Ursula Strauss: Die lieber lügt als schießt

Ursula Strauss ermittelt ab Dienstag als Frau Chefinspektor Angelika Schnell in der neuen ORF-Krimiserie "Schnell ermittelt": Unkonventionell, chaotisch, schrullig. Und sehr österreichisch.

Schnell ermittelt - Rudolf Sommerbauer - Di 20 15 ORF1
Schnell ermittelt - Rudolf Sommerbauer - Di 20 15 ORF1
(c) ORF (Petro Domenigg)

Frau Chefinspektor Angelika Schnell hat zwar die üblichen Probleme, aber sonst ist sie recht unkonventionell. Die Dienstmarke? Ist verlässlich in den unendlichen Weiten ihrer Handtasche verschollen. Die Kinderlein? Die nerven minütlich mit Anrufen, weil der (von Mama gehasste) Hamster schon wieder entlaufen ist. Und der Ex? Der passt auf die Kleinen auf, wenn in Wien wieder einmal einer über ein Mordopfer stolpert (er selbst ist nämlich Gerichtsmediziner, kommt also erst später dran). Die Idee für eine neue Krimiserie mit einer Frau als Leiterin der Mordkommission sei schon so alt, „da hatte ich noch kein graues Haar“, scherzt ORF-Fernsehfilmchef Heinrich Mis. Dafür war die Kommissarin laut Arbeitstitel „Besser blond“. Eine machistische Geschmacklosigkeit, die sich nicht erst mit dem Auftauchen von Ursula Strauss als Hauptdarstellerin ad absurdum führte: Die hat nämlich dunkelbraune Haare und widerspricht auch sonst sowohl im Film als auch im echten Leben fundamental dem Blondinenwitzimage.


Zu österreichisch. Zu speziell? Zehn Folgen von „Schnell ermittelt“ sind fertig. Acht weitere in Produktion. Und das, obwohl sich kein deutscher Kopartner hat finden lassen, der sich finanziell beteiligt hätte. „Zu österreichisch in Sprache und Humor“, „zu speziell“ hätte es geheißen, erzählt Mis. Für ein österreichisches Fernsehpublikum hört sich das nach einer veritablen Empfehlung an. Das klingt nach „Kottan ermittelt“. Aber so schnell ist nichts Kult. Heute noch weniger als früher. Und der ORF hatte zuletzt mit Eigenproduktionen seine liebe Not.

Die Chancen für die smarte Kommissarin stehen aber gut. Weil sie unkonventionell ermittelt (und am Tatort ganz ungeniert übers Leintuch schnüffelt). Weil sie ihren Mitarbeiter Franitschek (Wolf Bachofner durfte schon „Kommissar Rex“ die Wurstsemmel apportieren) mit Respekt behandelt und trotzdem anschnauzt, er möge bitte bloß „nicht denken“, sondern „machen!“. Weil sie lieber lügt (etwa, wenn sie dem Verdächtigen vormacht, sie hätte ohnehin längst alle Beweise) als schießt. Und, was jedenfalls auch kein Fehler ist: Strauss ist eine respektable Schauspielerin, die hiermit im Hauptabend ihr Debüt in einer großen Fernsehhauptrolle gibt. Im Kino sah man sie öfter. Zuletzt in dem oscarnominierten Krimidrama „Revanche“ als Frau eines Polizisten oder auch in Barbara Alberts „Fallen“.

Es war nicht der Gärtner! In den ersten Folgen (dienstags, 20.15h, ORF1) finden Totengräber eine Leiche, ein Starkoch bricht in der TV-Show zusammen, eine Turmspringerin stirbt am Elektroschock. Zum Glück ist Schnell nicht nur „schrullig“: „Sie denkt viel und schnell“, beschreibt Strauss ihr cooles Alter Ego. „Und sie hat die Gabe, Menschen zu beobachten.“ Deshalb weiß sie früher: Es war wieder nicht der Gärtner!

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2009)

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