Die Ostzone ist wieder da - aber ganz anders

Die Viennacontemporary will den internationalen Kunstmarkt ab sofort vom neuen Standort Neu Marx aufmischen.

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Die alternativen Kunst- und Satellitenmessen machen es schon lange vor: Eine Messe muss nicht unbedingt auf einem Messegelände stattfinden, um ihrem Ruf gerecht zu werden. Auch Parkhäuser, aufgelassene Bürogebäude oder Telegrafenämter eignen sich hervorragend, um zeitgenössische Kunst in einem interessanten urbanen Ambiente zu präsentieren. Nun folgt auch Wiens wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst diesem Trend. Als Schauplatz für ihre erste Ausgabe unter neuem Namen hat die Viennacontemporary, die bis 2014 mit der Reed Messe Wien kooperiert hatte, die ehemalige Rinderhalle auf dem Gelände des alten Schlachthofes St. Marx ausgesucht. Bislang hat sich die Marx-Halle als multifunktionale Veranstaltungshalle bewährt. Nun soll das Oberlicht der denkmalgeschützten Schmiedeeisenkonstruktion auch die zeitgenössische Kunst ins rechte Licht rücken.

Neuer Auftritt: Viennacontemporary

Träume von der internationalen Karriere. Wenngleich der Namens- und Schauplatzwechsel einem radikalen Facelifting gleichkommt, setzt die Messe unter der künstlerischen Leitung von Christina SteinbrecherPfandt in den Kernthemen auf Kontinuität. Zwar ist der Slogan „Focus on CEE“, den die Viennafair in den Anfangsjahren führte, längst aus dem Namen gestrichen, die Aufmerksamkeit für die osteuropäische Szene und ihre Entwicklung ist jedoch geblieben. Das spiegelt sich sowohl in der Ausstellerstruktur – etwa ein Drittel der teilnehmen den Galerien kommt aus der Region (darunter acht aus Russland, je sechs aus Polen und Rumänien) – wie auch im umfangreichen Vortrags- und Gesprächsprogramm wider. Im Sammlerprogramm „20four7“ etwa kommen osteuropäische Kunstsammler zu Wort, darunter der rumänische Privatsammler Ovidiu Sandor, der über die von ihm 2015 neu gegründete Art Encounters Foundation und sein Engagement zur Unterstützung rumänischer Kunst spricht.

Schwerpunktland ist in diesem Jahr Bulgarien, nach Aserbaidschan 2014, Georgien und Polen 2013 sowie Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan, der Ukraine und Weißrussland 2010. Dass sich neben zwei Institutionen, darunter das Institute of Contemporary Art (ICA), Sofia, nur eine Galerie – Sariev Contemporary – in der Aus stellerliste der Viennacontemporary findet, ist symptomatisch. Die bulgarische Kunstszene steht strukturell quasi am Anfang. Viele Künstler gehen ins Ausland und versuchen, sich ein zweites internationales Standbein aufzubauen, ohne den Kontakt zur Heimat ganz aufzugeben. „Der Godfather der bulgarischen Szene etwa, Nedko Solakov, hat lange Jahre im Ausland gearbeitet und ist jetzt wieder zurück“, sagt Steinbrecher-Pfandt. „So wie er versuchen auch viele andere, sich international ein zweites Standbein aufzubauen, halten aber dennoch Kontakt mit zu Hause. Dabei ist das in einer Privatwohnung untergebrachte ICA eine wichtige Institution, aus der viele bulgarische Künstler ihre Kraft schöpfen.“ An der Viennacontemporary wird die Lage der Kunst in Bulgarien durch Performances und Lectures veranschaulicht, in denen Künstler aus ihrem Erfahrungsschatz erzählen, wie es ist, dort Künstler zu sein. „Die Beiträge zeigen, dass die Künstler Mädchen für alles sind: Elektriker, Installateure, Filmemacher und so weiter, weil es einfach niemanden gibt, der die Kunstwerke montiert. Der Künstler ist eine multifunktionale ,Value Chain‘“, so Steinbrecher-Pfandt.

Grenzerfahrungen. Ein künstlerisches Novum ist „Cinema“. Unter Federführung des deutschen Video- und MedienkunstKurators und Galeristen Olaf Stüber wurde erstmals ein Format zur messegerechten Präsentation von Videos geschaffen. Vier Tage lang werden insgesamt 27 Videos zum Thema „Grenzerfahrung“ von österreichischen und internationalen Künstlern in unterschiedlicher Zusammenstellung im Loop präsentiert.

Besonderes Augenmerk gilt neben der Kunstvermittlung und der Präsentation von Sammlern und Sammlungen auch dieses Mal wieder der jungen Kunst. Im Rahmen der zentral gelegenen „Zone 1“ haben zugelassene Galeristen die Möglichkeit, Kojen für Einzelpräsentationen als Add-on zu buchen. Erstmals sind neben österreichischen Galeristen auch internationale Aussteller zugelassen. Ein speziell bei Galerien begehrter Programmpunkt ist auch diesmal der Gallery Prize für die beste Standgestaltung. Dotiert mit 5000 Euro, wird er jeweils an eine österreichische und eine internationale Galerie vergeben.

Tipp

Viennacontemporary in der MarxHalle: Karl-Farkas-Gasse 19, 1030 Wien. 24. bis 27. September. www.viennatemporary.at

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