"Vatertag"-Dreh: Erkenntnisse eines Setbesuchs

Besuch am Set der Komödie „Vatertag“, für die im Urania Szenen gedreht werde: Simon Schwarz ist schwermütig, Alexander Pschill mag keine Helden und Angelika Niedetzky will ihr Kind nach Orang-Utans benennen.

(c) ORF (Hubert Mican)

Café Urania lautet die Adresse, Radetzkystraße 24. Wer an das schicke Glas-Chrom-Café im Kulturgebäude am Donaukanal denkt, liegt allerdings falsch. Wie auch der ORF, denn das Café, in das er lädt – und in dem er dreht – heißt eigentlich „Kaffee“. Es liegt im dritten Bezirk, ein paar hundert Meter und ein paar Welten von der Urania und dem urbanen Treiben am Kanal entfernt. Das Kaffee Urania, das ist alte Wiener Vorstadt. Unscheinbar, vermeintlich geschlossen, und tatsächlich nur abends geöffnet, wenn der Wirt Lust dazu hat.

Drinnen drängt sich die Filmcrew, sitzt Alexander Pschill an einem der antiquierten Tische und verfüttert seine Wurstsemmel an Rosa, Angelika Niedetzkys gefleckten Hund. Wäre sie ein Schäfer, es wäre eine Szene aus Kommissar Rex. Doch die Zeit, in der Pschill als drittes Herrl des Polizeihundes Dienst tat, ist lang vorbei. Zu sehen war Pschill zuletzt viel eher im Theater, etwa in den Bühnenversionen der Glattauer-Bücher „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“, jüngst in der Josefstadt in „Kap Hoorn“. Ganz hat er das Fernsehen aber nicht ad acta gelegt, ab März ist er als Lotto-Psychologe in der zweiten Staffel der „Lottosieger“ zu sehen. Und irgendwann 2011 in der Komödie „Vatertag“, für die im Urania gerade Szenen gedreht werden. Darin spielt er Otto, der im Spiel ebenso viel Glück hat wie in der Liebe, dazu drei Kinder, denen er ein braver Vater ist. Alles gut also, wäre da nicht das logistische Problem, dass die drei Mütter der Kinder nichts voneinander wissen dürfen.

Wobei Pschill die Rolle des Herzensbrechers, wie er versichert, nicht leicht fällt. „Die Frauen zu bezirzen ist für mich schwer, weil ich das selber nicht so draufhab.“ Seine Vorbilder seien „Leute wie Woody Allen, die nicht positive Eigenschaften darstellen wollen, sondern negative. Das ist viel lustiger.“ Demnach sei er auch nicht auf Heldenrollen erpicht. „Ich habe erst einmal einen Helden gespielt, in Kommissar Rex, und das hab ich mir selbst nicht abgekauft. Helden sind langweilig. Außer Batman vielleicht.“


Kollege Simon Schwarz (u. a. „Komm, süßer Tod“) hat da schon mehr mit seiner Rolle gemein. Er spielt Josef, einen eigenbrötlerischen Installateur, der, von seiner großen Liebe enttäuscht, nun eine „Nichtbeziehung“ zu Frauen pflegt und dabei ernst und schwermütig ist. „Das bin ich auch“, sagt Schwarz. „Auch wenn ich in der Öffentlichkeit nicht so wirke. Das ist nur ein Schutz.“

Und wie ist das nun mit den Patchwork-Komplikationen, die der Film thematisiert? Damit will keiner der kinderlosen Darsteller Erfahrung haben. Angelika Niedetzky, eine der Film-Mütter, plant zumindest vage ein Kind. „Der Gedanke wird immer möglicher. Bis 40 will ich jedenfalls nicht warten.“ Sollte es eine Tochter werden, hat sie schon einen Namen. „Rosa heißt schon mein Hund, aber Maia gefällt mir auch sehr gut.“ Vor allem, weil das in einem indonesischen Dialekt Orang-Utan heißt, sagt Niedetzky und erzählt von ihrer Arbeit für die Menschenaffen Borneos. Dann ist die Pause vorbei, die nächste Szene steht an. Bis der Tross weiterzieht und das Kaffee Urania wieder in der Vergangenheit versinkt.

Auf einen Blick

Vatertag“ ist eine Produktion der Dor Film für den ORF. Alexander Pschill spielt den Vater dreier Kinder, deren Mütter nichts voneinander wissen. Hilfe kommt von einem Freund (Simon Schwarz), dem er im Gegenzug beibringt, wie man „richtig lebt“. Es spielen u. a. Angelika Niedetzky, Maddalena Hirschal, Stefanie Dvorak, Marianne Mendt und Christoph Grissemann, Regie führt Michi Riebl („Schnell ermittelt“). Gedreht wird u. a. in Schönbrunn, auf dem Eislaufplatz Engelmann und im Krankenhaus Hietzing.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2011)

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