Wer will schon die Böse sein?

Kolumne "Sprechblase". Warum Powerfrau kein schönes Kompliment ist.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Genau lässt es sich nicht sagen, wer das Wort Powerfrau kreiert hat. Vor gut 20 Jahren taucht der Begriff – wie viele weitere Anglizismen – erstmals in Österreich auf. Vermutlich war es ein Mann, der Power mit PS, Leistung und vielleicht sogar stromlinienförmigen Silhouetten assoziierte.

Seither sind intelligente, erfolgreiche und emanzipierte Frauen vor dieser Sprechblase, der Zuschreibung Powerfrau, nicht mehr sicher.

Scheinbar ist das „Frau“ in Powerfrau wichtig. Nach dem Motto: Wer hätte gedacht, dass eine Frau das alles zustande bringt? Anders bei Männern. Schon einmal vom Powermann gehört? Niemals!

Tatsächlich haben die als Powerfrauen Bezeichneten oft wenig Freude mit dieser Kategorisierung. Denn diese Kategorisierung konterkariert jede Emanzipation. Und diskriminiert jene Frauen, die viel ihrer Power in Job und Familie investieren.

Zudem steckt in Powerfrau nicht nur das durchaus positiv besetzte Wort „Energie“, sondern auch „Macht“. Die ist per se zwar nicht schlecht, ruft bei vielen das Bild der schmallippigen, unsympathischen Herrscherin wach. Und wer will schon gern die Böse sein?
michael.koettritsch@diepresse.com

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