Germanist Wendelin Schmidt-Dengler 66-jährig verstorben

Der Literatur- und Sprachwissenschafter Wendelin Schmidt-Dengler ist am Sonntag im Alter von 66 Jahren an einer Lungenembolie gestorben. 2007 war er zum "Wissenschafter des Jahres" gekürt worden.

Wendelin Schmidt-Dengler
Wendelin Schmidt-Dengler
(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Der Germanist und Literaturwissenschafter Wendelin Schmidt-Dengler ist völlig überraschend am Sonntag im Alter von 66 Jahren gestorben. Das teilte das Institut für Germanistik der Universität Wien am Montag mit. Schmidt-Dengler erlag einer Lungenembolie, wie es weiter hieß. Der Institutsvorstand der Germanistik und Leiter des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek galt als österreichischer Literaturpapst.

Schmidt-Dengler wurde am 20. Mai 1942 in Zagreb geboren. Der vielfach ausgezeichnete Germanist und Fußballfan hätte heuer im Rahmen der Frankfurter Buchmesse den "Preis der Kritik" erhalten sollen. Im Jahr 2007 wurde er zum "Wissenschafter des Jahres" gekürt. Im Zentrum seiner Arbeit stand die österreichische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts sowie die Wirkungsforschung der Antike. Das Österreichische Literaturarchiv hat er zu einer der bedeutendsten Literaturinstitutionen im deutschen Sprachraum ausgebaut.

In einem seiner letzten Interviews erklärte Schmidt-Dengler kurz vor der EM im Gespräch mit Norbert Mayer und Anne-Catherine Simon von der "Presse", was Fußball mit Ödipus und der Schlacht auf dem Lechfeld zu tun hat, und warum Spiele die Staatshygiene fördern.

Kollegen: Fach "wesentlich geprägt"

"Wir verlieren nicht nur einen großartigen Wissenschafter, sondern auch einen Freund und einen Kollegen, der unser Institut und die österreichische Germanistik wesentlich geprägt hat", schreibt der stellvertretende Vorstand des Instituts für Germanistik, Michael Rohrwasser, in der Nachricht über den Tod Wendelin Schmidt-Denglers.

"Er war Hochschullehrer, Wissenschafter und Literaturkritiker." - So charakterisierte Werner Welzig, ab 1968 ordentlicher Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte am Institut für Germanistik der Universität Wien und zwischen 1991 und 2003 Präsident der Österreichischischen Akademie der Wissenschaften, den verstorbenen Wendelin Schmidt-Dengler, seinen ehemaligen Untergebenen. "Seine Interessen waren vielfältig. Sie galten zunächst Heimito von Doderer, in jüngerer Zeit Thomas Bernhard", sagte Welzig Montagnachmittag gegenüber der APA.

Was Schmidt-Dengler ausgezeichnet habe: "Seine Darstellung der Literatur war so lebendig, dass er viele Leute aus anderen Fächern angezogen hat, die sonst eigentlich der Literatur indifferent gegenübergestanden sind." Der Literaturwissenschafter mit vielfältigen Talenten ("Zuletzt hat er ja auch einen Preis für Literaturkritik erhalten") hätte die Studenten mit seinem Vortrag und seinem Enthusiasmus begeistern können. Schmidt-Dengler sei dabei von seinem Herkommen her ja klassischer Philologe gewesen.

Mit "großer Bestürzung" haben auch die Organisationen des Literaturhauses, die Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur, die IG Autorinnen Autoren und die Übersetzergemeinschaft vom Tod ihres langjährigen Vorstandsmitglieds erfahren. Schmidt-Dengler habe "die Geschicke der Dokumentationsstelle und den Aufbau des Literaturhauses entscheidend mitgestaltet. Mit ihm hat die österreichische Gegenwartsliteratur einen ihrer größten und leidenschaftlichsten Fürsprecher verloren", heißt es in einer Aussendung des Literaturhauses.

 

(APA)

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