„Parkfair“: Kunst kaufen auf dem Parkplatz

Rund um die „Viennafair“ organisiert die Wiener Kunstszene alternative Modelle: Bei der „Parkfair“ präsentieren sich Künstler zum Beispiel in einem Parkhaus. Mit dabei sind Gelitin, Constantin Luser und Franz West.

Eva Schlegel projiziert ihre Bilder auf Rotorblätter, zu sehen auf einem Parkdeck der „Parkfair“.
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Eva Schlegel projiziert ihre Bilder auf Rotorblätter, zu sehen auf einem Parkdeck der „Parkfair“.
(c) Parkfair

Keine Galerien. Keine Agenten. Keine Kommissionen. Der neueste Messetrend holt die Kunst direkt vom Atelier auf den Markt: Künstlermessen. Begonnen hat diese Entwicklung 2002 in London mit „Urban Art“ bzw. der „Alfresco Art Fair“. Heuer stellten über 160 Künstler ihre Werke dort aus, und zwar mitten im Sommer direkt auf der Straße. Letztes Jahr folgte die „Other Art Fair“ und die „New Artist Fair“, die letzte Woche mit fröhlicher Petersburger Hängung in der Old Truman Brewery stattfand.

Und schon ziehen weitere Städte nach. Anders als die Londoner Veranstaltungen rühmt sich die „Cave Art Fair“ in Liverpool damit, dass hier nicht jeder ausstellen darf, sondern Künstlervereinigung Vorschläge einreichten und ein Gremium daraus 45 auswählte. Angedockt ist die Messe an die Liverpool Biennale, weswegen auf Standgebühren verzichtet werden kann. „100 Prozent des Gewinns bleiben bei den Künstlern“, erklärt Organisator Kevin Hunt.

„Gegen die Ästhetik der Kunstmessen“

In Indiens Hauptstadt, Delhi, will die am 27. September debütierende „United Art Fair“ einer „Monopolisierung der Ästhetik auf den Kunstmessen“ entgegenwirken, wie Gründer Annurag Sharma betont. Dort ebenso wie zur diesjährigen 5. Art Jog in Yogyakarta bewerben sich Künstler direkt. In Japan findet seit zehn Jahren im Zweijahresrhythmus die „Geisai Artfair“ statt, in Dubai begann parallel zur „Art Dubai“ letztes Jahr die „Sikka Artfair“. Und auch Wien hat seine Künstlermessen: die „Jennyfair“ gleich gegenüber dem Messegelände in einem kleinen Gassenlokal, die heuer als „Chic Boutique Café“ Kunst mit Kaffee und Kuchen anbietet, und die „Parkfair“.

Ausstellungsort der „Parkfair“ ist wieder die dritte Etage der Stadionparkgarage beim Ernst-Happel-Stadion. Es sei eine „unabhängige zeitgenössische Kunstmesse in Form einer kuratierten, themenbezogenen Ausstellung“, erklären die beiden Gründer Iv Toshain und Matthias Makowsky, die selbst Künstler sind. Die Teilnahme erfolgt durch persönliche Einladung, mit dabei sind heuer u. a. Gelitin, Constantin Luser und Franz West. Es gibt keine Standgebühren, keinen Eintritt, bei Verkauf eine Kommission an die Organisatoren – denn darüber finanziert sich dieses neue Modell.

Das Thema: Arte Noah, der Weltuntergang, „die Visionen, Ängste, Hoffnungen der Zukunft“ im Bild der Kunst. Die Werke sind lose über die leeren Parkplätze verteilt, die Atmosphäre ist reizvoll, und Werke wie Clemens Hollerers mitten im Raum hängendes Bündel von Holzlatten oder Clemens Wolfs Skulptur „27 ways“ aus 27 in der Mitte aufgeschnittenen Zäunen zeigen, wie wunderbar diffus-poetisch Bedrohung bildlich werden kann. Die Namen stehen mit Kreide auf dem Boden, Preisauskünfte kann kaum jemand geben, dafür seien ja die Galeristen zuständig, erklärt man. Nahezu jeder der Künstler wird von einer Galerie vertreten – eine Wiener Lösung also, eher eine Ausstellung zur Messezeit mit erwünschtem Kaufinteresse, eine erfrischende Ergänzung zur „Viennafair“.

Rendite kann hier keiner versprechen

In Wien sind Künstlermessen ein willkommenes Beiprogramm zur Galerienmesse. In vielen Städten, in denen immer mehr Künstler den Markt nicht über Galerien, sondern durch Auktionshäuser betreten, ist dieses Format eine Notwendigkeit. Je nach Modell ist zwar die Qualität nicht gesichert, und eine weitergehende Betreuung der Künstler findet nicht statt. Auch kann keiner Rendite versprechen. Kunstkäufer müssen eigene Kriterien ausbilden. Aber es ist ein spannendes Forum, um andere Wege, andere Ästhetiken und Positionen auszuprobieren.

Auf einen Blick

Das Rahmenprogramm der „Viennafair“ ist derart reichhaltig, dass es schwer sein wird, die Besucher auf der Messe zu halten. Neben dem Symposium „Art Industry Forum“ („Die Presse“ berichtete) finden u. a. statt: die „Parkfair“, Stadion Center, Parkdeck, Ebene 3A, Öffnungszeiten: bis 23. 9.: 14–22 Uhr, 23. 9.: 10–13 Uhr, und das „Chic Boutique Café“, unterstützt übrigens von Ex-MAK-Chef Peter Noever, Ausstellungsstr. 53, Öffnungszeiten: bis 21. 9.: 11–22 h, 22. und 23. 9.: 11–19 h.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2012)

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