Bully und Freunde haben viel Spaß

Michael Herbigs „Bully Parade“ ist eine herbe Enttäuschung: Die Episodenreihe nach der erfolgreichen TV-Sendung mischt Bekanntes, wirkt aufwendig, teuer und witzlos.

Run! Winnetou (Michael Bully Herbig) versucht sich an Kunststücken mit einem widerspenstigen Fahrrad.
Run! Winnetou (Michael Bully Herbig) versucht sich an Kunststücken mit einem widerspenstigen Fahrrad.
Run! Winnetou (Michael Bully Herbig) versucht sich an Kunststücken mit einem widerspenstigen Fahrrad. – (c) Warner Bros

Vor dem Abspann sieht man die Schauspieler, wie sie sich vor Lachen kaum halten können. Kein Zweifel, die Mimen hatten bei der „Bully Parade“ viel Spaß – der sich indes nicht auf den Zuschauer überträgt. 20 Jahre ist es her, dass Michael „Bully“ Herbig mit seiner Sketch-Sendung auf Pro7 seine Karriere startete und in der Folge den deutschen Humor revolutionierte. Filme wie die Western-und Winnetou-Parodie „Der Schuh des Manitu“ oder „(T)Raumschiff Surprise“, die Persiflage von „Star-Trek“ & Co., sind Kult, nicht nur bei Kids, die damit aufwuchsen. 21 Millionen Menschen sahen die zwei Filme allein in Deutschland.

Das Jubiläum seines Siegeszugs durch die deutsche Unterhaltungsindustrie feiert Herbig mit „Bully Parade“, der Film. Der Beginn ist noch ganz lustig: Zwei Spinner wollen den Fall der DDR und der Berliner Mauer rückgängig machen und reisen mit einem aufgetunten Trabi ins Jahr 1989. In der nächsten Episode sieht man Winnetou und Old Shatterhand durch die Prärie reiten, Ersterer sucht eine Frau und findet sie in einer Castingshow für Indianer, der Letztere ist auf seinen alten Freund sauer und eröffnet in der Steppe eine Bootsvermietung.

Als nächstes erleben wir „Sissi, Wechseljahre einer Kaiserin“, Franz und Sissi kaufen ein Schloss, der sie begleitende Feldmaraschall erlebt eine Geisterstunde. Dann braucht der ewige Student Lutz 60 Dollar, weil er schwarzgefahren ist, sein Freund und er finden einen Börsenmakler, der verspricht, ihnen Geld zu verschaffen. Zuletzt reisen wir noch einmal mit dem (T)Raumschiff Surprise – zum Planeten der Frauen, der von einer Flotte geklonter Haarjäger bedroht wird. Und dann ist der Film endlich aus . . .

Bis heute ist schwer zu sagen, wie Herbig mit seinem Hang zur schleißigen Faschingsmaskerade, mit seiner Mischung aus Sprachwitz, bayrischer Mundart und Kalauer – „Ich habe die Beine meiner Frau nummeriert, damit ich sie besser auseinanderhalten kann“ – so erfolgreich sein konnte. Fix ist: Einige seiner Filme kann man immer wieder sehen und muss jedes Mal lachen. Sätze wie „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“ sind geflügelte Worte.

 

Unterhaltungskonzern à la Hollywood

Herbig hat aber auch Feines außerhalb des Klamotte-Genres gemacht, etwa die gewitzte Hollywood-Comedy-Parodie „Buddy“, oder, mit Leander Haußmann als Regisseur und Drehbuchautor, „Hotel Lux“, eine köstliche intelligente Historienfarce (ein bisschen wie „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg“). Leider war „Hotel Lux“ wenig profitabel. Diesmal wurden einfach alte Erfolgs-Ingredienzien neuerlich zusammengerührt, aber das Konzept geht gar nicht auf.

Das schmerzt umso mehr, als der Aufwand ungeheuerlich wirkt, die Zahl der Zitate (aus „Django Unchained“, „The Wolf of Wall Street“ oder Disneys „Haunted Mansion“) ins Unabsehbare ausgedehnt ist, und die „üblichen Verdächtigen“ bestens drauf sind. Sie hopsen von einer Rolle in die nächste: Christian Tramitz spielt den Kaiser, den Börsenmakler und Old Shatterhand, Herbig Winnetou, Mr. Spuck und die Kaiserin Sissi, Rick Kavanian gibt den Raumschiff-Ingenieur, Sky du Mont den Spekulanten. Dazu flimmern Überraschungsgäste kurz über die Leinwand wie Matthias Schweighöfer oder Til Schweiger. Überdies sind viele, viele schöne Mädchen mit blonden Locken, leicht geschürzt, zu sehen, die aber mit den Herren kaum auf Tuchfühlung gehen. Sexistisch? Ein bisschen. Allerdings: Herbigs Filme leben wie französische Komödien auch vom verklemmten Biedermann.

Welchen Sinn hat die „Bully Parade“, die laut Presseheft „das Ereignis des Jahres“ sein soll? Das Geheimnis lüftet sich im Kleingedruckten. Der Film ist für Kinder (ab sechs), man kann Fanartikel, Kostüme, ein Brett-und ein Kartenspiel kaufen. Herbig folgt in vielem Hollywood-Konzepten, auch darin, dass er schaut, dass seine Kreationen – wie bei Disney, Sony & Co – von Generation zu Generation weiter gereicht werden und alle Geschäftssparten abgedeckt sind.

Zu „(T)Raumschiff Surprise“ gibt es ein Computerspiel, da wird eins über die „Bully Parade“ nicht lange auf sich warten lassen. Hoffentlich verschwindet der charmante, lustige Herbig nicht völlig im Big Business. Übrigens: Die noch immer sehr amüsanten alten Bully-Parade-Sketches sind auf Youtube nachzusehen: Wohl auch kein Zufall, denn hier ist nichts dem Zufall überlassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2017)

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