Im Werden

»Lasst Kreisky und sein Team arbeiten« steht auf Plakaten in Wien. Dahinter steckt eine Musikshow rund um die 70er aus der Feder von Fritz Schindlecker und Albert Schmidleitner.

Den Künstlern
über die Schulter geschaut

Wieso hängen die Sozis in Wien Wahlplakate aus den 1970ern auf? Das fragten sich heuer im Sommer viele Menschen – auch gegnerische Parteien der SPÖ –, als Wien mit roten Plakaten übersät war, auf denen in weißer Schrift der Textzug prangte: „Lasst Kreisky und sein Team arbeiten“. Ja, die erste Plakatwelle der Teaseraktion für das neue Programm im Palais Nowak (Kabarettzelt beim Gasometer) zeigte wirklich das Wahlplakat der SPÖ aus dem Jahre 1971. Die Sozialistische Partei von damals errang nach dieser Aktion jedenfalls die absolute Mehrheit.

Im Jahr 2010 folgte auf die alten Wahlplakate bald ein Aha-Erlebnis: Die zweite Plakatserie der neuen Show ist immer noch vom Slogan „Lasst Kreisky und sein Team arbeiten“ dominiert, aber das 70er-Jahre-Design und die Köpfe, die neben Kreisky abgebildet sind, geben preis, dass es sich hierbei nicht um eine Kreisky-Huldigung handelt. „Der Inhalt des Stücks ist zwar stark verbunden mit Kreisky“, sagt Fritz Schindlecker, Autor der Bühnenshow, die am 15. Oktober starten wird. „Aber wir wollten kein biografisches Werk abliefern.“

Gemeinsam mit dem Simpl-Chef Albert Schmidleitner hatte Schindlecker schon lange die Idee im Kopf, eine große Entertainment-Revue rund um die 1970er-Jahre zu machen. Heuer haben sich die beiden, die viele Simpl-Nummern gemeinsam schreiben, zusammengesetzt und intensiv „die Zeitreise in die Roaring Siebziger“ erarbeitet. Darin wird das Österreich der 70er von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachtet: „Als emotionale Parameter wollten wir die Zukunftsorientiertheit und Aufbruchsstimmung drin haben, die uns heute etwas abhanden gekommen ist.“


Africola und Keli. Nicht nur die damalige Regierung wird Teil der Bühnenshow sein, sondern auch Themen wie die Geburtsstunde der NGOs in Österreich (durch die Anti-Atomkraftwerk-Bewegung) oder die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Liebe bis hin zu „dem Wahnsinn mit den Schranz-Feierlichkeiten auf dem Heldenplatz“. Alles nicht zu sarkastisch oder zynisch, sondern „eine lustige Geschichte mit einem ernsten Hintergrund, durch die man den jetzigen herrschenden Bedingungen einen leichten Zerrspiegel vorhalten kann“, so Schindlecker, der als Autor viel für den ORF (z. B. „Lottosieger“) und für die Bühne (z. B. „4 nach 40“) arbeitet.

Das Flair der 70er-Jahre soll den Besucher sofort bei Betreten des großen Kabarettzelts ergreifen: Es gibt Africola und Keli zu trinken, linke Flugblätter und Pickerl für den autofreien Tag werden verteilt usw. Eigentlich sollte man beim Eingang Euro in Schilling (die nur im Zelt gelten) wechseln lassen: „Aber die kriegt man nicht fälschungssicher hin.“


Abba bis Zappa. Im Zelt wird es den Sound der 70er zu hören geben. Die Show ist keine typische Simpl-Revue, sondern eine Musikshow: „Von Peter Alexander bis Heavy Metal, von Abba bis Frank Zappa, von Glamourrock bis Austropop wollen wir das ganze Musikspektrum abdecken.“ Manches im Originaltext, vieles aber mit humoristischen Texten, die Bezug auf das Österreich der 70er nehmen. In „Highway to Hell“ geht es um den Ausbau der Südautobahn, aus „YMCA“ wird „Komm zum CV“. „Bei der Recherche sind wir erst draufgekommen, was damals alles im Mainstream und als Unterhaltungsmusik möglich war“, sagt Schindlecker.

Von der Wickie-Slime-und-Paiper-Nostalgie soll sich „Lasst Kreisky und sein Team arbeiten“ jedoch abheben: „So eine eindimensionale Verherrlichung wollen wir nicht liefern“, so Schindlecker, „sondern über die Narreteien der 70er auch lachen können.“ Clemens Fabry

veronika.schmidt@diepresse.com diepresse.com/imwerden

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2010)

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