Kunsthallen-Chef Gerald Matt von Prüfern entlastet

Kunsthallen-Vorstand Thomas Häusle geht davon aus, dass der vom Dienst freigestellte KH-Chef am 1. April zurückkehrt. Seit Dienstag ist die GmbH eingetragen, in welche die bisher als Verein organisierte KH umgewandelt werden soll.

(c) Clemens Fabry

Am Donnerstag wird in der Kunsthalle Wien (KH) die Ausstellung über den Schweizer Multimediakünstler Urs Fischer eröffnet. Gerald Matt hat sie an Land gezogen, wird aber nicht zur Eröffnung kommen. Denn er ist bis 1. April 2012 vom Dienst freigestellt: wegen des Vorwurfs, er habe Ressourcen der Kunsthalle für private Zwecke genutzt. Eine Sonderprüfung der Steuer- und Unternehmensberater IB Interbilanz Hübner entlastet ihn nun.

„Ich habe noch selten einen so gut organisierten Kulturbetrieb gesehen wie die Kunsthalle“, lobt IB-Geschäftsführer Andreas Röthlin. Die Prüfer haben insbesondere die vielfach kritisierte „Kostenstelle 10“ unter die Lupe genommen, in der allgemeine Kosten vermerkt sind, die nicht einzelnen Ausstellungen oder Projekten zuzuordnen sind. Laut Prüfern wurden weder Hinweise darauf gefunden, dass Matt seine Wohnung auf Kosten der Kunsthalle umbauen ließ noch dass er ihr seine Oldtimer-Reparaturen verrechnete. Der Bericht entlastet Matt auch von Vorwürfen, die Mitarbeiter in eidesstattlichen Erklärungen in Zeitungen gegen ihn erhoben haben.

Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt

Den Prüfbericht hat der KH-Verein im Auftrag der Stadt bestellt, es ist schon der dritte: „Die Prüfungen zahlt die Kunsthalle, sie kosten zirka 10.000 bis 15.000 Euro“, sagt KH-Vorstand Thomas Häusle. Für ihn ist klar, dass Matt am 1.April in die Kunsthalle zurückkehren kann, anderenfalls „wird er seine Ansprüche einklagen müssen“.

Matts Vertrag läuft bis 2014. Seit Dienstag ist die GmbH eingetragen, in welche die bisher als Verein organisierte KH umgewandelt werden soll. Die Übertragung wird noch dauern, sie soll aber bis Ende März abgeschlossen sein, erklärt Franz Patay, Gründungsgeschäftsführer der neuen KH-GmbH. Derzeit prüft eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im Auftrag der Stadt die KH, die HLB Intercontrol: „Es geht z.B. um Haftungsprobleme, aber auch um 200 Verträge, Mieten, Büros, Künstler, Mitarbeiter etc.“, erläutert Patay.

Wäre das Geld für Prüfberichte nicht besser in Ausstellungen investiert? HLB prüfe „anders, umfassender“ als Hübner, so Patay. Außerdem kommt noch ein Kontrollamtsbericht über die Kunsthalle. Ferner ermittelt die Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen Matt wegen verbotener Intervention und Untreue, dabei geht es um angeblich für Sponsorleistungen versprochene österreichische Staatsbürgerschaften. bp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2012)

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