Beat Furrer erhält den Ernst von Siemens Musikpreis 2018

Beat Furrer, österreichischer Komponist Schweizer Herkunft, leistet einen wichtigen Beitrag zum Kanon Neuer Musik. Der hochdekorierte Gründer des Klangforum Wien erkundet unbekanntes Terrain.

Beat Furrer zählt seit langem zu den wichtigsten Beiträgern eines Kanons Neuer Musik
Beat Furrer zählt seit langem zu den wichtigsten Beiträgern eines Kanons Neuer Musik
Beat Furrer zählt seit langem zu den wichtigsten Beiträgern eines Kanons Neuer Musik – EVS MUSIKSTIFTUNG/MANU THEOBALD (MANU THEOBALD)

Beat Furrer, österreichischer Komponist Schweizer Herkunft, erhält den Ernst von Siemens Musikpreis 2018. Die renommierte Auszeichnung "für ein Leben im Dienste der Musik" ist mit 250.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 3. Mai im Münchner Prinzregententheater statt. Insgesamt vergibt die Ernst von Siemens Musikstiftung über 3,5 Millionen Euro an Preis- und Fördergeldern.

"Beat Furrer gestaltet seit vielen Jahren die musikalische Gegenwart auf die eindrücklichste Art und Weise", heißt es in der Begründung. "Sein Einfluss auf jüngere Generationen von Komponisten und Interpreten ist enorm." Das Kuratorium zeichne den "im klassischen Sinne umfassend gebildeten" Komponisten für ein Lebenswerk aus, "das sich über alle musikalischen Gattungen erstreckt und von geradezu suggestiver Kraft ist. Seiner eigenen Klangsprache stets unverkennbar treu bleibend, reproduziert Furrer niemals Erprobtes, sondern führt musikalische Ideen mit jedem neuen Werk einen Schritt weiter und erkundet unbekanntes ästhetisches Terrain."

Gründer des Klangforum Wien

Beat Furrer leistet einen wichtigen Beitrag zum Kanon Neuer Musik. Auch weil er 1985 gemeinsam mit Viktor Liberda das Klangforum Wien gründete, dem er bis heute verbunden ist. Vor allem aber, weil Furrer mit seinen anspruchsvollen Übersetzungsprozessen von Sprache in Musik, von Bedeutung in Klang, von Innehalten und Stillemomenten in dramatische Wendepunkte, ein Oeuvre geschaffen hat, das "sich über alle musikalischen Gattungen erstreckt und von geradezu suggestiver Kraft ist", wie es in der Jurybegründung zum Siemens-Preis heißt.

Geboren wurde Beat Furrer am 6. Dezember 1954 im Schweizer Schaffhausen. Nach der Übersiedlung nach Wien im Jahr 1975 studierte er an der Musikhochschule bei Roman Haubenstock-Ramati Komposition und absolvierte daneben Dirigierkurse bei Otmar Suitner. Das Klangforum gründete er nicht zuletzt als Reaktion auf unbefriedigende Aufführungsbedingungen und führte das Ensemble in seiner Zeit als künstlerischer Leiter und Dirigent bis 1992 zu Weltruhm.

Der war auch seinen Kompositionen bald sicher. Im Auftrag der Wiener Staatsoper schrieb er seine erste Oper "Die Blinden", seine zweite, "Narcissus", wurde 1994 beim steirischen herbst an der Oper Graz uraufgeführt, 2001 "Begehren", ebenfalls in Graz, 2003 die Oper "invocation" in Zürich und 2005 das vielfach ausgezeichnete und gespielte Hörtheater FAMA in Donaueschingen, für das er 2006 unter anderem mit dem Goldenen Löwen bei der Biennale Venedig ausgezeichnet wurde. "Wüstenbuch" kam 2010 am Theater Basel heraus, "La Bianca Notte (Die helle Nacht)" 2015 in Hamburg. 2014 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis und seit dem Vorjahr ist er Mitglied im österreichischen Kunstsenat. Bei den Salzburger Festspielen wird ihm im kommenden Sommer ein Schwerpunkt gewidmet sein.

Arbeit mit dem Nachwuchs

Neben dem Dirigieren und Komponieren tritt Furrer aber auch als Pianist und vor allem als Professor in Erscheinung. Seit 1991 lehrt er Komposition an der Kunstuniversität Graz, von 2006 bis 2009 hatte er eine Gastprofessur in Frankfurt am Main inne. Die Arbeit mit dem Nachwuchs, als Komponisten und Interpreten, mache ihm große Freude, sagt er. Jetzt, wo er das Dirigieren etwas zurückgeschraubt hat, sind es vor allem die jungen Ensembles für die er sich doch noch auf beschwerliche Reisen macht. Am liebsten hält sich Furrer, der eigentlich in Kritzendorf bei Klosterneuburg wohnt, mittlerweile im Gesäuse auf. "Dort ist es so still", sagt er. Und ein bisschen etwas von dieser Stille bringt er mit, in seinen Werken. So ein Preis für ein "Lebenswerk" klinge irgendwie abschließend, gibt er zu. "Aber ich habe natürlich immer das Gefühl, dass ich jetzt gerade erst beginne."

Der Ernst von Siemens Musikpreis wird seit 1973 von der privaten Ernst von Siemens Musikstiftung vergeben. Insgesamt stellt die Stiftung 2018 rund 3,5 Millionen Euro an Preis- und Fördergeldern zur Verfügung. Gefördert werden 2018 weltweit rund 120 Projekte im zeitgenössischen Musikbereich. Der größte Anteil der Förderung entfällt auf Kompositionsaufträge, aber auch Festivals, Konzerte, Kinder- und Jugendprojekte, Akademien sowie Publikationen werden bedacht. 250.000 Euro entfallen auf die Dotierung des Hauptpreises und je 35.000 Euro sowie die Produktion einer Porträt-CD erhalten die Komponisten-Förderpreisträger.

 

(APA)

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