Solide Preise für die abstrakte Avantgarde

Große Ausstellung in Wien, mehrere Auktionen: Werke von Hollegha, Prachensky, Mikl haben sich preislich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Wolfgang Hollegha
Wolfgang Hollegha
Wolfgang Hollegha – Michaela Bruckberger

Diese Provenienzen werden den Wiener Galeristen nicht gefallen: „Aus einer österreichischen Sammlung – direkt vom Künstler“ steht im aktuellen Dorotheum-Katalog für zeitgenössische Kunst (20. Mai, 18 Uhr) bei zwei schönen Werken von Markus Prachensky und Josef Mikl. Diese österreichische Unart beäugt der Handel mit Argusaugen – verkaufen Künstler direkt aus dem Atelier, werden vielleicht, aber nur bei weniger professionellen Künstlern, ein paar Prozent gespart. Die dann dem Galeristen fehlen, der das gesamte Marketing und meist auch die Aufarbeitung und Verwaltung der Werke über hat. Markenzeichen ist so eine Provenienz jedenfalls keines. Aber anscheinend auch nicht auszurotten.

Mikls Bilder am teuersten.
Und eine Sache der Generation außerdem, einer Generation, zu der das hierzulande beliebte Trio der österreichischen Abstraktion, Prachensky, Mikl und Hollegha, sicher zählt. In den 1950er-Jahren sammelten sie sich rund um Monsignore Mauer in der Galerie St. Stephan, als Gegenpol zu den Phantastischen Realisten. Eine männliche Avantgarde-Phalanx der gestischen Abstraktion, zu der anfangs auch Arnulf Rainer zählte. Aus dem Kampf von einst wurde ziemlich schnell ein kommerzieller Erfolg. Heute sind es die Bilder vom 2008 verstorbenen Josef

Mikl, die am höchsten gehandelt werden: Seine „Große Büste vor Rot“ (1986/88) wurde 2010 im Kinsky um 162.500 Euro versteigert.

Nahe an diesen Preis kommt eine orange-rote Farbexplosion, die sich seit Mittwoch in der Wiener Galerie Kovacek und Zetter entfaltet. Hier zeigt man eine beeindruckend große, sich über drei Geschoße erstreckende Werkauswahl der drei Maler. Rund 55 kapitale Ölgemälde und Papierarbeiten haben die zwei Händlerinnen aus Privatbesitz zusammengesammelt. Darunter eben auch Mikls zwei mal drei Meter große „Figur mit blauem Kopf“ von 1985, die mit 160.000 Euro angeschrieben steht. Im Dorotheum steht am 20.Mai „Landschaftsebene mit Blau” von 1985/86, 300 mal 200 cm, geschätzt auf 40.000 bis 60.000 Euro auf dem Programm.

In der Ausstellung wurden einige kleinere Arbeiten Mikls bereits am Tag nach der Eröffnung verkauft, genau wie vom 2011 verstorbenen Prachensky, von dem eine besonders große Auswahl vorhanden ist (11.000 bis 48.000 Euro). Der Höchstpreis für sein Werk auf dem Auktionsmarkt wurde ebenfalls vor Kurzem, 2012, im Kinsky erzielt: 131.000 Euro für das Großformat „Puglia Marina“ (1978, 330 mal 520 cm).

Auch Holleghas Rekord liegt nur wenige Jahre zurück, 2007 wurde ein außergewöhnliches Format von 1978, sieben Meter breit, um 120.000 Euro im Kinsky verkauft. Was prinzipiell bestätigt, was Claudia Kovacek-Longin für „ihre“ Künstler erklärt: Nämlich dass sich bei allen dreien die Preise in den letzten Jahren kontinuierlich nach oben bewegen – „und das sicherlich auch noch weiterhin tun“.

Mehr als verdoppelt. In den vergangenen zehn Jahren, so Kovacek-Longin, haben sie sich bei allen dreien mindestens verdoppelt. Vor allem, so makaber es ist, nach dem Tod von Mikl und Prachensky, konnte ein weiterer Preisanstieg bemerkt werden. Hollegha, der einzig noch Lebende, malt im Jahr nur wenige Bilder, was ebenfalls eine Verknappung bedeutet. Kovacek und Zetter haben selbst nur fünf davon in der Ausstellung, alle wie immer „Ohne Titel“. Das jüngste der energetischen, fröhlich-dekorativen Farbenfeuer stammt von 2010 und kostet 95.000 Euro.

Die Preise für Arbeiten von Prachensky, so Kovacek-Longin, hätten sich sogar verdreifacht. Im Dorotheum wird aktuell ein Bild aus Prachenskys „Ertruria“-Serie aus den 1980er-Jahren angeboten, „Ertruria Blues“, 175 mal 130 cm, geschätzt auf 25.000 bis 35.000 Euro.

Ausstellung bei Kovacek und Zetter: bis 7. Juni, Stallburggasse 2, Wien 1, Mo–Fr, 10–18h, Sa 11–14h.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2014)

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