Gerald Matt tritt als Kunsthallen-Direktor zurück

Knalleffekt in der Causa Matt: Der Museumschef, der bis 1. April dienstfrei gestellt ist, kehrt nicht in seinen Posten zurück. Der Vertrag wurde "einvernehmlich" aufgelöst.

Gerald Matt tritt KunsthallenDirektor
Gerald Matt tritt KunsthallenDirektor
(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Gerald Matt tritt als Direktor der Kunsthalle Wien zurück. Matt habe am Freitag um die Auflösung seines Vertrages als Direktor der Kulturinstitution gebeten, teilte Thomas Häusle für den Vorstand des Vereins Kunsthalle mit. "Der Vorstand stimmt mit größtem Bedauern einer einvernehmlichen Auflösung des Vertrages von Dr. Matt zu", heißt es.

Laut Häusle begründet Matt seinen Schritt damit, dass er der in der neu gegründeten GmbH anvisierten Trennung zwischen kaufmännischer und künstlerischer Leitung und damit einer Einschränkung seiner bisherigen vertraglichen Kompetenz der Gesamtleitung des Hauses auf eine rein künstlerische Verantwortung nicht zustimmen könne.

Matt halte die geplanten Trennung der Kunsthallen-Leitung in eine künstlerische und eine kaufmännische Leitung, "für seine Person als nicht sinnvoll", so der Verein. Keinen Bezug nimmt Matt demnach auf die Diskussion um seine Amtsführung, die zuletzt zu einer dreimonatigen Dienstfreistellung (bis April) geführt hat.

Grüne: Habe Ressourcen privat genützt

Matt wurde von Jahresanfang an für drei Monate dienstfrei gestellt. Die Grünen werfen ihm Nutzung der Ressourcen der Kunsthalle für private Zwecke vor, weiters hohe Reisekosten und Interventionen für Staatsbürgerschaften, die er Sponsoren versprochen haben soll.

Die Kunsthalle Wien ist seit Mitte Februar offiziell eine GmbH, bis dahin wurde sie als Verein geführt. Die rot-grüne Stadtregierung Wiens hatte sich infolge der Anschuldigungen gegen Matt auf eine Strukturänderungen geeinigt. Im Zuge dieser Neuaufstellung sind die Kunsthalle sowie die bisherige Kunsthallen-Tochter Kunst im öffentlichen Raum GmbH (KÖR) ins Eigentum der Stadt Wien übernommen worden. Interimistisch leitet derzeit Franz Patay die Geschicke der Kunsthalle.

Dank für Leistungen, Freude bei Grünen

Vereins-Präsident Häusle und Vizepräsident Menz bedankten sich "für die vielen Jahre einer gemeinsamen und erfolgreichen Tätigkeit und für die herausragenden Leistungen, die Dr. Matt für die Kunsthalle Wien erbrachte". Matt habe aus dem Provisorium am Karlsplatz ein international führendes Haus für zeitgenössische Kunst gemacht und künstlerische Schrittmacherdienste für Wien geleistet. Matt habe die Kunsthalle Wien zu einer international angesehenen Marke gemacht.

Die Wiener Grünen zeigten sich "sehr erfreut" von Matts Rücktritt. Alle strafrechtlich relevanten Vorwürfe seien durch die Gerichte zu klären, so Kultursprecher Klaus Werner-Lobo. "Matt hat die Kunsthalle und ihre Belegschaft wie sein Privateigentum behandelt und öffentliche Ressourcen für private Interessen missbraucht", kritisierte er.

Posten wird ausgeschrieben

Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) zeigte sich in einer ersten Reaktion eher neutral. "Ich nehme die Entscheidung Gerald Matts, seine Arbeit in der Kunsthalle zu beenden, zur Kenntnis", teilte er mit. Nun gehe es darum, die "erfolgreiche Arbeit der Kunsthalle in neuer personeller Zusammensetzung und in neuer Organisationsform fortzusetzen". Zu diesem Zweck werde von der neuen Kunsthallen GmbH neben der kaufmännischen Geschäftsführung auch die künstlerische Leitung ausgeschrieben. Damit seien die Weichen für einen Neustart des Hauses gestellt.

 

Auf einen Blick

Kunsthallen-Chef Gerald Matt, Kunsthistoriker, Jurist, seit 1996 im Amt, sieht sich seit Jahren im Kreuzfeuer der Kritik. Diese wurde im April 2011 belebt durch eidesstattliche Erklärungen seiner Mitarbeiter. Hauptvorwurf: Matt habe KH-Ressourcen für private Zwecke verwendet. Im Mai entließ die KH Kurator Thomas Mießgang. Im November drohten die Grünen mit einer Blockade der KH-Subvention im Gemeinderat, Matt wurde daraufhin befristet vom Dienst freigestellt.

(APA)

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