Spiel mit Albtraum und Traum im „Nussknacker“

Kritik Tschaikowskis Weihnachtsklassiker, getanzt in der legendären Nurejew-Fassung, gelingt trotz mancher Patzer.

Der „Nussknacker“ in der legendären Nurejew-Fassung.
Der „Nussknacker“ in der legendären Nurejew-Fassung.
Der „Nussknacker“ in der legendären Nurejew-Fassung. – (c) Wiener Staatsoper GmbH/ Michael Pöhn

Eine wunderschöne, hausfüllende Tradition wird an der Wiener Staatsoper auch heuer mit der Programmierung des Balletts „Der Nussknacker“ rund um die Weihnachtszeit hochgehalten. 2012 hat Manuel Legris die legendäre Nurejewsche Fassung nach Wien geholt, die jene teils zu moderne seines Vorgängers Gyula Harangozó ersetzt.

In diesem bilderreichen „Nussknacker“, der mehr als andere mit Traum und Albtraum spielt, geht es oft herzerwärmend, teils aber auch unheimlich zu. Da erfreuen sich zwar zahlreiche Kinder auf der Bühne – gut studiert und selbstredend herzig die Eleven der Ballettakademie – übermütig an den Geschenken unter dem Baum und schwingen als Soldaten ihre Säbel, da trippeln Schneeflocken glitzernd durch Claras Träume und verströmen zum glockenhellen Gesang der Opernschulen-Mitglieder eine zauberhafte Atmosphäre. Gleichzeitig lassen die geflügelten Riesenköpfe im zweiten Akt für manch kleinen Besucher Fragen offen. Andere Szenen wiederum wollen allzu kindgerecht und naturalistisch sein. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Ratten außer Scharren und Kriechen nicht viel zeigen dürfen?

In der Nachmittagsvorstellung am Christtag gab Davide Dato sein Rollendebüt als Prinz und Drosselmeyer in Personalunion. Mit seiner Clara Kiyoka Hashimoto könnte er weit besser harmonieren, zwei Hebungen misslingen gar. Überhaupt bleibt im Pas de deux des zweiten Akts viel Luft nach oben, was das Zusammenspiel der beiden und ihre Standfestigkeit betrifft. Solistisch kann Dato aber beeindrucken, seine gedrehten Grand-Jetés sorgen für Zwischenapplaus, seine Sprünge sind höchst präzise gesetzt. Kiyoka Hashimoto lässt ihrerseits im ersten Akt noch jene Geschmeidigkeit vermissen, die sie im zweiten nach vorne kehrt. Auch wenn man schon berührendere Claras mit mehr Leuchten in den Augen gesehen hat, kann sie technisch oft punkten.

Im zweiten Akt stechen Anita Manolova und Scott McKenzie mit einem temperamentvollen Spanischen Tanz ebenso hervor wie die elastisch-geschmeidige Eszter Ledán bei ihrem Debüt im Arabischen Tanz. Während der Russische Tanz zum Klamauk verkommt und Ungenauigkeiten aufzeigt, bringt der amüsante Chinesische Tanz ein breites Lächeln auf die Gesichter – nicht nur auf jene der Kinder.

Das Ensemble war nicht in bester Form

Kevin Rhodes Dirigat nimmt sich in den Bewegungen zwar kantig aus, die Umsetzung jener Tschaikowski-Musik, die eine Sonderstellung in der Balletthistorie einnimmt, lässt derart aber nicht erahnen. Dass Rhodes als erfahrener Ballett-Dirigent seine Interpretation den Bedürfnissen der Tänzer anpasst, wird besonders im „Blumenwalzer“ evident, den er betont langsam dirigiert. Dass die Tänzer aufgrund von Nurejews flotten Kombinationen in diesem dennoch gehetzt wirken und man das Ensemble schon in besserer Form gesehen hat, tut dem Gesamtbild der Vorstellung keinen Abbruch.

In der Reprise am Donnerstag tanzt Natascha Mair Clara, ihr Partner ist Robert Gabdullin. Für alle, die keine Karten mehr ergattern konnten – alle Vorstellungen der Spielserie sind ausverkauft –, bleibt als Alternative der Livestream (ab 19 Uhr).
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2018)

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