Bach als großes katholisches Welttheater

Kritik Jubel für die „Matthäus-Passion“ mit dem mitfiebernden Evangelisten Daniel Johannsen im Musikverein.

Konzert der Wiener Akademie unter der Leitung von Martin Haselböck als Dirigent (Archivbild).
Konzert der Wiener Akademie unter der Leitung von Martin Haselböck als Dirigent (Archivbild).
Konzert der Wiener Akademie unter der Leitung von Martin Haselböck als Dirigent (Archivbild). – (c) imago/Rudolf Gigler

Zu viel Bach kann man gar nicht spielen oder hören. Zwei Tage nach der Aufführung im Konzerthaus unter Václav Luks gab es nun die „Matthäus-Passion“ im Musikverein mit Martin Haselböck. Äußerlich wahrten beide Interpretationen dieselben Grenzen, mischten Annäherung an die historischen Gegebenheiten und moderne Hörererwartungen (immerhin hatte Bach für die hohen Stimmen nur Knaben zur Verfügung, weder Frauen noch Countertenöre) im Detail unterschiedlich, insgesamt aber sehr ähnlich; hier wie dort waltete der unerlässliche Zug ins Spirituelle. Und doch schienen sich die Abende fundamental zu unterscheiden – so sehr, dass man nach einer „evangelisch“ kargen, wortbezogenen von einer „katholisch“ inszenierten, theatralischen Deutung sprechen möchte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2019)

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