Romantik mit einer Grande Dame des Liedgesangs

Kritik Im Musikverein glänzte die Mezzosopranistin Bernarda Fink.

Wiener Musikverein
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Wiener Musikverein – (c) Clemens Fabry

Nach einer großen Karriere kam die slowenisch-argentinische Mezzosopranistin Bernarda Fink nochmals in den Brahmssaal, mit einem ausgeklügelten Monsterprogramm zum Thema Hochromantik, Spätromantik und ihre Ausläufer. Da spielt die natürliche Reduktion der stimmlichen Mittel wahrlich keine Rolle mehr, wenn eine gestaltende Interpretin derart mit Herz und Seele dabei ist. Das edle Timbre wirkt in den angenehmeren Lagen und Registerwechseln, Fink hat es nicht notwendig, auf die Stimme zu drücken oder sich anzubiedern, sie wirkt durch Stilbeherrschung, Geschmack, makellose Artikulation, Textverständlichkeit, unmerkliche technische Souveränität.

Höhepunkt: Brahms' kostbare „Bratschen-Lieder“, in denen jede der drei Stimmen mehr ist als ein Teil des Ganzen. Der raffinierte Brahms dachte auch in der kammermusikalischen Form großspurig-symphonisch, erreichte ein Wechselspiel von Individualitäten, wie sie – trotz der Lobeshymnen Schönbergs für Brahms – später auf Wiener Boden nur Webern oder Ligeti gelangen. Pianist Anthony Spiri und Bratschist Nils Mönkemeyer hielten mit Finks Intensität eindrucksvoll mit. Unnötig: „Durch Einsamkeiten“ des ewiggestrigen Joseph Marx. Ansonsten ein Rahmenprogramm in tonalitätsgesichertem Schwelgen und Träumen, wo Spiri die begleitenden Atmosphären wunderbar beherrschte: ein Schumann-Block, Dvořák im Volkston, slowenische Reminiszenzen und die frechen „Zigeunerlieder“-Miniaturen von Brahms. Danach die Innigkeit in dessen „Wiegenlied“ ohne Kitsch zu treffen, zählt wohl zum Schwersten. Begeisterte Zustimmung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2018)

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