Filmtipps

Mehr als fallende Blätter: Die besten Herbstfilme auf Netflix und Amazon

Mit der Tagundnachtgleiche beginnt am Samstag - astronomisch gesehen - der Herbst. Filmemacher fanden verschiedene Wege, seine Stimmung und Farbenpracht zum Ausdruck zu bringen: Fünf Tipps zum Streamen.

Wes Andersons „Fantastischer Mr. Fox“, ein detailverliebter Glücksfall.
Wes Andersons „Fantastischer Mr. Fox“, ein detailverliebter Glücksfall.
Wes Andersons „Fantastischer Mr. Fox“, ein detailverliebter Glücksfall. – Twentieth Century Fox

Der fantastische Mr. Fox

Von Wes Anderson, 2009
Zu sehen auf Amazon

Seit es den Herbst gibt, haben Künstler versucht, seine Stimmung und Farbenpracht einzufangen. Dichter wie John Keats und Rainer Maria Rilke, Maler wie Monet und Van Gogh, Musiker wie Vivaldi und Neil Young. Man könnte meinen, dass es Filmemacher diesbezüglich einfach haben: Sie brauchen nur die Kamera auf fallende Blätter zu richten und die Sache hat sich, nicht? Tatsächlich gibt es viele Filme, die Herbstgefühle einfallsreich und poetisch zum Ausdruck bringen. Aber nur wenige, die der Farbpalette der laubreichsten Jahreszeit zur Leinwandstrahlkraft verhelfen, die ihr gebührt. Darunter sind Hollywood-Melodramen wie Douglas Sirks „Was der Himmel erlaubt“, Martial-Arts-Epen wie Zhang Yimous „Hero“ und nicht zuletzt Wes Andersons quirlige Roald-Dahl-Verfilmung „Fantastic Mr. Fox“. Der erste Stopptrick-Ausflug des US-Regisseurs erweist sich als detailverliebter Glücksfall: Hier hasten allzumenschliche Tiere rund um den findigen Titelfuchs (im Original von George Clooney gesprochen) durch eine wunderliche Nachsommerwelt, wo Gelb, Orange, Braun, Ocker, Khaki, Ahorn und weiß Gott was noch für Farbtöne aus dem herbstlichen Spektrum vom Himmel, von den Bäumen und sogar von den Tapeten Augenzucker streuen. 

 

The Stranger (Die Spur des Fremden)

Von Orson Welles, 1946
Zu sehen auf Amazon und Netflix

Herbst in Harper, Connecticut: Blätterrascheln, Schulanfang, US-Kleinstadtidyll. Und mittendrin, inkognito, ein hochrangiger Nazi-Funktionär, verfolgt von einem umsichtigen Detektiv (Edward G. Robinson). „The Stranger“ war zur Zeit seines Erscheinens der kommerziell erfolgreichste Film von Orson Welles, heute steht er zu Unrecht im Schatten von Klassikern wie „Citizen Kane“. Ein formidabler Psychothriller: Schlank, schnörkellos und doch barock, voller dramatischer Kamerawinkel und schicksalhafter Schattenwürfe, verstörend in seiner bösen Kontrastierung eines Bilderbuch-Amerikas mit dem Nachhall von NS-Verbrechen. In der Rolle des janusköpfigen Bösewichts glänzt der Regisseur selbst.

 

Tess

Von Roman Polański, 1979
Zu sehen auf Amazon

England, Ende des 19. Jahrhunderts: Der Leidensweg einer anmutigen Bauerntochter wird nachgezeichnet. Man sieht sie im Laufe der mehrere Jahre umfassenden Erzählung immer nur zu der Zeit, wenn die Arbeit auf den Feldern fast vollbracht und das Licht bereits zart geworden ist. Aber die Idylle trügt. In den narzisstischen Männerseelen eines übergriffigen Filous und eines empfindsamen Pfarrerssohns befördert sie eine unheilvolle Vermählung zwischen Eros und Thanatos, aus der die entweder zur Hure degradierte oder als Madonna idealisierte Dorfschönheit als Opfer von Missbrauch und missverstandener Romantik hervorgeht. Ein doppelbödiger Herbst-Film: Schön und schrecklich zugleich.

 

Harud (Autumn)

Von Aamir Bashir, 2010
Zu sehen auf Netflix

„Im Kaschmir gibt es einen Ausdruck, harduk zazur, den man in etwa mit ,herbstlichem Verfall‘ übersetzen könnte“, so Regisseur Aamir Bashir, der aus der umkämpften Region stammt, in der sein bedrückendes Drama spielt. Eine Familie versinkt in Depressionen, seitdem eines ihrer Mitglieder bei einer Demonstration spurlos verschwunden ist. Dazwischen sieht man immer wieder das Zittern von Laubblättern im Wind, wie sie auf Stacheldrähte und Straßenböden herabregnen, zusammengekehrt und verbrannt werden. Der Herbst, so Bashir, symbolisiere die Psyche der Kaschmiren, die von täglicher Gewalt, ständiger Todesangst und traumatischen Verlusterfahrungen geprägt ist. Ein filmisches Klagelied.

 

Good Will Hunting

Von Gus Van Sant, 1997
Zu sehen auf Amazon und Netflix

Die untrennbare Verwobenheit von Schönheit und Vergänglichkeit ist ein stetiges Motiv in den melancholischen Filmen von Gus Van Sant. Kein Wunder, dass die meisten von ihnen an der Schwelle zum oder im Herbst selbst spielen, der Zeit, wo man müde und erschöpft, aber umso empfänglicher für Schwermut und Sehnsucht wird. Manche seiner depressiveren Figuren begehen dann Suizid („Last Days“) oder richten ein Blutbad an („Elephant“), andere wiederum fassen erstmals Vertrauen in ihre Mitmenschen und verlieben sich – so wie das Mathe-Genie (Matt Damon) aus „Good Will Hunting“, dessen emotionaler Panzer allmählich aufbricht, als er seine Zuneigung für eine gewitzte Frau entdeckt und von seinem zartfühligen Therapeuten (Robin Williams) davon überzeugt wird, dass zu aufrichtiger Liebe vor allem das Zulassen eigener Verletzlichkeit gehört. Zugleich muss er sich entscheiden, ob er lieber seine proletarische Existenz als Tagelöhner und Rowdy aufrecht erhalten oder sein Talent in den Dienst der Wissenschaft stellen will. Zu romantischer Musik von Elliott Smith (bittersüßer als „Miss Misery“ kann ein Lovesong kaum sein) sieht man ihn am Ende seinem unsicheren Liebesglück entgegenfahren.

 

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