Meister des unorthodoxen Jazz: Alaeddin Adlernest ist tot

Hauptberuflich an der Grazer Oper, war Horst Brückl vulgo Alaeddin Adlernest einer der Pioniere des Freejazz in Österrreich. Nun ist er 77-jährig gestorben.

Sie hatten ihn Horst Brückl genannt, doch so wollte er nicht mehr heißen, das klang ihm, geboren noch in der unseligen NS-Zeit, zu teutonisch. So machte er aus Horst den Nachnamen Adlernest und wählte sich dazu einen neuen Vornamen: Alaeddin. Das Orientalische lag damals in der Luft, in den frühen Sechzigerjahren, als auch in Österreich etliche (Jazz-)Musiker in Richtung freie Improvisation aufbrachen. Fagottist Horst Brückl, hauptberuflich im Philharmonischen Orchester an der Grazer Oper, war dabei: Er war 1964 unter den Gründern des Ensembles Masters of Unorthodox Jazz, 1976 trat er dem zweiten wichtigen Kollektiv des österreichischen Freejazz bei, der bis heute von Fritz Novotny geleiteten Reform Art Unit, die seit einigen Jahren wieder sehr aktiv ist.

Bei ihren Auftritten sah man am Fagott einen älteren Herrn mit jungem Blick und wirrem Haar, der auch sonst ein wenig wirkte wie Albert Einstein. Und man hörte einen Musiker voll Geist und Witz, der in sein spontanes Schaffen eindrucksvoll versinken konnte. Am Freitag um fünf Uhr früh ist Horst Brückl vulgo Alaeddin Adlernest 77-jährig im Spital zum göttlichen Heiland in Wien gestorben. Seinem Andenken widmet die Reform Art Unit ihr nächstes Konzert: am 7. 11., 19 Uhr, in der Burn-In-Galerie, Argentinierstraße 53.

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