Badura-Skodas Schubert-Pfad

Der Doyen der österreichischen Pianisten spielt sozusagen"aus Erfahrung", was wiederum für die Hörer eine Erfahrung bedeutet.

(c) APA (ROBERT NEWALD)

Schubert geht direkt in das Herz.“ Also sprach Pianistenlegende Paul Badura-Skoda vor dem Beginn seines Konzerts, indem er sich direkt an das Publikum wandte. Anschließend bewies er mit musikantischen Mitteln, dass er die Wahrheit gesagt hatte. 66 Jahren ist es her, dass der Künstler sein erstes Konzert für die Gesellschaft der Musikfreunde gegeben hat. Vergangenen Freitag, zwei Tage vor seinem 86.Geburtstag, lud er zu einem Schubert-Abend in den Brahmssaal.

Kenner erinnerten sich in diesem Moment an die aktuelle Schubert-Aufnahme des Pianisten: Da spielt er unter anderem auf einem Conrad-Graf-Fortepiano aus dem Jahr 1823. Badura-Skoda gilt nicht von ungefähr als einer der Pioniere der historischen Aufführungspraxis.

 

Keine Akrobatik, pure Musik

Auf der Bühne des Brahmssaals stand allerdings standesgemäß wieder ein Bösendorfer Imperial. Schließlich ist der Wiener Pianist auch Träger des Bösendorferrings. Eine Ehre, die davor nur Wilhelm Backhaus zuteilwurde. Dass Badura-Skoda trotz seines stolzen Alters nichts von seiner Geläufigkeit eingebüßt hatte, bewies er gleich mit den bekannten Vier Impromptus für Klavier, D 899.

Freilich spielen manche seiner jüngeren Kollegen die Läufe virtuoser, doch Badura Skoda zeigte, dass die Zurschaustellung der Technik bei Schubert nicht im Vordergrund stehen sollte. Vielmehr hauchen seine nuancenreiche Dynamik und klangliche Vielfalt der Musik erst richtig Leben ein. Kaum zu glauben, dass auch bei seinem Instrument einfach nur Hämmer auf Seiten schlagen, so filigran setzt Badura-Skoda dynamische und klangliche Unterschiede.

Nach den drei Klavierstücken D 946, die auch der Gattung Impromptus zuzurechnen sind, hat der Pianist 13 kurze Tänze zu einem durchgehenden Klavierstück verbunden. Zum Höhepunkt des Soloabends wurde aber die Interpretation der B-Dur Sonate, D 960. Neben der klanglichen Qualität faszinierte, wie akribisch der Künstler mit Tempomodifikationen Akzente setzte. Kein Ritardando wirkte fehl am Platz, besonders das Andante sostenuto geriet herausragend – und zum Demonstrationsobjekt für Badura-Skodas Interpretenpersönlichkeit: Andere mögen energischere Bühnenpräsenz zeigen – bei ihm steht die Musik im Vordergrund. (stp)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2013)

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