Kinderzeitung

"Viel härter als je zuvor"

Ein Wahlkampf bedeutet auch für Journalisten Stress. Wieso, erzählt "Presse"-Chefredakteur Rainer Nowak im Interview.

Bundeskanzler Christian Kern im Gespräch mit Rainer Nowak.
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Bundeskanzler Christian Kern im Gespräch mit Rainer Nowak.
Bundeskanzler Christian Kern im Gespräch mit Rainer Nowak. – (c) Clemens Fabry

Wie sieht dein Arbeitstag in der Vorwahlzeit aus?

Rainer Nowak: Viel härter als je zuvor. Momentan sind alle Kandidaten übernervös. Noch nie haben Politiker so viel gegen Journalisten gehetzt wie in diesem Wahlkampf. Mein Tag beginnt früh: Ich schicke jeden Morgen einen Newsletter mit meiner Meinung zum Wahlkampf an 9000 Abonnenten. Den schreibe ich schon in der Nacht, in der Früh schaue ich noch einmal drüber. Um 8 Uhr bringe ich meine kleine Tochter in die Schule, danach beginnen Termine, Telefonate, Interviews. Der Akku meines Handys ist meist schon zwischen 10 und 11 Uhr leer. Daneben muss natürlich der normale Betrieb weiterlaufen: Redaktionskonferenzen, Leitartikel schreiben, Mails beantworten.


Was wirst du am Wahltag machen?

Nowak: Zuerst einmal gehe ich selbst wählen, dann mittagessen und anschließend in die Redaktion. Dort überlegen wir uns schon die Seite 1, etwa Titelbilder – und ich schreibe den Leitartikel in mehreren Varianten. Um 16 Uhr moderiere ich das erste Wahlstudio der Spitzenkandidaten, gegen 17, 18 Uhr geht es weiter zum ORF. Am Abend mache ich vielleicht noch eine Wahlpartyrunde.


Wissen deine Leser, wen du wählst?

Nowak: Nein, das wissen sie nicht. Wer mich genau liest, kann es sich wahrscheinlich vorstellen. Bei dieser Wahl sind aber mehrere Parteien wählbar.


Was darf ein Politikredakteur nicht? Mit Politikern auf Urlaub fahren?

Nowak: Er muss kritische Distanz wahren. Österreich ist ein sehr kleines Land, da ist das nicht immer einfach. Da kann es schon sein, dass man mit jemandem per Du ist, über den man berichtet. Aber Distanz muss vor Freundschaft gehen!


Werden Politiker böse, wenn man etwas Schlechtes über sie schreibt?

Nowak: Ja, natürlich. Viele Politiker haben den Eindruck, dass sie „heruntergeschrieben“ werden. Es ist auch in Ordnung, sich über Berichterstattung zu beschweren, wenn man das gut argumentiert.


Was ist das Beste an deinem Beruf?

Nowak: Ich lerne jeden Tag neue Menschen und Lebenswelten kennen. Der Beruf ist sehr facettenreich, es passiert immer etwas Neues. Außerdem liebe ich das Schreiben. Und ich kann etwas kommentieren, ohne Verantwortung übernehmen zu müssen!


Warum sollen sich Kinder für Politik interessieren?

Nowak: Da die Politiker über ihre Zukunft entscheiden. Wenn gewisse Reformen nicht gemacht werden, sieht es für die Zukunft nicht so rosig aus.

Wusstest du schon, dass . . .

. . . Zeitungsjournalisten nicht mehr „nur“ Artikel schreiben? Kurze Videos sind bei den Usern sehr beliebt. Daher stellte Rainer Nowak allen Spitzenkandidaten jeweils 13 Fragen vor der Kamera. Auch der tägliche Wahlnewsletter kam gut an.

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