„22 Jump Street“: Dick und Doof sind Cops

In „22 Jump Street“ sind Schmidt und Jenko wieder undercover auf der Uni unterwegs – das Ergebnis ist eine hinreißende, doppelbödige Cop-Komödie.

 Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) machen den Campus unsicher.
 Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) machen den Campus unsicher.
Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) machen den Campus unsicher. – (c) Sony Pictures

Wenn man Polizisten dabei beobachtet, wie sie im Dienstwagen inbrünstig einen gar nicht einmal so guten Schlager von einer gar nicht einmal so guten Sängerin namens Helene Fischer singen, dann weiß man plötzlich wieder, wieso die Cop-Komödie als Genre einfach nicht aufhört, lässig zu sein. Über die Exekutive zu lachen, das war Anfang des 20. Jahrhunderts, als die „Keystone Cops“ die Stummfilmlandschaft rockten, psychohygienisch ebenso wirkungsvoll wie in den Achtzigern: Damals trieb das Genre seine bemerkenswertesten und erfolgreichsten Blüten unter Federführung der „Police Academy“ und Leslie Nielsens Dada-Lieutenant Frank Drebin in „Die nackte Kanone“.

Als eine Reinkarnation dieser wahnsinnig blöden, aber moralisch integren Beamten rennen dieser Tage wieder Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) durch die heimischen Kinos. Sie sollen in einem Undercover-Einsatz herausfinden, wie genau die neue Designerdroge Why Phy (ein Akronym von „Work hard yes, Play hard yes“) an eine renommierte US-Uni gelangen konnte.

Das Regieduo Phil Lord und Christopher Miller, auch verantwortlich für den diesjährigen Animationsfilmhit „The Lego Movie“, macht sich einen großen Spaß aus der Tatsache, dass „22 Jump Street“ in Essenz dieselbe Geschichte erzählt wie der erste Film. Nicht nur weist sie ihr Vorgesetzter, der immerfort grantige Dixon (ein groß aufspielender Ice Cube), gerne darauf hin, dass sie für ihre aktuelle Mission mehr Budget zugewiesen bekommen haben als für die letzte (das Budget des Films ist von 40 auf 60 Millionen Dollar angeschwollen); im Abspann erhält man dann auch noch einen Ausblick darauf, wie formbar und potenziell unendlich verwertbar diese Cop-Komödien-Blaupause ist, wenn insgesamt zwanzig Faux-Fortsetzungen mit Postern und kurzen Ausschnitten angekündigt werden: Was wäre zum Beispiel mit „2121 Jump Street“ im Weltraum oder mit „31 Jump Street: Ninja Academy“?

Tatsächlich wäre es wünschenswert, dass die Koppelung von Jonah Hill und Channing Tatum noch öfters auf die Leinwand kommt. Sie updaten eine komödiantische Figurenkonstellation, die von Stan Laurel und Oliver Hardy zur Legende gemacht wurde: Dick und Doof. Während der muskulöse Kerl Jenko – im Film wird er häufig mit „Dude“ angesprochen – auf dem Campus schnell Anschluss findet, muss der mollige Schmidt erneut das Trauma seiner Jugend durchleben: von den anderen ausgegrenzt und verlacht zu werden. Ihr unterschiedlicher Rang in der Hackordnung der Universität treibt dann auch einen Keil zwischen die beiden jungen Männer. Die daraus folgenden Reibereien nutzen die Regisseure, um in ihren Film noch eine weitere Ebene einzuziehen: Wenn Jenko dann mit seinem neuen besten Freund, dem blonden Football-Spieler Zook (Wyatt Russell, Sohn von Kurt Russell), die schönste Zeit seines Lebens verbringt, während Schmidt zunehmend darunter leidet, dass sein Partner jemand anderen gefunden hat, dann wird „22 Jump Street“ zur intelligent kodierten, homosexuellen Beziehungskomödie.

Was fehlt: Die Gesangseinlage

Lord & Miller haben bereits mit ihrem kapitalismuskritisch gestimmten „Lego Movie“ bewiesen, dass sie Meister sind im Konstruieren von Trojanischen Pferden: Im Gewand von populären Genre-Aufbauten schmuggeln sie nicht mehrheitsfähige Inhalte in die Multiplex-Kinos. Aber ganz egal, wie homoerotisch die Beziehung zwischen Jenko und Schmidt vom Publikum aufgefasst wird, ihre Schmähs sitzen ohnehin. Das gilt im Übrigen auch für die Nebenfiguren: Jillian Bells Überstreberin Mercedes heimst die meisten Lacher ein, aber Peter Stormare als hundsgemeiner Gauner und der immer wunderbare Nick Offerman als Deputy Chief Hardy manövrieren sich ebenfalls souverän durch das Slapstick- und Schenkelklopfer-Inferno.

Nur eine Gesangseinlage, wie jene, die sich die zwei Wiener Polizisten in ihrem Dienstwagen geliefert haben und die sich dann zum Sozialmedien-Phänomen gemausert hat, gibt es in „22 Jump Street“ nicht. Aber wer weiß, vielleicht wird irgendwann ja wirklich eine der Faux-Fortsetzungen aus dem Abspann realisiert. Wie wär's mit „40 Jump Street: The Retirement Home“? Und Helene Fischer schreibt die Filmmusik dazu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2014)

Kommentar zu Artikel:

„22 Jump Street“: Dick und Doof sind Cops

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen