Shirin Neshat, nach 18 Jahren wieder solo in Wien

Gerald Matt zeigt die jüngste Film-Trilogie der US-iranischen Künstlerin im Neuen Wiener Kunstverein.

Roja (2016), llusions & Mirrors (2013), Courtesy of the artist and Gladstone Gallery, New York and Brussels
Roja (2016), llusions & Mirrors (2013), Courtesy of the artist and Gladstone Gallery, New York and Brussels

2000 war es, in der Wiener Kunsthalle, als der damalige Direktor Gerald Matt erstmals die in den USA lebende iranische Künstlerin Shirin Neshat in Wien zeigte. Eine großartige Künstlerin, eine der Pionierinnen der feministisch-muslimischen Kunst. Vor allem ihr Werk aus den 1990er Jahren ist ikonisch - die kalligrafisch mit Zitaten von iranischen Literatinnen überzogenen Schwarzweißfotos von Frauen, mit Schleier, mit Gewehr in der Hand teils. Ihre sehr reduzierten Videoinstallationen, die man auch in der Kunsthalle damals sah, auch eine Trilogie, nämlich Rapture (1999), Turbulent (1998) und Soliloquy (1999).

Matt bringt Neshat, die mit 18 Jahren ihre Heimat verließ und seither in den USA lebt, auch diesmal wieder nach Wien, das sie in den letzten Jahren wie umkreist hat - voriges Jahr gab es eine große Ausstellung in der Neuen Galerie in Graz, in Salzburg inszenierte sie die "Aida" bei den Festspielen. Bis vor kurzem lief noch ihr zweiter Spielfilm, "Looking for Oum Kulthum" in den Kinos. Neshat ist die einzige Künstlerin und eine der ganz wenigen (neben Julian Schnabel, Steve McQueen) aus der bildenden Kunst überhaupt, die in beiden Genres erfolgreich sind.

Ihre Spielfilmarbeit sieht man auch den jüngeren Videoinstallationen an, Installationen deshalb, weil sie sie gerne wie Skulpturen in Räumen hängen hätte bzw. manche sich aufeinander beziehen. Im Neuen Wiener Kunstverein, den Matts Frau Katarzyna Uszynska in einer Wohnung am Franz Joseph Kai betreibt, ist Neshats neueste Trilogie diesmal klassisch in Kinosituation zu sehen. Drei surreal-alptraumhafte, sehr poetische schwarzweiße Kurzfilme, die seit 2013 entstanden sind und um die Ängste und Träume von Frauen zwischen den Kulturen handeln. Neshats Filmruhm brachte ihr neben dem viel narrativeren Zugang auch den Zugang zu anderen Schauspielern, so spielt in einem Hollywood-Star Nathalie Portman die Hauptrolle (die sehr unheimliche Dinge erlebt, schaurig!). Sollte man sich jedenfalls anschauen, die Laufzeit ist gerade um zwei Wochen verlängert worden...

Neuer Kunstverein Wien, Neshat, bis 20. 10., Franz Josefs Kai 3, 3. Stock, Di–Mi 11:00–14:00; Do–Fr 16:00–18:00

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