 Präsident der International Academy for Systems and Cybernetic Sciences, seither Ehrenpräsident.

 

Maria Pruckner entwickelt seit 1992 verlässliche Denkwerkzeuge für angewandte Kybernetik zum Problemlösen, Managen und Führen. Als Beraterin, Trainerin und Coach auf diesem Gebiet gehört sie weltweit zu den am längsten dienenden Problemlösern in der Praxis. Sie arbeitet stark vernetzt mit international führenden Experten aus Wissenschaft und Praxis. Im Rahmen ihres Unternehmens stattet und bildet sie interne und externe Experten aus, die sich in Unternehmen und Institutionen auf das professionelle Meistern komplexer Situationen konzentrieren.


Wie geht es Ihnen mit dem Meistern von Komplexität?
Schreiben Sie Ihre wichtigste Frage an Maria Pruckner.
Sie wird darauf eingehen.

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