Luke Perry: Der Schwarm einer Generation

Unter all den reichen, pubertierenden Teenagern von Beverly Hills war Luke Perry als Dylan der Kontrapunkt - ein Einzelgänger, die Stirn immer sorgenvoll in Falten gelegt.

Mit der blonden Kelly wollte man Dylan eigentlich nicht sehen.
Mit der blonden Kelly wollte man Dylan eigentlich nicht sehen.
Mit der blonden Kelly wollte man Dylan eigentlich nicht sehen. – (c) Imago

"Er ist so seltsam", sagte Kelly zu Beginn der Serie "Beverly Hills 90210" über Dylan McKay. Sie wisperte das der neuen Schülerin Brenda zu, die von Dylan mit seinem unverwechselbaren Blick gemustert wurde: mit hochgezogenen Augenbrauen, unverhohlen interessiert, aber doch auch ein wenig ironisch. Mit diesem Blick verkörperte Luke Perry den Schwarm der 1990er, er stellte Dylan damit immer über die Teenager-Cliquen-Dramen, die in der Kultserie ausgebreitet wurden. Dylan war ein Einzelgänger, sensibel und verwundbar. Die Stirn stets in Falten gelegt, weckte er bei den Mädchen der Teenagergeneration, die sich samstagnachmittags vor den Bildschirmen einfand, den Wunsch, ihn zu retten, vielleicht auch vor sich selbst.

Dylan war die personifizierte Coolness in einer Serie um reiche, pubertierende Teenager. Er surfte und fuhr Motorrad, hatte auch mal Motoröl am Shirt, war durchaus kunstsinnig und duschte mit offener Tür. Seine Haartolle saß wirklich immer, jahrelang – Perry spielte seine Rolle von 1990 bis 1995 und nach dreijähriger Pause wieder bis 2000. Niemals war Dylan aufdringlich, oft unnahbar, entrückt und damit das Gegenbild des hormongesteuerten Steve Sanders. Er könnte das Wunsch-Männerbild einer Generation nachhaltig geprägt haben. 

Brandon oder Dylan? Das war ein wenig wie "Stones oder Beatles", und wer Sinn für Weltschmerz hatte, entschied sich Sekunden, nachdem die Serie angelaufen war. Wie viele andere Figuren der Serie, die alle aus dysfunktionalen, reichen Elternhäusern kamen, sehnte er sich nach der Wärme echter zwischenmenschlicher Beziehungen. Die weiblichen Teenager der 1990er Jahre hätten sie ihm nur zu gerne gegeben, wenn man die Schmerzbekundungen nach seinem Tod als Beleg heranzieht. Perry starb am Montag im Alter von nur 52 Jahren nach einem massiven Schlaganfall. 

Luke Perry im neuen Tarantino-Film

An seinen Star-Status aus Beverly Hills konnte der Schauspieler später nicht mehr anschließen. Der Sender Fox hatte erst vergangene Woche ein Comeback der Serie "Beverly Hills, 90210" bekanntgegeben. Perry wäre aber nicht an Bord gewesen. Zuletzt war er im Netflix-Hit "Riverdale" zu sehen, also wieder in einer Teenager-Serie. Aber diesmal verkörperte er nicht den rebellischen Helden, sondern dessen Vater. Die Dreharbeiten zur neuen Staffel wurden nun kurzfristig gestoppt.

Bereits abgedreht ist der neue Film von Quentin Tarantino, in dem Perry einen Schauspieler zur Zeit der Manson-Morde verkörpert. Erzählerisch folgt der Film mit dem Titel "Once Upon a Time in Hollywood" offenbar dem Stil von "Pulp Fiction". Im August wird er - und damit Luke Perry in seiner letzten Filmrolle - in Österreich zu sehen sein.

 

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