ORF: Absurder Hokuspokus um die Museen

Ein Tattoo-Kunsthistoriker führt durch die bedeutendsten Museen der Welt - und beginnt mit dem KHM. Heute um 23.15 im ORF2.

Magie der Museen
Magie der Museen

Es ist interessant: Der ORF bringt eine koproduzierte Doku-Serie über die acht tollsten Kunstmuseen dieser Welt in der Montags-Kulturschiene um 23.15. Klingt jetzt nicht so überraschend. Aber: Es ist eine Low-Key-Einsteiger-Doku, die eindeutig die Schwellenangst vor dem Museumsbesuch nehmen soll, die der "Host" dieser Serie, der britische Kunsthistoriker Matt Lodder, konstatiert - diese Museen, sagt er, können manchmal "abschreckend" wirken. Keine Ahnung für wen noch, in Zeiten, in denen man bei Breugel-Ausstellungen nicht einmal seine eigenen Füße mehr sieht. Aber sagen wir mal, sie wirken abschreckend für Menschen, für die es noch abschreckender ist, um 23.15 die Kulturschiene des ORF zu schauen. 

Also schauen wir sowieso schon Kulturinteressierte diese Einsteiger-Doku und hören Dinge, die uns schaudern machen, die wir schon kennen und die uns unterfordern. Aber vielleicht erschließt sich diese "Magie" auch nur, wenn man mit "offenen Herzen", die Lodder für den Museumsbesuch empfiehlt, die Fernbedienung zückt. Es gibt natürlich sehr schöne Bilder, von vorwiegend weiblichen Regisseurinnen übrigens. Es ist auch immer schön, wenn man Vivien Westwood dabei zusieht, wie sie vor Velazquez' "Meninas" steht und staunt. (Natürlich müssen "Promis" her, der angeblichen Magie der Museen allein vertraut man dann doch nicht so.) Aber sonst kann uns der sichtlich und tatsächlich auf die Kunstgeschichte von Tattoos spezialisierte Host, der in einer skurrilen Keller-Schaltzentrale vor Bildschirmen und einer Wahrsager-Hightech-Kugel sitzt, wenig bieten, dass uns hier hält um diese Uhrzeit. Ein absurder Sendeplatz. Das wäre so, wie wenn man in einem dezidierten Wirtschaftsmagazin die Grundlagen des Kapitalismus zu erklären beginnt. Das würde niemand im ORF machen. Aber mit der Kultur kann man es. 

Vielleicht funktioniert es ja besser mit Museen, die man nicht so gut kennt. Am 17. Dezember geht es dann mit dem Prado weiter

 

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