Kirsten Dunst: "Kein Porno mit Lars von Trier"

Mit Popcornkino à la "Spider Man" wurde sie berühmt, nun ist Kirsten Dunst in "Melancholia" in ihrer bislang schwierigsten Rolle zu sehen. Im Interview spricht sie über ihre Arbeit mit Lars von Trier.

Kirsten Dunst Kein Porno
Kirsten Dunst Kein Porno
Dunst – (c) AP (Joel Ryan)

So gut war Kirsten Dunst noch nie wie als depressive Braut in „Melancholia“ – das Drama feiert morgen, Montag, im Rahmen der Viennale seine Österreichpremiere. Doch ihr Triumph in Cannes, wo sie eine Goldene Palme als beste Darstellerin gewann, wurde vom Skandal ihres Regisseurs Lars von Trier überschattet: Der Däne hatte sich in Sätze wie „Ich habe Verständnis für Hitler“ und „Ich bin ein Nazi“ verstiegen. Daraufhin wurde er von der Festivalleitung zur Persona non grata erklärt. Dunst (29) war die Einzige, die damals versuchte, den Regisseur von seinem Verbalvandalismus abzuhalten. Nicht nur in dieser Situation forderte Lars von Trier von der Amerikanerin viel Mut.

Die Aufregung um Lars von Trier war riesig. In Cannes waren Sie damals die Einzige, die geistesgegenwärtig reagierte.

Kirsten Dunst: Nun, ich kenne Lars von Trier ja sehr, sehr gut. Aber man kann über solche Themen einfach keine Witze reißen. Es war Lars dann auch selber peinlich, aber er hat sich selbst da immer tiefer eingegraben, bis er da gar nicht mehr heraus kam.

 

Er versuchte noch, im Nachhinein das Ganze als Performance zu deklarieren...

Ich will ihn nicht verteidigen. Aber niemand ist in dem Moment aufgestanden oder hat den Saal verlassen. Trotzdem ist klar: Mit solchen Äußerungen kommt niemand einfach so davon. Das war sehr dumm von ihm.

 

Wie ist er am Set mit Ihnen umgegangen?

Sehr sanft und sehr sensibel. Er hat ein sehr feines Gespür für die Stimmung, die man als Schauspieler erzeugen will. Bei ihm am Set wird nicht mal laut „Action!“ oder „Cut!“ gerufen. Es hat nie ein lautes Wort gegeben. Ich würde sonst auch dichtmachen, vor allem bei solch schwierigen Szenen, wo ich die Gefühle so offen zeigen sollen.

 

In Cannes kompromittierte Sie Lars von Trier auch damit, dass Sie mit ihm demnächst einen Porno drehen würden.

Ja, manchmal kann er auch ein richtiger Arsch sein. Immer, wenn er richtig peinlich war, hat er sich danach am Set entschuldigt. Lars ist einfach so.

 

Glauben Sie, dass Hollywood-Stars nun nicht mehr mit ihm arbeiten?

Das wird nicht passieren! Ich würde auf jeden Fall wieder mit ihm arbeiten. Außer für einen Porno! (lacht)

Lars von Trier hat unter Depressionen gelitten. Kaum jemand wusste, dass auch Sie depressiv waren. Konnten Sie nachvollziehen, was er über Depressionen zu sagen hatte?

Was mich stark beeindruckt hat, ist, dass Lars, nachdem er so etwas durchgemacht hat, daraus so unglaubliche Filme machen kann! Aus Depressionen ist schon große Kunst entstanden. Ich war stolz, hier dabei zu sein, denn einen Film über Depressionen zu machen, ist fürchterlich schwierig! Zumal Depressive oft wenig Aktion zeigen – wie soll man das in Bilder übersetzen? Man kann ja schlecht zeigen, wie jemand nur rumsitzt und leidet.

 

War es schmerzhaft, eine Frau darzustellen, die so stark zwischen Euphorie und Melancholie taumelt?

Es hatte eher etwas Kathartisches. Bei Lars darf man sehr verletzbar sein. Das war schon anstrengend, man ist danach erschöpft, aber es ging mir nie so nah, dass es mir wehgetan hätte.

 

War es Ihre bisher anstrengendste Rolle?

Ja, ganz klar! Auch wenn das Team in Schweden eine sehr schöne Zeit zusammen verbracht hat. Das war wie ein Schauspielerlager! Kiefer Sutherland hat manchmal Tacos für mich gemacht. Schön war auch, dass ich am ersten Drehtag gleich Alexander Skarsgard innigst küssen musste.

Wie halten Sie die Balance zwischen Kunstfilmen wie „Melancholia“ und großen Popcorn-Produktionen wie „Spiderman“? Steht dahinter ein Plan?

Nein. Mir gefallen alle möglichen Genres und ich habe das Glück, wählen zu können. Das hängt immer davon ab, worauf ich Lust habe. Nach diesem Film möchte ich mich im Kino auch mal wieder richtig lachen sehen. Ich kann nicht ständig so düstere Filme machen.

 

Würden Sie gern selbst Regie führen?

Ja, unbedingt! Ich habe schon zwei Kurzfilme gemacht, einer lief letztes Jahr in Cannes. Das „Glamour Magazine“ unterstützt Schauspielerinnen, die zum ersten Mal Regie führen, und ich wurde in dem Jahr gefördert. Aber ich hatte während des ganzen Drehs Panik. Das war eine gute Übung für mich, bevor es mal richtig ernst wird!

1982
wurde Kirsten Dunst in Point Pleasant, New Jersey, geboren. Ihr Vater Klaus Dunst ist ein seit Jahrzehnten in den USA lebender gebürtiger Deutscher, ihre Mutter Inez ist Schwedin. Dunst wuchs in Los Angeles auf.

1992
spielte sie als 12-Jährige an der Seite von Tom Cruise und Brad Pitt in „Interview mit einem Vampir“. Den endgültigen Durchbruch in Hollywood schaffte sie 2002 mit der Rolle der Mary Jane Watson in Sam Raimis Comicverfilmung „Spider-Man“ an der Seite von Tobey Maguire.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2011)

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