Im Paradies der Reichen

Monaco Sculptures ist eine neue Spezialauktion samt Skulpturenparcours, die das französische Auktionshaus Artcurial in Monaco besser verankern soll.

„Final Days“ von KAWS ist mit einer Taxe von ein bis 1,5 Mio. Euro das teuerste Werk.
„Final Days“ von KAWS ist mit einer Taxe von ein bis 1,5 Mio. Euro das teuerste Werk.
„Final Days“ von KAWS ist mit einer Taxe von ein bis 1,5 Mio. Euro das teuerste Werk. – (c) Artcurial

Es könnte kaum einen besseren Ort für Auktionen geben als das Fürstentum Monaco, die Stadt der Superreichen. Die gesamte Côte d'Azur ist ja das Refugium der Wohlhabenden, die der Sommerhitze ans Meer entfliehen wollen. Hier haben die Reichen ihre Villen und Sommerhäuser, hier trifft man seinesgleichen. Das hat das französische Auktionshaus Artcurial schon vor 15 Jahren begriffen und hält seither jeden Sommer zwischen 17. und 19. Juli im elitären Hotel Hermitage seine Sommerauktionen ab. Geboten werden Oldtimer, Schmuck, Uhren und Hermès Vintage. Heuer wurde das Angebot erstmals um Skulpturen erweitert. Dazu hat sich das Auktionshaus mit der Monte-Carlo Société des Bains de Mer, jener Gesellschaft, der die wichtigsten Luxushotels, wie das Hotel de Paris und das Hermitage, Spielcasinos sowie Bars und Nachtklubs gehören, zusammengetan und unter dem Namen „Monaco Sculptures“ einen Skulpturenparcours quer durch Monte-Carlo zusammengestellt.

„Ich habe schon vor meiner Zeit bei Artcurial Auktionen in Monaco organisiert. Vor etwa 25 Jahren habe ich im Casino-Garten eine Verkaufsausstellung zeitgenössischer Skulpturen gesehen. Bei unseren Überlegungen, wie wir Artcurial in Monaco weiterentwickeln können, habe ich an diese Ausstellung gedacht“, sagt François Tajan, stellvertretender Vorsitzender von Artcurial und Initiator von Monaco Sculptures zur „Presse am Sonntag“. Also habe er einen Termin mit dem Präsidenten der Société des Bains de Mer ausgemacht und ihm seinen Plan vorgestellt. Dabei war er erfolgreich. So konnte das Auktionshaus die Skulpturen an zahlreichen Orten des Fürstentums ausbreiten und sie von Mai bis August einem breiten Publikum zugänglich machen. Versteigert werden sie allerdings schon am 19. Juli im Rahmen der Sommerauktionen im Hotel Hermitage.

Standort ausgebaut. Vier Jahre nach der Eröffnung eines kleinen Büros in Monaco hat das Auktionshaus neue Räumlichkeiten oberhalb der Casino-Gärten bezogen, die auch einen 100 Quadratmeter großen Ausstellungsraum umfasst. Kleinere Skulpturen der Auktion sind am neuen Standort von Artcurial zu sehen. „Wir wollen Artcurial permanent vor Ort verankern, nicht nur zu den beiden traditionellen Auktionsterminen im Jänner und im Juli“, sagt Tajan. Artcurial ist recht erfolgreich mit den beiden Auktionsterminen, die 2018 immerhin mehr als 20 Millionen Euro eingespielt haben. „Doch wir wollten uns nicht nur auf Uhren und Schmuck beschränken, sondern das Feld erweitern. So haben wir uns entschieden, eine Auktion nur für Skulpturen zu machen, die wir mehrere Monate an den schönstenFlecken Monte-Carlos ausstellen“, sagt Tajan. Der Standort und der exklusive Fokus auf Skulpturen des 20. und 21. Jahrhunderts sei bei den Kunden gut angekommen, und viele seien bereit gewesen, Arbeiten einzubringen. „Wir haben unter den offerierten Stücken die beste Qualität gewählt und hoffen, dass die Auktion ein Erfolg wird und wir Monaco Sculptures künftig jährlich veranstalten“, sagt der Initiator.

Das Skulpturenangebot ist breit gefächert und zeigt Werke von Künstlern wie Bernar Venet, Wang Du, Aristide Maillol, César, Philippe Hiquily, Marc Quinn, Arman, Richard Deacon oder auch KAWS. Die Skulptur „Final Days“ von KAWS ist das am höchsten geschätzte Los der Auktion. Der Schätzpreis für die 2014 entstandene Arbeit beträgt ein bis 1,5 Millionen Euro. KAWS gehört zu den neuen Superstars des internationalen Kunstmarktes. Seine Karriere begann er als Street-Art-Künstler, er hat zuletzt preislich einen Höhenflug erlebt. Seine Bilder und Skulpturen karikieren Comic-Charaktere wie Spongebob, die Simpsons oder die Peanuts. Das häufig eingesetzte und vom ihm gestaltete „Companion“-Gesicht mit durchkreuzten Augen bildet einen Ausgangspunkt für seine Arbeiten, so auch bei „Final Days“. Zuletzt erzielte seine Arbeit „Vol. 1. KAWS ALBUM“ im April bei Sotheby's in Hongkong einen neuen Rekordpreis von 14,8 Millionen Dollar. Der Schätzpreis lag bei einer Million Dollar.

Auch Keith Harings Kunst nahm seinen Ursprung in der Street Art, genauer gesagt in den Gängen der New Yorker U-Bahn. Dort startete er in den frühen 1980ern mit seinen „Subway Drawings“. Im Jahr 2018 würdigte ihn die Albertina mit der umfassenden Personale „Keith Haring. The Alphabet“. Die aus dem Jahr 1988 stammende Skulptur ohne Titel ist auf 380.000 bis 450.000 Euro geschätzt.

Zu den weiteren Höhepunkten der Auktion gehört „It is, it isn't“ von Tony Cragg aus dem Jahr 2010. Die Arbeiten des Bildhauers sind weltweit präsent. Er hat im Pariser Louvre, der Londoner Tate ebenso wie auf der Biennale von Venedig ausgestellt. Die Liste seiner Preise wird vom Praemium Imperiale, dem inoffiziellen Nobelpreis der Künste, und dem Turner-Preis angeführt. Artcurial schätzt die Arbeit auf 300.000 bis 400.000 Euro. Eine Größe der französischen Skulptur der Gegenwart ist Bernar Venet. Er war Teilnehmer der documenta 6 in Kassel und 1978 der Biennale Venedig. In Monaco ist er mit zwei Skulpturen vertreten: „56,5 Grad Angle“ hat einen Schätzwert von 120.000 bis 180.000 Euro, „223,5 Grad Arcs X5“ von 160.000 bis 220.000 Euro. Beide Skulpturen stehen im Garten des Casino de Monte-Carlo.

Gleich mit acht Skulpturen ist der bedeutende französische Bildhauer César vertreten. Der dem Nouveau Réalisme zugehörige Künstler hat unter anderem die Trophäe des französischen Filmpreises geschaffen. Preislich reichen die Arbeiten von 10.000 bis 15.000 Euro für „Compression Evian“ von 1990 bis 100.000 bis 150.000 Euro für „Poule Anna“von 1987.

Mit der Bronze „Figurengruppe mit drei Personen“ ist auch eine Arbeit des griechisch-österreichischen Bildhauers Joannis Avramidis unter den Losen. Der Schätzpreis liegt bei 20.000 bis 30.000 Euro. Skulpturen, besonders von monumentaler Größe, sind oft nicht leicht zu verkaufen. Doch diesbezüglich macht sich Tajan nur bedingt Sorgen. „Ja, es ist ein gewisses Risiko. Aber hier an der Riviera haben alle Skulpturen in ihren Gärten. Es ist der richtige Platz für eine Auktion wie diese.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2019)

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