Mikhail Pletnev wieder am Piano

„Wörthersee Classics“ präsentierte den Künstler in zweierlei Rollen.

THAILAND RUSSIA CRIME PLETNEV
THAILAND RUSSIA CRIME PLETNEV
(c) EPA (RUNGROJ YONGRIT)

Wiederbegegnung mit Mikhail Pletnev im Konzerthaus Klagenfurt: „Wörthersee Classics“-Chef Alexei Kornienko holte den ehemaligen Studienkollegen ans Klavier zurück. Seit Jahren war Pletnev fast ausschließlich als Dirigent zu erleben, wiewohl ihn sein Sieg beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau über Nacht als Pianisten weltbekannt gemacht hat. Nach der Gründung seines Russischen Nationalorchesters, Anfang der 1990er-Jahre, hat sich Pletnev jedoch vor allem auf die Arbeit mit Orchestern verlegt.

In Klagenfurt präsentierte er sich in einem Konzert der Zagreber Philharmonie unter Kornienkos Leitung in zweifacher Eigenschaft: Zunächst erklang seine Bearbeitung von Brahms' „Händel-Variationen“ für großes Orchester. Das hochkomplexe Klavierwerk leuchtet Pletnevs Arrangement raffiniert aus: Die kontrapunktische Stimmführung, die auch bei virtuosen Pianisten oft unterzugehen droht, brachten die Musiker aus Agram mit dunkler Leuchtkraft zur Geltung.

Als Hauptwerk firmierte dann Mozarts c-Moll-Klavierkonzert, das Pletnev (am Kawai-Flügel) glasklar zum Klingen brachte: Den düsteren dramatischen Partien setzte er mit zarter Klanglichkeit lyrische Widerparts entgegen. Faszinierend die kurze, selbst komponierte Kadenz im ersten Satz, die Mozarts Überraschungseffekte noch einmal reflektiert, indem der Wiedereinsatz des Orchesters quasi durch die Hintertür inszeniert wird.

Schuberts Ges-Dur-Impromptu dann behutsam hingetupft und schwebend ausbalanciert als Zugabe: Jubel.

Das Festival endet heute, Samstag, mit einer Aufführung von Schuberts „Winterreise“ durch ThomasE.Bauer und Siegried Mauser (www.woertherseeclassics.com). (sin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2015)

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