Russische Kunst

Russische Kunst und Ikonen der Malerei im Kunsthistorischen Museum: Kurator Boris Manner gestaltet die Ausstellung "in situ" mit Werken von Elena Elagina & Igor Makarevich.

Ein paar Kisten und Vitrinen, sonst herrschte vergangenen Donnerstag noch gähnende Leere im Saal19 der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums (KHM). Morgen, Montag, wird dort die Ausstellung „in situ“ mit 50 Arbeiten des russischen Künstlerpaares Elena Elagina und Igor Makarevich eröffnet. Nein, er sitze nicht auf Nadeln, lächelt der in Kärnten geborene Kurator Boris Manner (47), es sei alles bestens vorbereitet. Die Werke der beiden Russen werden kombiniert mit Kostbarkeiten des KHM. Da gibt es z.B. einen zweistöckigen Fliegenpilz von Makarevich. Es handelt sich um den Babylonischen Turm. Wie kommt man auf die obere Plattform? Der Fliegenpilz verursacht dem Alkoholrausch ähnliche Erscheinungen, die bis zu Halluzinationen führen können.

Wer Makarevichs Turm erklettert, tut dies in der Imagination. Pieter Bruegels „Turmbau zu Babel“ aus dem KHM wird dazugehängt. Er war für Makarevich als Kind prägend. Jedes Bild hat seine Geschichte, will entziffert werden, so Manner. Da gibt es z.B. diese Biologin, die unter Stalin behauptet hat, sie könne das Leben verlängern. Sie wurde von Elagina verewigt. Die Story erinnert an Alchimie, aber auch an heutige Visionen der Wissenschaft, die zum Teil sogar wahr geworden sind, weil die Menschen ja tatsächlich immer älter werden.

Zwei freundliche Senioren lächeln von Fotos: Elagina ist 60, Makarevich 66. Sie haben schwere Zeiten erlebt. Dem Stalin-Terror, dem auch viele Künstler zum Opfer fielen, folgte lauernde Bedrohung. Man sprach in den Fünfziger- und Sechzigerjahren bewusst nicht über Politik, sammelte sich in kleinen Zirkeln, hoffte auf Gleichgesinnte. Elagina & Makarevich sind immer in Moskau geblieben. Dadurch haben sie nie die Bodenhaftung zu den russischen Problemen verloren. Heute sind sie berühmt, bekommen 20.000 bis 40.000 Euro für ihre Kreationen. Die Preise will Manner nicht bestätigen. Er erzählt lieber von der vielschichtigen Bedeutung, der wie in Wunderkammern versammelten Werke. Da ist z. B. diese Hütte mit dem schwarzen Quadrat. Sie schützt das berühmte Werk des verfemten Malewitsch. „Der Kurator kümmert sich, er ist der Mittler zwischen Künstler und Öffentlichkeit“, sagt Manner. MiB

barbara.petsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.05.2009)

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