„Wuff“: Der beißt ganz, ganz sicher nicht

„Wuff“ heißt das neue Lustspiel von Detlev Buck, das die Zuschauer nicht allzu sehr überfordern dürfte. Ein gut besetzter Film über den besten Freund des Menschen.

Ohne Hund hätten sie sich nie getroffen: der Förster (Kostja Ullmann) und die von ihrem Ex ausgebootete Journalistin Ella (Emily Cox).
Ohne Hund hätten sie sich nie getroffen: der Förster (Kostja Ullmann) und die von ihrem Ex ausgebootete Journalistin Ella (Emily Cox).
Ohne Hund hätten sie sich nie getroffen: der Förster (Kostja Ullmann) und die von ihrem Ex ausgebootete Journalistin Ella (Emily Cox). – (c) DCM/Oliver Vaccaro

Die Deutschen produzieren mittlerweile genauso serienweise Komödien wie Hollywood, das geht ihnen runter wie Öl, könnte man sagen, uns auch. Leider, denn der Erkenntnisgewinn ist doch um einiges bescheidener als im Theater. Bei mancher Scherzkiste ist es so, kaum ist sie einem durchs Hirn gefahren, schon ist sie vergessen, als wäre sie nie gewesen. Wo sich das Theater öfter fragt, darf ich so nett sein, charmiert der Film ganz ungeniert. Böse Zungen behaupten, der Lerneffekt bei bittersüßen Liebesgeschichten, die irgendwie gut ausgehen, sei mittlerweile so gering wie bei manchen Frauenzeitungen (die Frauen bekanntlich gern lesen, sogar Intellektuelle oder andere, die es nicht zugeben).

Eins steht fest: Das fortwährende Happy End hat auch etwas Lebensfremdes, nicht immer geht alles gut aus. Diesmal sind wir auf den Hund gekommen. Nicht wir, sondern der erfolgreiche Unterhalter Detlev Buck, ein Komödienmacher mit Anspruch, keiner, der die deutsche Klamotte fortschreibt. Buck drehte nicht nur Bibi-Blocksberg-Filme, sondern auch Lustspiele wie „Männerpension“ oder „Rubbeldiekatz“, und zuletzt nach Krimi-Autor Ferdinand von Schirach das Drama „Asphaltgorillas“, das erst heuer herauskam.

Der Zeitpunkt, einen Hundefilm ins Kino zu bringen, ist nach dem Tod eines Einjährigen nach einer Rottweiler-Attacke in Wien Donaustadt nicht ideal, das Klima zwischen Hundefreunden und Hundegegnern frostig. Einerseits. Andererseits: Immer mehr Leute schaffen sich Hunde an – und auch wenn es, vom Boulevard befeuert, subjektiv so scheint, dass ununterbrochen Menschen von Hunden angefallen werden, so sind es vermutlich an der Menge der Hunde gemessen nicht viele Unglücksfälle.

 

Harald Martenstein als Fiesling

Hundefreunde werden sich die Freude an „Wuff“ gewiss nicht nehmen lassen. In dieser anfangs flotten, nach einiger Zeit etwas langatmigen Komödie, in der sich einfach zu viele Zufälle häufen (wie wäre es mit etwas Redundanz wie im wahren Leben und in der Literatur?) wird eine Journalistin von ihrem männlichen Kollegen im Job ausgestochen und überdies verlassen, sie holt sich im Tierheim den Köter, der am meisten zu bedauern ist, und geht in den Wald, wo sie einen schönen Förster trifft.

Ihre Mama macht schon garstige Bemerkungen wegen des ausbleibenden Enkels – den man dieser Raben-Großmutter allerdings sowieso nicht gern anvertrauen möchte. Eine andere junge Frau leidet an Einsamkeit, weil ihr Mann Pianist und ständig auf Konzerten ist. Ein ehemaliger Fußballer verdingt sich als Dogwalker, eigentlich eher als Hundeentertainer, mit einigem Erfolg. Und eine lebenslustige Omi kommt ins Krankenhaus, wer passt jetzt auf den verwöhnten Hund auf, der nur Steak frisst?

In „Wuff“ spielen sehr viele entzückende Hunde mit, aber auch einige sehr gute Schauspieler. Zum Beispiel Katharina Thalbach (die Oma), Johanna Wokalek, einst am Burgtheater (die einsame Ehefrau Cecile), oder Emily Cox (die Journalistin Ella). „Zeit“-Kolumnist Harald Martenstein überzeugt als fieser Chef des Zeitungsverlags. Holger Stockhaus gibt den Typen, der Ella den Chefposten wegschnappt, ein absolut großartiger Widerling, den sich alle Karrierefrauen sehr genau anschauen sollten.

„Wuff“ wirkt wie einige der neueren amerikanischen Kinderfilme, nicht schlecht gemacht, aber wie vom Fließband und zu routiniert, um gut zu sein. Aber der Hund wird rehabilitiert, was er vielleicht im Moment durchaus nötig hat. Nur der Rottweiler ist im Film so übel wie manchmal im Leben, im Besitz eines Kriminellen und äußerst aggressiv. Im Internet wird die Rasse übrigens empfohlen – als Familienhund und Kinderschützer mit hoher Reizschwelle. Kaum zu glauben. Ah, hier ein Nachsatz: „Es wird dringend empfohlen, für eine gute Erziehung zu sorgen.“ Na dann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2018)

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