Eine Frage der Energie

Kolumne. Warum nicht nur Physiker Quantensprünge lieben.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Soll das besonders Besondere beschrieben werden, muss häufig der Quantensprung herhalten. Politik, Wirtschaft und Technik bemühen ihn geradezu inflationär. Schließlich schwingen in diesem Begriff „weit, groß, gewaltig“ mit. Tatsächlich aber gelingt das besonders Besondere der Politik selten, der Wirtschaft gelegentlich, dafür der Technik oft.

Dabei hat der Quantensprung entgegen der landläufigen Verwendung nichts mit einer Rekordjagd zu tun. Oder mit Skispringern bei der Nordischen Ski-WM, die mit möglichst weiten Sätzen Medaillen gewinnen wollen. Beim ursprünglichen Quantensprung geht ein mikrophysikalisches System von einem Quantenzustand in einen anderen über – indem es Energie oder Teilchen emittiert oder absorbiert. Räumlich gesehen ein winzig kleiner Vorgang.

Zur Ehrenrettung der Quantensprung-Aficionados sei gesagt: Das Q-Wort zu verwenden ist dann zulässig, wenn eine qualitative Änderung beschrieben wird. Vorausgesetzt, es ist viel Energie im Spiel und die Veränderung erfolgt abrupt.

So gesehen muss man kein Quantenphysiker sein, um gelegentlich von einem Quantensprung zu sprechen.
michael.koettritsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2015)

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